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Den Mittwoch vergangener Woche wird Hannes Nolte so schnell wohl nicht vergessen: Weil er seine Schulbuskarte zu Hause vergessen hatte, verweigerte ihm der Busfahrer die Mitfahrt. Der Elfjährige musste drei Stunden am Schulzentrum in Salzhausen warten. Foto: t&w
Den Mittwoch vergangener Woche wird Hannes Nolte so schnell wohl nicht vergessen: Weil er seine Schulbuskarte zu Hause vergessen hatte, verweigerte ihm der Busfahrer die Mitfahrt. Der Elfjährige musste drei Stunden am Schulzentrum in Salzhausen warten. Foto: t&w

Kalte Lektion für Fünftklässler

kre Soderstorf/Salzhausen. Wie lange muss ein Schüler im Freien stehen, weil er seine Schulbuskarte vergessen hat? „Auf keinen Fall drei Stunden. Und schon gar nicht bei dieser Kälte“, sagt Doris Nolte erbost – denn genau diese Erfahrung musste jetzt ihr Sohn Hannes machen. Der Elfjährige besucht das Gymnasium in Salzhausen. Den vergangenen Mittwoch allerdings wird der Fünftklässler so schnell wohl nicht vergessen. An diesem Tag hatte Hannes seine Jahreskarte zu Hause liegen lassen. Eine Schusseligkeit, die für den Elfjährigen noch Folgen haben sollte. Keine Buskarte – keine Mitfahrt, lautete die strenge Lektion des Fahrers, als der Fünftklässler nach Schulschluss in den Bus steigen wollte. Hannes stand nun also da – ohne Geld, um ein Ticket zu lösen, ohne Mobiltelefon, um seine Mutter über sein Missgeschick zu informieren.

Zwar sind die Beförderungsrichtlinien des Busunternehmens eindeutig: Wer keinen gültigen Fahrausweis vorweisen kann, darf auch nicht mitfahren – „doch in diesem speziellen Fall wäre eine Ausnahme wohl möglich gewesen“, glaubt eine Sprecherin des Busunternehmens KVG/VOG, in dessen Aufrag der Busfahrer unterwegs war. „Ich habe mit dem Fahrer gesprochen“, berichtet die Mitarbeiterin auf LZ-Anfrage: Seinen Worte zufolge komme es immer wieder vor, dass Schüler ihre Busfahrkarten vergessen. Er weise die Jugendlichen dann darauf hin, die Fahrkarten beim nächsten Mal vorzuzeigen. Warum diese Regel bei Hannes offenbar nicht galt, könne der Fahrer allerdings nicht sagen. „Da er sich an den Vorfall nicht erinnert“, sagt die Unternehmenssprecherin. Andere Busfahrer scheinen die Situation offenbar nicht so angespannt zu sehen. Sonst wäre Hannes schon morgens auf dem Weg zur Schule an der Bushaltestelle stehen geblieben. Doch da hate ihn ein Busfahrer befördert – obwohl der Elfjährige das Ticket vergessen hatte.

Trotzdem: Ein bisschen mehr Nachsicht und Fingerspitzengefühl vom Fahrer auch gegenüber ihrem Sohn hätte sich Doris Nolte gewünscht: „Angesichts der bestehenden Busverbindungen sollte ein Busfahrer auch mal darüber nachdenken, wie ein Elfjähriger Schüler nach Hause kommen soll, wenn man ihn einfach stehen lässt.“

Hannes wird das wohl nicht mehr passieren, er wird seine Fahrkarte künftig immer parat haben: Zu nachhaltig war das Erlebnis: „Keine Buskarte, niemand, der ihm Geld leihen konnte, kein Handy, um zu Hause anzurufen“, fasst Doris Nolte das Pech ihres Sohnes zusammen. Und als nach der achten Stunde der nächste – und letzte – Bus Richtung Soderstorf am Schulzentrum in Salzhausen vorfuhr, war es der gleiche Fahrer, der ihn schon beim ersten Mal stehen ließ.

Nach Hause kam Hannes dann aber doch noch: „Glücklicherweise kam er auf die Idee, in der Bücherei nachzufragen, ob er von da aus zu Hause anrufen dürfe“, berichtet Doris Nolte und fügt dankbar hinzu: „Netterweise durfte er von dort aus kostenlos telefonieren.“

Doris Nolte ist in Vollzeit berufstätig, konnte die unfreiwillige Wartezeit ihres Sohnes deshalb erst um 16.30 Uhr beenden, doch sie fragt sich: „Was denken sich eigentlich die Busfahrer, die Schüler einfach stehenlassen. Dass dann immer die Eltern bereit stehen, um die Kinder zu holen?“

5 Kommentare

  1. Pech für Hannes, aber er hat was gelernt und wird nicht dran sterben.
    Das seine Mutter erbost ist, nun ja, es ist ihr kleiner Sohn, dem sie ja zukünfitg ein Umhängetäschen mit der Karte drin um den Hals hängen kann, dann sollte es klappen.
    Das die Firmensprecherin ihren Senf dazu abgibt, ja mei Slimer halt.

    Ich habe oft beobachtet, wenn die Busfahrer nicht durchgreifen, ufert das aus und sie werden von den Kindern nicht ernst genommen. Kann ja nix passieren, wenn der Busfahrer meckert, schreibt Mama an die Zeitung.

    Nur wer zahlt kann mitfahren so ist das halt.

    Mama sei wieder lieb, dein Sohn hat fürs Leben gelernt.

  2. ich bin entsetzt, wie man so sturr und herzlos sein kann. Wenn der Busfahrer immer diese Strecke fährt, kennt er die Kinder und weiß das diese eine Fahrkarte besitzen. Und ein zweites Mal den Jungen stehen zu lassen, wie es oben im Text geschrieben steht, ist der Hammer. Und dann noch zu sagen, man erinnere sich nicht dran. Und wannenkarl, Kinder sind nun mal nicht immer pflegeleicht und wenn man damit nicht klar kommt, dann hat man den falschen Job. Es kommt immer wieder vor, das Kinder spurlos verschwinden. Was wäre gewesen, wenn der Junge versucht hätte nach Hause zu trampen und an den falschen gerät? Die Ängste der Mutter, weil das Kind nicht nach Hause gekommen ist. Und das dann wegen einer vergessenen Buskarte. Sollte man mal drüber nachdenken.

  3. Nachsicht? Fingerspitzengefühl? Das ist doch einfach alles unglaublich, begreift denn niemand den eigentlichen Skandal? Der Junge steht da stundenlang allein und hätte ja auch von einem Fremden „mitgenommen“ werden können! Was wenn der Junge jetzt weg wäre? Ist das eigentlich mal jemandem in den Sinn gekommen? Es geht hier nicht darum dass ein Busfahrer nicht weiß wie man sich benimmt (der Mann gehört entlassen!) es geht um die Sicherheit des Kindes! Hier wurde in grober Weise fahrlässig gehandelt! Der Junge hätte bezahlen sollen? Ist der Busfahrer eigentlich über die Beförderungsbedingungen seines Unternehmens informiert? Und die Unternehmenssprecherin, die offenbar keinen Namen hat, weiß sie nicht das Schülerfahrkarten ab einer bestimmten Entferung ohnehin kostenfrei sind? Was soll also der Unsinn der Junge hätte eine Fahrkarte kaufen können? Ich verstehe dieses ganze Karten vorgezeige für Schüler die von und zur Schule, in Schulbussen, fahren ohnehin nicht. Das Ergebnis ist dann nämlich genau dieser Machtmissbrauch von Busfahrern! Ist ja nicht das erste Mal!

  4. Fahrkartenvergessen

    Naja mal ganz ehrlich,er steht am Schulzentrum und dann kann man auch als Elfjähriger ins Sekreteriat gehen und von dort aus bei der Mama anrufen und ihr das schildern.Da muss man nicht draussen stehen bleiben.Ausserdem haben seine Klassenkameraden das ja auch mit bekommen, das er nicht mit genommen wurde.Hätten die nicht sagen können,da wurde einer stehen gelassen,den holen wir da ab? Sowas soziales kann man auch von den Mitschülern erwarten,die das gesehen haben.Und das die Mutter sich darüber aufregt,ist heutzutage normal.Klar würde es mich auch aufregen,wenn meine Kinder ihre Fahrkarte vergessen haben und nicht mitgenommen werden.Aber wie wannenkarl schon schrieb,macht es einer machen es alle und denken sich auch,wozu brauch ich eine Busfahrkarte,der Fahrer muss mich ja transportieren.Die Lektion wird der Junge nun gelernt haben und vielleicht beim nächsten mal gleich ins Sekreteriat gehen.

  5. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Der Junge war mit seinen 11 Jahren anscheinend schon in ausreichendem Maße zum selbstständigen Denken befähigt, um irgendwann in diesen 3 Stunden auf die Idee zu kommen, in der Bücherei „zuflucht“ vor den widrigkeiten der „sibirischen Salzhausen-Kälte“ zu suchen.
    Meine Mutter hättte früher „selber schuld, ich hoffe es war dir eine Lehre“ gesagt. Aber die Helikopter-Mütter von heute fahren den SUV ja gleich bis ins Klassenzimmer wenn der Kleine seine Brotdose vergessen hat. Mir wäre so ein elterlicher Eingriff mit 11 Jahren peinlich gewesen.

    Der Busfahrer hat seinen Job gemacht, nicht mehr und nicht weniger. Aussagen wie „der gehört entlassen“ sind meines Erachtens ziemlich unreflektiert und dumm. Auch ein „böser, böser, kinderhassender“ Busfahrer hat eine Existens zu sichern und wer weiß, vielleicht hat er sogar Kinder, vieleicht sogar Ahnung von erzieherischen Maßnahmen. Wer weiß das schon… Bei einem 11 Jährigen Gymnasiasten, mit einer halbwegs vernünftigen elterlichen Erziehung kann man wohl davon ausgehen, dass er nicht einfach zu fremden Menschen in das Auto steigt. Das Kindeswohl war höchstwahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt gefährdet.