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Angefangen hat ihre Karriere als Sparratgeber mit einer kleinen Rezept-Broschüre für Hartz-IV-Empfänger. 
Mittlerweile sind neben weiteren Broschüren auch Bücher dazugekommen  außerdem sind Uwe Glinka (l.) und Kurt Meier als Experten  regelmäßig in den Medien präsent. Foto: t&w
Angefangen hat ihre Karriere als Sparratgeber mit einer kleinen Rezept-Broschüre für Hartz-IV-Empfänger. Mittlerweile sind neben weiteren Broschüren auch Bücher dazugekommen  außerdem sind Uwe Glinka (l.) und Kurt Meier als Experten regelmäßig in den Medien präsent. Foto: t&w

Als Krisenköche zu Medienstars

off Lüdershausen. Sie haben Post vom Papst bekommen, waren auf der Titelseite der Bild-Zeitung und standen vor den Kameras fast jedes deutschen Fernsehsenders. Als Hartz-IV-Köche feierten Uwe Glinka und Kurt Meier heute vor fünf Jahren bei SternTV mit ihrem Kochbuch für Arme den medialen Durchbruch und gelten seitdem als die Sparexperten für Presse, Funk und Fernsehen. Mehr als 70 Mal waren die ehemaligen Hartz-IV-Empfänger aus Mechtersen und Lüdershausen allein im Fernsehen zu sehen, sieben Bücher haben sie mittlerweile veröffentlicht, erhalten nach wie vor fast wöchentlich verschiedene Medienanfragen. Eine beispielhafte Erfolgsgeschichte. Und trotzdem: Sorglos leben können Glinka und Meier noch immer nicht.
Ein Vormittag im November, die beiden Sparexperten sitzen in Lüdershausen am Esstisch von Uwe Meier der Platz, an dem sie in den letzten fünf Jahren fast alle Journalisten zum Interview empfangen haben. Glinka hat einen Zettel vorbereitet, auf dem er „einige Fernsehauftritte“ aufgelistet hat, daneben liegt eine Auswahl ihrer Bücher und Broschüren, von der Autobiografie „Wir Krisenköche“ über das Familien-Sparkochbuch bis zum 30-seitigen Einkaufsführer Haushalt.
Es ist unübersehbar: Glinka und Meier waren fleißig und ständig auf der Suche nach neuen Sparthemen. „Um gefragt und im Geschäft zu bleiben, müssen wir immer etwas Neues anbieten“, sagt Glinka. Ihr akutelles Projekt auf www.diesparratgeber.de: Ein Online-Sparclub zur individuellen Nutzung.
Mit Glück und harter Arbeit ist Glinka und Meier der Aufstieg gelungen, sie haben sich aus dem Hartz-IV-Sumpf gezogen und können von ihrem Sparratgeber-Geld leben. Mal besser. Mal schlechter. „Auch wir versuchen, so gut es geht zu sparen“, sagt Meier. Trotzdem gab es Momente in den letzten fünf Jahren, in denen sie ohne staatliche Unterstützung nicht über die Runden gekommen wären. „Die vielen öffentlichen Auftritte erwecken vielleicht den Eindruck, wir müssten reich sein“, sagt Glinka, „tatsächlich sichert uns das aber kein großes Einkommen.“ Um Geld zu verdienen, müssen sie vor allem ihre Produkte verkaufen. „Das ist dank der Medienpräsenz leichter“, sagt Glinka, „aber immer noch ein hartes Geschäft.“
Hart ist auch ihr Kernjob: Supermarkt für Supermarkt, Drogerie für Drogerie zu durchkämmen, um Preise, Nummern und Angebote zu dokumentieren. „Sicherlich könnten wir auch einen Studenten mit dem Klemmbrett losschicken, um die Daten zu sammeln“, sagt Meier. Doch die konkreten Angaben gehören zum Erfolgsrezept der Sparexperten, „also gehen wir auf Nummer sicher und machen auch diesen Job lieber selbst.“
Die vielen Medienauftritte haben Glinka und Meier selbstbewusster gemacht abgehoben sind sie deswegen nicht. Beide wissen: Ihren Erfolg haben sie auch einer ordentlichen Portion Glück zu verdanken. „Und keiner von uns weiß, wie lange das noch gut geht und wo uns unser Weg noch hinführen wird.“
Ideen und Rezepte zum Sparen haben sie auf jeden Fall genug. Und auch der Papst hat ihnen für ihr Projekt persönlich seinen Segen gegeben. „Weil das oberste Kirchenoberhaupt selbst kein Gehalt bekommt, habe ich ihm auch eines unserer Kochbücher geschickt“, sagt Meier. Eine Geste mit Augenzwinken, für die sich der ehemalige Papst Benedikt tatsächlich bedankte und den Hartz-IV-Köchen für ihren weiteren Weg die „besten Segenswünsche“ schickte.