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Gerhard Schreyer vom kommunalen Müllentsorger GfA zeigt eine Sammlung von Müll-Fundstücken aus Wald und Flur. Neben Bauschutt müssen seine Kollegen und er immer wieder auch Kanister mit Altölen und Chemikalien entsorgen. Foto: t&w
Gerhard Schreyer vom kommunalen Müllentsorger GfA zeigt eine Sammlung von Müll-Fundstücken aus Wald und Flur. Neben Bauschutt müssen seine Kollegen und er immer wieder auch Kanister mit Altölen und Chemikalien entsorgen. Foto: t&w

Wald als wilde Müllkippe

dth Bardowick/Lüneburg. Immer mehr Müll und Bauschutt wird heimlich in den Wäldern des Landkreises Lüneburg entsorgt, ärgert sich Gerhard Schreyer von der Gesellschaft für Abwallwirtschaft (GfA) Lüneburg, der den Dreck wieder wegräumen muss. Den Vogel schossen vor wenigen Wochen Unbekannte ab, als sie 7,52 Tonnen Bauschutt im Bardowicker Forst abkippten. Schreyer hat zumindest eine vage Spur zu den möglichen Tätern: ein Türschild.

Kurz vor dem LZ-Gespräch hat Gerhard Schreyer schon wieder neun Autoreifen aus einer Böschung bei Bleckede herausgeholt, in seinen Wagen gewuchtet und zur Entsorgung zum GfA-Recyclinghof in Bardowick gebracht. „Es wird immer mehr“, sagt er. Im laufenden Jahr wurden ihm bisher 96 wilde Müllablagerungen im Landkreis Lüneburg gemeldet, im vergangenen Jahr waren es „im gleichen Zeitraum nur 75“.

Müll und Dreck, den Schreyer auf Kosten der Allgemeinheit beseitigt. Denn: „Die Kosten für die Entsorgung sowie für zusätzlichen Personal- und Maschineneinsatz werden über die allgemeinen Müllgebühren finanziert.“ Insgesamt seien so in diesem Jahr bereits 16,5 Tonnen Müll entsorgt worden, die andere Menschen zuvor in die Umwelt gekippt hatten – von Ölkanistern und Dachpappen, über Batterien, Kühlschränke bis hin zu Jägerzäunen. Kosten: schätzungsweise 20 000 Euro.

Unrühmliche Spitzenreiter waren vor wenigen Wochen Unbekannte, die zwischen Bardowick und St. Dionys 7,52 Tonnen Bauschutt in der Landschaft verteilten. Vier GfA-Mitarbeiter brauchten einen Arbeitstag, um den Schutt in zwei Anhängerladungen abzutransportieren. „Zuerst dachte ich, da hat jemand seine Scheune entsorgt“, sagt Schreyer. Doch Tapetenreste auf den zerhackten Holzwänden deuteten darauf hin, dass in den ehemaligen vier Wänden auch jemand gewohnt hat – und zwar „Herr Krüger“. So besagt es ein Schild, das Schreyer auf den Resten eines Türbalkens gefunden hat.

So gehört zu Schreyers Tätigkeit auch immer eine Prise Detektivarbeit, er ist aber vor allem auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, um illegale Müllhalden zu entdecken und den Verursacher zu ermitteln. Auch mit Blick auf „Herrn Krüger“ sagt Schreyer: „Wie heißt es so schön: Für sachdienliche Hinweise wählen Sie bitte die 0 41 31 / 92 32 53. Die Umwelt dankt es Ihnen.“

Hat er einmal einen der Umweltsünder erwischt, geht der Fall in der Regel an das Ordnungsamt des Landkreises. Kreissprecherin Elena Bartels sagt: „Der Bußgeldrahmen bei solchen Ordnungswidrigkeiten geht bis zu 50 000 Euro.“ Dazu kommen die regulären Entsorgungskosten. Und die Höhe des Bußgelds hängt nicht nur von der Menge des wild entsorgten Mülls ab, sondern auch davon, ob Gefahrstoffe darunter sind.

Schreyer ergänzt: „Es ist also in der Regel günstiger, gleich die Entsorgungsgebühren zu zahlen.“ Bauschutt wie Mauerwerk beispielsweise wird nach Gewicht abgerechnet, mit 29,75 Euro pro Tonne, vermischter Bauschutt kostet 41,65 Euro. Bei kleineren Mengen bis 0,5 Kubikmeter kann auch ein pauschaler Preis gelten – von sechs Euro. Kühlschränke, Altöl, Batterien, Leuchtstofflampen oder Farbreste können in haushaltsüblichen Mengen auch kostenlos bei der GfA (Adendorfer Weg 7, Bardowick) abgegeben werden. Weitere Infos unter www.gfa-lueneburg.de.

One comment

  1. Finde auch, dass sowas mehr verfolgt gehört. Es ist leider eine regelrechte Modeerscheinung, seinen Müll irgendwo abzuladen. Aus dem Augen, aus dem Sinn aber das man damit weit aus mehr Schaden anrichtet, vergessen die meisten aus dem Aspekt der Bequemlichkeit. Es gibt genug Entsorgungsverbände und Entsorger im Netz. Habe auch mich bei Müllwitschaft.de ein wenig belesen, als ich Dachpappe entsorgen wollte … wusste nicht, dass das Sondermüll ist. So lernt man dazu, andere Menschen aber nicht …