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Die von Angela Stehr kreierten "Traueroblaten", versehen mit Gruß oder Namen, lösen sich im Wasser, in oder auf der Erde mit der Zeit auf. Fotos: t & w
Die von Angela Stehr kreierten "Traueroblaten", versehen mit Gruß oder Namen, lösen sich im Wasser, in oder auf der Erde mit der Zeit auf. Fotos: t & w

Ein letzter Gruß aus Ton

pet Tespe. Sie liebt es, Stillleben zu malen. Mit Begeisterung bannt sie die Weite von Landschaften in ein Gemälde. Besonderen Reiz hat für sie das Anfertigen von Porträts. Und sie modelliert mit Leidenschaft Figuren. Mit einer ganz anderen Idee ist Künstlerin Angela Stehr aus Tespe jetzt erfolgreich: Mit der von ihr entwickelten „Traueroblate“ hat sie beim „International Funeral Award“ im niederländischen Heerlen den ersten Preis in der Kategorie „Bestattungsartikel“ gewonnen.

Angela Stehr hat einmal Theologie und Germanistik studiert, sie hat eine Ausbildung zur Restauratorin absolviert, in diesem Beruf ebenso gearbeitet wie als Musiklehrerin und später im Sekretariatsbereich einer großen deutschen Werft. „Daneben habe ich mich immer mit Kunst beschäftigt, gemalt, gestaltet und musiziert“, erzählt sie. Vor zwei Jahren richtete sich die heute 56-Jährige ihr Hof-Atelier am Haus der Familie in Tespe ein – mit dem Ziel, künftig von der Kunst zu leben. „Seitdem arbeite ich viel mehr, bin aber der glücklichste Mensch der Welt, weil ich Dinge machen kann, die ich gut finde“, erzählt sie mit einem strahlenden Lächeln.

Die Idee zur „Traueroblate“ kam Angela Stehr im vergangenen Frühjahr, als eine ihr bekannte ältere Dame verstorben war und auf See bestattet werden sollte. „Ich habe mich gefragt, was kann ich als Zeichen meiner Anteilnahme setzen.“ Die Antwort war die „Traueroblate“ – eine eigentlich einfache Idee, auf die man aber erst einmal kommen muss. Stehr gab der Familie eine Oblate als letzten Gruß mit, auch die Familie ließ mit der Urne Traueroblaten auf den Meeresgrund sinken.

Die „Traueroblate“ wird aus Ton geformt, als Herz, Blume oder Stern. Namen oder Grüße können eingeritzt werden, die Oblate wird dann nicht gebrannt, sondern nur getrocknet. Stehr: „Sie ist umweltverträglich und kann direkt mit in das Grab gegeben werden, aber auch auf eine Grabstelle gelegt werden. Sie ist geeignet für traditionelle oder anonyme Bestattungen, für den Friedwald oder eben für Seebestattungen.“ Da die „Traueroblate“ nicht gebrannt ist, löst sie sich im Laufe der Zeit auf. „Und wer weiß, vielleicht verbinden sich einmal die Überreste der Oblate und die Asche des geliebten Verstorbenen“, überlegt Stehr.

Es gehe ihr darum, den Menschen zu helfen, ihre Trauer um einen geliebten Verstorbenen zu bewältigen, erzählt die Tesperin. Wird die Traueroblate auf das Grab gelegt, zerfällt sie mit der Zeit. „Ich bin von meinem Produkt überzeugt und glaube, dass es eine gute Chance auf dem Markt hat“, sagt Angela Stehr. Es habe auch schon Anrufe von Interessenten gegeben, die gesagt haben, „genau das brauchen wir“.

Der Anruf der Organisatoren des „International Funeral Award“, die auf sie aufmerksam geworden waren, kam für Angela Stehr dennoch überraschend. Anfang September ging es dann zum ersten Mal in die Niederlande, wo die Tesperin in Bergen op Zoom einem achtköpfigen Gremium die „Traueroblate“ in einer 30-minütigen Präsentation vorstellte, jetzt fand die Preisverleihung statt.

Damit ihr niemand die Idee wegnehmen kann, meldete Stehr ihre „Traueroblate“ beim „Deutschen Patent- und Markenamt“ in München an – seit dem 14. August sind Produkt und Idee als Marke geschützt. Und wie sie es für ihre Bilder und Plastiken tut, setzt sich die Künstlerin auch für die Vermarktung der „Traueroblate“ ein, nimmt Kontakt zu Bestattungshäusern und Verbänden auf, denkt über die Teilnahme an Messen nach. Wichtig ist ihr auch, „dass soziale Probleme im Moment der Trauer in den Hintergrund geschoben werden“ – die „Traueroblate“ ist für wenige Euro zu haben.