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Die Bardowicker Mühle ist eines der schönsten Exemplare, das die Bedeutung des Müllerhandwerks dokumentiert.A/t&w
Die Bardowicker Mühle ist eines der schönsten Exemplare, das die Bedeutung des Müllerhandwerks dokumentiert.A/t&w

Auf dem Weg zur Via Molina

pet Lüneburg. Insgesamt 24 „Kulturstraßen“, allesamt vom Europarat zertifiziert, gibt es in Europa. Die erste und bekannteste war der „Jakobsweg“, der schon 1987 eingerichtet wurde. Es gibt den „Frankenweg“, die „Kulturroute der Wikinger“ oder die „Europäische Keramikstraße“. Warum es noch keine „Europäische Kulturstraße der Mühlen“ gibt, das ist dem Bardowicker Heinz Thiemann und seinem Mitstreiter Hans-Hinnrich Moss aus Scharnebeck ein Rätsel – und sie wollen dazu beitragen, das zu ändern.

Heinz Thiemann ist Sprecher der „Arbeitsgruppe Mühlenstraße“, die jetzt zur Tagung „Via Molina – eine europäische Kulturstraße der Mühlen“ in das Lüneburger Hotel Bergström eingeladen hatte. Andreas Engel, Vorsitzender des Mühlenfördervereins Lüneburg, begrüßte dazu Vertreter von deutschen Mühlenvereinen und auch Landesverbänden sowie vom Zentrum für Landschaftsinterpretation und Tourismus an der Universität Göttingen.

Thiemann, seit seiner Jugend ein „Fan“ von Mühlen, hat eine klare Vorstellung, wie es auf dem beschwerlichen Weg zur Zertifizierung durch den Europarat weitergehen soll. Ein Ergebnis der Tagung sei gewesen, Anfang 2014 eine Absichtserklärung, einen „Letter of Intent“, abzugeben, eine Europäische Kulturstraße der Mühlen zu etablieren. Thiemann: „Wir wissen jetzt, dass wir nicht allein sind, sondern dass wir eine große Schar an Mitstreitern haben.“

Die weiteren Schritte sind die Bildung einer Arbeitsgruppe „Via Molina“ im Frühjahr 2014, für Juni ist die Teilnahme an einem Seminar in Luxemburg angepeilt, das der Europarat für Gruppierungen anbietet, die Mitglied des Kulturstraßen-Programms werden wollen. Für August 2015 ist dann der Antrag auf Zertifizierung einer „Via Molina“ geplant – wann dann die Zertifizierung kommt, steht in den Sternen.

Heinz Thiemann erklärt die Absicht hinter dem Begriff „Europäische Kulturstraße“: „Eine europäische Kulturstraße ist ein Weg durch ein oder mehrere Länder oder Regionen, die sich mit Themen befassen, die wegen ihres geschichtlichen, künstlerischen und sozialen Interesses ,europäisch‘ sind, sei es aufgrund der geographischen Wegführung, des Inhalts oder der Bedeutung.“

Mühlen, „die ältesten Maschinen der Welt“ (Thiemann), eignen sich dafür ganz besonders gut. „Es gibt kaum ein anderes Projekt und Kulturgut, das so tief im Bewusstsein der Menschen verankert ist“, so Thiemann.

Neben ihrer jahrtausendealten Bedeutung für die Ernährung sei die Mühle in der Kunst, in der Dichtung und Malerei, in Märchen und Sagen verankert.

Im Ergebnis soll eine stärkere Wahrnehmung des Kulturguts Mühle dabei heraus kommen, dazu bessere Möglichkeiten, an Förderungen zum Erhalt von Mühlen zu kommen und auch Impulse für den Tourismus. Und Hans-Hinnrich Moss, selbst aktiver Müller, ergänzt lächelnd: „Früher war es doch so: Die drei wichtigsten Menschen in einem Dorf waren der Pastor, der Lehrer und der Müller.“

Zahlreiche regionale Mühlenstraßen gibt es bereits in Deutschland – die „Niedersächsische Mühlenstraße“ mit 427 Standorten ist die umfangreichste, Mühlenstraßen gibt es aber auch in Oberschwaben (103 Standorte), Nordsachsen (23) oder Westfalen (42). „Andere Kulturstraßen haben bei Null angefangen“, sagt Heinz Thiemann, „wir haben Strukturen, die schon weit fortgeschritten sind.“ Er und Moss sind zuversichtlich, dass das gemeinsame Symbol irgendwann an zahlreichen Mühlen in ganz Europa prangt.