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Den einen zaubern sie ein Lächeln ins Gesicht, den anderen Sorgenfalten auf die Stirn: Wildgänse. Die Diskussion um ihre Bejagung reißt nicht ab. Foto: A/t&w
Den einen zaubern sie ein Lächeln ins Gesicht, den anderen Sorgenfalten auf die Stirn: Wildgänse. Die Diskussion um ihre Bejagung reißt nicht ab. Foto: A/t&w

Wildgänsejagd im Visier

emi Lüneburg. Für Naturschützer und Touristen sind sie schön anzusehen, Landwirten eher ein Dorn im Auge: Die Wildgänse, von denen viele derzeit in der Elbtalaue rasten und überwintern. Seit die schwarz-gelbe Landesregierung vor fünf Jahren die Jagdzeiten für Grau- und Kanadagänse verlängert und die Jagd für Bläss-, Ringel- und Saatgänse erlaubt hat, hagelte es verstärkt Protest. Nun hat der neue grüne Landwirtschaftsminister Niedersachsens, Christian Meyer, angekündigt, die Gänsejagd in Vogelschutzgebieten ab 2014 einschränken zu wollen. Naturschützer freuen sich, fordern aber ein noch schnelleres Vorgehen der Regierung. Landwirte sehen den Vorstoß kritisch.

Einer von ihnen ist Karsten Reinstorf aus Radegast in der niedersäschischen Elbtalaue. Ihm machen aber weniger die rastenden Zugvögel als vielmehr die heimisch gewordenen Graugänse zu schaffen. Die richten nicht nur im Winter Fraß- und Trittschäden auf den Äckern an, sondern fressen auch im Sommer aufkeimende Grünpflanzen. Zwar erhält Karsten Reinstorf wie viele andere Landwirte in der Elbtalaue im Rahmen des Vertragsnaturschutzes Ausgleichszahlungen dafür, dass er die Tiere nicht vertreibt. „Aber der Vertrag gilt nur für die Wintermonate.“

Im Sommer drohen auf einigen, zum Teil verkoteten und durch Federn verunreinigten Grünlandflächen hundertprozentige Verluste. Die Pläne des Ministers hält Reinstorf für vorschnell: „Herr Meyer wäre gut beraten, den Dialog vor Ort mit Naturschützern, Jägern und Landwirten zu suchen.“

Nicht schnell genug geht es wiederum den Naturschützern. „Eigentlich hätte die Jagd auf Zugvögel schon zur beginnenden Jagdsaison am 1. November beendet werden müssen“, schreibt der NABU Niedersachsen in einer Pressemitteilung. „Nun müssen wieder unnötig viele Vögel ihr Leben lassen.“

Die Jagd auf Gänse zur Minderung von landwirtschaftlichen Schäden sei ohnehin wirkungslos, findet auch Heinz Düllberg vom NABU Lüneburg. Sie habe sogar das Gegenteil zur Folge: „Bejagte Gänse werden scheu, flüchten bereits auf große Distanzen und benötigen durch häufiges Umherfliegen letztlich mehr Energie – und damit auch mehr Futter.“ Oft würden die Vögel durch Schrotpartikel nur verletzt und verendeten später qualvoll.

Nach Angaben von Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs sind im vergangenen Jahr im Landkreis Lüneburg zirka 500 Wildgänse geschossen worden. Der weitaus größte Teil davon waren Graugänse. Saat- und Blässgänse, die, aus Russland kommend, in der Elbtalaue rasten, schlugen mit je etwa 50 Stück zu Buche. Sie dürfen in Vogelschutzgebieten nicht bejagt werden. Cohrs will die geplante Verordnung nicht kommentieren, solange sie nicht samt Begründung vorliegt. Aber er sagt: „Gänse halten sich nicht an Vertragsflächen. Wir Jäger können die Landwirte nicht im Regen stehen lassen.“

Die neue Jagdzeitenverordnung soll 2014 in Kraft treten. Derzeit sei nach Stellungnahmen und mehreren Gesprächen ein gemeinsamer Vorschlag von Landwirtschafts- und Umweltministerium in Arbeit, berichtet ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Der Vorschlag solle dann erneut mit den Verbänden erörtert werden.