Dienstag , 27. September 2016
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Mojib Latif ist der wohl bekannteste Klimaforscher Deutschlands. Zum Thema "Herausforderung Klimawandel" sprach er jetzt in Lauenburg.
Foto: tja
Mojib Latif ist der wohl bekannteste Klimaforscher Deutschlands. Zum Thema "Herausforderung Klimawandel" sprach er jetzt in Lauenburg. Foto: tja

In Zukunft noch mehr Sturm und Regen

tja Lauenburg. Deutschlands bekanntester Klima-Forscher Mojib Latif hat keine guten Nachrichten für die Anwohner am Elbufer: „Starkregenereignisse werden in ihrer Stärke deutlich zunehmen“, sagte er in Lauenburg. Wie zuletzt im Juni, als die Elbe in Lauenburg auf 9,64 Meter angestiegen war, drohen in Zukunft dann massive Überschwemmungen und Evakuierungen. Latif: „Nicht unbedingt öfter, aber stärker wird das Wasser kommen.“

Hinzu komme die Gefahr von Sturmböen, die bei steigendem Meeresspiegel auch mehr Wasser von der Nordsee in die Elbe drücken würden. Latif lehrt am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, sprach zum Thema „Herausforderung Klimawandel“. Mehr als 100 Interessierte hörten ihm in der Osterwohld-Halle zu.

Wenn sich die Ozeane weiter erwärmen, dann wird in Lauenburg der Pegel der Elbe bei Hochwasser noch stärker ansteigen. Dieser Zusammenhang ist gegeben, wie Klimaforscher Latif erklärte. „Das Wasser aus den Ozeanen verdunstet umso stärker, je wärmer es ist. Dann sammelt sich in den Wolken viel Energie, die sich in Stürmen entlädt. In dem Zusammenhang kommt es auch zu Starkregenereignissen“, berichtete Latif.

Der 59-Jährige lebt in Hamburg. Die Sturm-Folgen habe man gerade erst auf den Philippinen sehen können, so Latif. Starkregen, wenn er denn im Einzugsgebiet der Elbe fällt, flutet dann irgendwann auch immer Lauenburg, weiß der Experte. Er geht davon aus, dass es in Zukunft öfter und extremer zu Stürmen und Niederschlägen kommen wird. „Die Regenmenge wird in allen Jahreszeiten zunehmen, und zwar dort, wo es heute schon regnet. In Südeuropa etwa wird der Regen noch seltener werden“, warnt der Forscher. Der unwetterartige Regen in Österreich, Tschechien und anderen Ländern im Sommer, der zu dem Hochwasser der Elbe führte, dürfte also nur ein Vorgeschmack gewesen sein.

„Die Herausforderungen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen, werden von den meisten Menschen noch immer unterschätzt“, so Latif. „Es bedarf eines massiven Energiewandels“, sagte er. Denn in der Produktion des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid sieht Latif die größte Ursache der Probleme von Erderwärmung bis zum Anstieg des Meeresspiegels. „Wir haben in Eiskernen aus dem Südpol Hinweise darauf gefunden, dass es Kohlendioxid oder Methan noch nie in dieser Höhe gegeben hat wie jetzt. Eigentlich müssten alle Alarmglocken schrillen“, so Latif, „aber sie tun es leider nicht.“

Folge: Während man etwa in Deutschland und den USA versucht, den Ausstoß zu reduzieren, wird in China immer mehr davon in die Atmosphäre gegeben. Auch, weil dort immer öfter für Europa oder Amerika produziert wird.

Latif rechnete vor, dass bei einem gleichbleibenden CO2-Ausstoß auf heutigem Niveau die Erderwärmung um ein oder zwei Grad zunehmen würde. Bei einer wahrscheinlicheren Annahme eines weiterhin steigenden Ausstoßes von Kohlendioxid dürfte es ein Plus von bis zu sechs Grad geben. „Vier Grad wären schon Welten“, warnt der Wissenschaftler. Denn jedes Grad mehr lässt den Meersspiegel weiter steigen. „Wir führen ein Experiment mit unserem Planeten Erde durch, und ich weiß nicht, ob das in der Form weise ist“, sagte Latif.