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Als sie im Dezember 2011 aufbrachen um die Welt zu entdecken, hatten Matthias Testa (links) und Lasse Kroll nicht viel mehr als ihre Flugtickets im Gepäck. Fotos: Matthias Testa
Als sie im Dezember 2011 aufbrachen um die Welt zu entdecken, hatten Matthias Testa (links) und Lasse Kroll nicht viel mehr als ihre Flugtickets im Gepäck. Fotos: Matthias Testa

Mit dem Rucksack einmal um die Welt

jae Lüneburg. Lasse Kroll ist nicht auffällig braun gebrannt, trägt keinen geschichtsträchtigen Spazierstock und auch Warnschilder vor kreuzenden Kängurus sucht man bei ihm vergeblich. Nichts an dem 25-Jährigen deutet darauf hin, dass er noch vor wenigen Monaten quer durch die Welt reiste. In der Hand hält er ein Buch – 230 Seiten, die die Geschichte einer Weltreise erzählen, seiner Weltreise.

12. Dezember 2011: Im Terminal eins des Flughafens Hamburg beginnt für Lasse Kroll und Matthias Testa ihr ganz eigenes Abenteuer: Fünf Monate lang werden die Freunde durch 14 Länder der Erde fliegen, fahren, reiten, paddeln und laufen. Die Idee dazu ist gerade mal zwei Monate alt, sie kam den Lüneburger Studenten bei einem kalten Bierchen auf dem heimischen Balkon. „Ich hatte schon immer den Wunsch so eine Reise zu machen, weil ich nach der Schule auch nicht im Ausland war“, sagt Lasse Kroll. Nun betreten sie ein Flugzeug nach London, im Gepäck ein Ticket für insgesamt 11 Flüge über den Erdball, im Kopf einen lang gehegten Traum…

Während der Eine nach Südostasien strebte und der Andere Südamerika erkunden wollte, entschieden sich schließlich beide, alles zu sehen: Hongkong, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, die Philippinen, Australien, die Fidschi Inseln, Neuseeland, Chile, Bolivien, Peru und die USA. „In vielen Städten kannten wir schon Leute, die dort ihre Auslandssemester gemacht haben. So hatten wir teilweise schon Anlaufstellen“, erinnert sich Lasse Kroll. Meistens seien sie in Hostels oder Gästehäusern untergekommen, oft schliefen sie auch als Couchsurfer auf fremden Sofas.

Einige Monate später sitzt Lasse Kroll auf einem roten Polstersessel im LZ-Gebäude und nippt an einem Glas Wasser. Längst ist die Reise des gebürtigen Kielers vorbei, die Erinnerungen sind geblieben. Die Ziele fernab touristischer Attraktionen, hätten ihn am meisten beeindruckt, sagt er: „Laos hat mich wirklich begeistert, es ist ein fantastisches Land. Man hat das Gefühl alles läuft in Zeitlupe. Spätestens um 10 Uhr abends schließen alle Bars und Restaurants in der Stadt, denn am nächsten Morgen gehen alle zu einer Zeremonie im Tempel.“

Aber auch Armut, fehlende Infrastruktur und ein Leben ohne Strom und fließendes Wasser gehörten zu den Erfahrungen, die Kroll und Testa auf ihrer Reise machten. „Auf der einen Seite ist man schockiert, aber auf der anderen Seite fasziniert davon, wie es trotzdem funktioniert“, sagt Kroll. „Das kennt man hier nicht, wo immer irgendwer, sei es der Staat oder jemand anderes, für einen zuständig ist und es für alles einen Ansprechpartner gibt. Dort gibt es das nicht und trotzdem funktioniert das Leben.“

In ständig wechselnden Ländern, Städten und Herbergen riss der Kontakt zur Heimat nie ab. „Meine Freundin hat mich dazu gedrängt, dass ich einen Blog schreibe. An meinem ersten oder zweiten Tag habe ich angefangen Berichte zu schreiben und habe schnell Freude daran gefunden“, sagt Lasse Kroll. Mit nicht mehr als einem kleinen Laptop und der örtlich mehr oder weniger gut funktionierenden Internetverbindung, hielten die Weltentdecker Familie und Freunde regelmäßig über ihr Abenteuer auf dem Laufenden.

Bald waren die Studenten nicht mehr nur Reisende sondern auch Geschichtenerzähler. Kroll schrieb die Texte für den Blog, Testa kümmerte sich um die technische Verwaltung und die Fotos. „Irgendwann haben wir gesehen, dass wesentlich mehr Leute auf unserem Blog waren, als wir gedacht hatten“, sagt Kroll. 80 bis 100 Leser hätten sich pro Tag durchschnittlich durch den Blog geklickt. „Viele Leute haben gesagt, sie finden die Texte und Fotos toll, kommen am Computer aber gar nicht dazu das alles zu lesen“, so Kroll. Kurzerhand entschieden die Abenteurer ihre Erlebnisse auch als Buch zu veröffentlichen. Für 3,49 Euro können sich Interessierte das E-Book kaufen, für 17,20 Euro ist auch das klassische Buch „abflug – Reisen im Zeichen des Rucksacks“ zu haben.

Eine Karriere als Autor steht für Lasse Kroll aber nicht zur Debatte: „Dafür wird es wohl nicht reichen. Ich werde mich jetzt erst mal auf mein Studium konzentrieren. Aber wenn ich nochmal reise, werde ich den Blog auf jeden Fall auch wieder aktualisieren.“

 

Erleben Sie die Reise von Lasse Kroll und Matthias Testa nach und klicken Sie sich mit den Pfeilen durch die verschiedenen Ziele der Reisenden.