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Das Rettungsdienst-System ist zuletzt 2012 überarbeitet worden. Jetzt muss erneut nachgebessert werden, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Foto: A/be
Das Rettungsdienst-System ist zuletzt 2012 überarbeitet worden. Jetzt muss erneut nachgebessert werden, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Foto: A/be

In 15 Minuten am Einsatzort ?

dth Lüneburg/Neuhaus. Die Helfer sind insgesamt zu langsam: Der Landkreis Lüneburg kann nach den jüngsten Einsatzzahlen der Rettungsdienste die gesetzliche Hilfsfrist nicht im geforderten Maß erfüllen. Denn das Gesetz sieht vor, dass so viele Einsatzfahrzeuge vorgehalten werden müssen, dass in der Praxis mindestens 95 Prozent aller Notfalleinsatzorte an einer öffentlichen Straße innerhalb von 15 Minuten bedient werden können. Derzeit ist das allerdings nur bei 91,7 Prozent der Fall. Deshalb will der Landkreis erneut nachbessern. Um von den Krankenkassen, die die Kosten tragen, grünes Licht für eine Ausweitung des Rettungsdienst-Angebotes zu erhalten, muss der Kreis dazu ein Gutachten vorlegen. Zugleich liegen Anträge zweier privater Krankentransportunternehmer vor, die ihr Angebot ausweiten wollen. Das aber will der Kreis verhindern, um die öffentlichen Dienste zu stärken.

Das Rettungsdienst-System war gestern Thema in Neuhaus: Einstimmig beauftragte der Kreistagsausschuss für Feuer-, Katastrophenschutz und Ordnungsangelegenheiten die Verwaltung, einen externen Sachverständigen die Rettungsdienst-Organisation unter die Lupe nehmen zu lassen. Ziel ist die Fortschreibung des sogenannten „Rettungsdienstbedarfsplans“, der zuletzt 2008 aktualisiert und in den Folgejahren nachgebessert wurde.

Die Gesamtzahl der Rettungsdiensteinsätze ist von 25 660 im Jahr 2007 auf 29 190 im Jahr 2012 gestiegen – um 13,8 Prozent. Und der Trend setzt sich auch im laufenden Jahr fort: Auf Basis der bisher gefahrenen Einsätze geht der Landkreis in einer Hochrechnung bis Ende 2013 von rund 30 200 Einsätzen aus, sagt Kreissprecherin Frauke Noweck.

Viel entscheidender als die Steigerung der Einsatzzahlen sei aber, dass die gesetzliche Hilfsfrist nicht im geforderten Maß eingehalten wird. Kreisrätin Monika Scherf sagt auf LZ-Nachfrage: „Wir müssen deshalb unsere Strukturen überprüfen, ob die Rettungsfahrzeuge an den richtigen Standorten untergebracht sind und vor allem, ob wir genügend haben.“

Gemeinschaftlich sind das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) vom Landkreis beauftragt, den Rettungsdienst zu organisieren. Kreissprecherin Noweck sagt: „Zur Verfügung stehen insgesamt sieben Rettungsfahrzeuge, davon stehen drei in Lüneburg und jeweils eins an den vier anderen Standorten.“ Das sind Bockelkathen, Drögennindorf, Ellringen und Zeetze.

Ein weiterer Aspekt sind die Krankentransporte: Als private Anbieter sind im Kreis derzeit „Wir pflegen Sie e.V.“ und die ASG Ambulanz OHG tätig mit insgesamt sechs Krankentransportwagen – und sie haben weitere neun beantragt. Mit dem Gutachten zum „Rettungsdienstbedarfsplan“ soll laut Kreisrätin Scherf aber sichergestellt werden, „dass diejenigen, die den Rettungsdienst machen, auch den Krankentransport übernehmen, damit sie wirtschaftlicher arbeiten können“ – also DRK und ASB.

So sagt auch Harald Kreft, Geschäftsführer des ASB-Kreisverbands Lüneburg: „Wir würden es begrüßen, wenn der Landkreis die Entscheidung trifft, dass wir gemeinsam mit dem DRK zusätzliche Kapazitäten bereitstellen sollen.“ Und Matthias Körte, Geschäftsführer des Lüneburger DRK-Kreisverbands, sagt: „Man muss den Einsatz von Notarzteinsatzfahrzeugen, Rettungsdienstwagen und qualifiziertem Krankentransport im öffentlichen System als Einheit sehen. Sollte der qualifizierte Krankentransport für uns wegfallen, würden die anderen beiden Bereiche erheblich teurer werden.“

Für das Rettungsdienst-Gutachten durch das auch bei Krankenkassen anerkannte Büro „Forplan Dr. Schmiedel GmbH“ stellt der Landkreis Lüneburg 25 000 Euro im Haushalt bereit. Erste Ergebnisse sollen im Laufe des Jahres 2014 umgesetzt werden.