Mittwoch , 28. September 2016
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Rachir Ouedra hat Angst um seinen Arbeitsplatz. Er fordert klare Aussagen des Managements der Firma Pickenpack, wie es an der Lüner Rennbahn künftig weitergehen soll.
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Rachir Ouedra hat Angst um seinen Arbeitsplatz. Er fordert klare Aussagen des Managements der Firma Pickenpack, wie es an der Lüner Rennbahn künftig weitergehen soll. Foto: ca

Arbeiter machen Druck

ca Lüneburg. Rachid Ouedra ist richtig sauer, er macht Rabatz mit seiner Pfeife und brüllt wie die anderen „Pickenpack muss bleiben, Pickenpack muss bleiben!“ Seit 25 Jahren arbeitet er bei dem Tiefkühlfischproduzenten: „Ich bin 51, wo soll ich einen Job finden, wenn die hier zumachen?“ Das Management schweige: „Jeden Tag, an dem man zur Arbeit kommt, ist man unsicher. Manche können nachts nicht mehr schlafen.“

Die Mitarbeiter wollten doch wissen, wie die Zukunft aussehe, doch alle Erklärungen der Chefs seien vage. Ouedra und rund 100 Kollegen blockieren am Werkstor die Lüner Rennbahn, um Druck zu machen. Im Betrieb verhandeln am Donnerstagmittag Geschäftsleitung, Betriebsrat und die Gewerkschaft NGG über einen Sozialplan. Fest steht: 75 der 600 Beschäftigten müssen gehen.

Die Sorge reicht weiter. Wie berichtet, fürchten die Arbeiter und Angestellten, dass der Betrieb dichtgemacht wird. Vor Jahrzehnten kam das Familienunternehmen um Jan Pickenpack an die Ilmenau – und wuchs kräftig. Neue Eigentümer kamen, erst aus Island, die aktuellen sitzen in China. Der Markt leidet an Überproduktion, die Lüneburger haben Angst, im Wettbewerb mit einem Schwesterbetrieb im ostfriesischen Riepe den Kürzeren zu ziehen.

Eigentlich wollte die Geschäftsführung bis Ende des Monats bekannt geben, wie es weitergeht. Eigentlich. Gewerkschaftssekretärin Silke Kettner, die mitverhandelt, sagt später: „Nun heißt es, das wird nichts. Es sei eine Frage von Monaten.“ Die Enttäuschung und Wut der Arbeiter ist spürbar.

Am Nachmittag schickt Geschäftsführer Finnbogi Baldvinsson eine Erklärung, die erste, bislang wurde keine Anfrage der LZ beantwortet: „Wir arbeiten sehr konzentriert an dieser Herausforderung und haben Mitarbeiter aus der Führungsebene in Vollzeit dafür abgestellt, die Zukunftschancen unseres Unternehmens zu untersuchen, um zu gewährleisten, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“ Und: „Bis dahin werden wir unsere Mitarbeiter, den Betriebsrat, die Gewerkschaft und die Verantwortlichen der Region Lüneburg im Verlauf dieser Entscheidungsfindung ständig auf dem Laufenden halten.“

Das wäre neu. Die Arbeitnehmervertreter sind gespannt, ob sich die Chefs daran halten. Sie verhandeln Details des Sozialplans jedenfalls mit Akribie und Weitblick. Silke Kettner sagt: „Es kann ja sein, dass der Vertrag auch zur Grundlage einer möglichen zweiten Kündigungswelle werden könnte.“ Am 22. November steht die nächste Verhandlungsrunde an.

Rachid Ouedra, der bei Pickenpack Fisch verarbeitet, wartet auf ein gutes Ergebnis und hofft auf eine Zukunft über das zurückliegende Vierteljahrhundert hinaus.