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Das Führungsteam der NordMeG um Geschäftsführerin Urte Rötz aus Lüneburg und den Vorstandsvorsitzenden Alfred Ritters (2.v.r.) aus Barförde freut sich darüber, dass die Milcherzeugergemeinschaft zugelassen ist. Foto: nh
Das Führungsteam der NordMeG um Geschäftsführerin Urte Rötz aus Lüneburg und den Vorstandsvorsitzenden Alfred Ritters (2.v.r.) aus Barförde freut sich darüber, dass die Milcherzeugergemeinschaft zugelassen ist. Foto: nh

Die neue Macht der Milchbauern

off Lüneburg. Monatelang hat Urte Rötz um diesen Schritt gekämpft, am Mittwochmorgen, 8.06 Uhr, erhielt die Lüneburgerin endlich den erlösenden Anruf der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Die Norddeutsche Milcherzeugergemeinschaft, kurz NordMeG, ist offiziell anerkannt – und Urte Rötz als Geschäftsführerin des neuen Vereins damit ein Dreivierteljahr nach Gründung handlungsfähig. Ihr Ziel als Chefin der neuen Vermarktungsorganisation nach bayerischem Vorbild: Die Verhandlungsmacht der norddeutschen Milchbauern gegenüber den Molkereien zu stärken – und auf diesem Weg bessere Preise auszuhandeln.

Die Idee dahinter ist einfach wie überzeugend: Die kleinen Milcherzeugergemeinschaften im Norden verhandeln nicht mehr jede einzeln mit den Molkereien über Preise, Vertragsdauer und Lieferkonditionen. „Das übernimmt künftig in enger Absprache mit ihnen die NordMeG“, sagt Rötz. „Die hat zum einen das Know-how und zum anderen eine entsprechend große Verhandlungsmacht im Rücken.“ 350 Millionen Kilogramm Milch bündelt die Bauern-Organisation derzeit, vertritt voerst sieben Milcherzeugergemeinschaften aus Norddeutschland – darunter auch die Keimzelle, die Erzeugergemeinschaft Lüneburg.

Die Gründung des Vereins auf den Weg gebracht haben Lüneburger Milchbauern und die stellvertretende Geschäftsführerin des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Urte Rötz, bereits vor anderthalb Jahren. Das Problem dabei: das Anerkennungsverfahren. „Es ist sehr selten, dass ein wirtschaftlicher Verein gegründet wird“, sagt Urte Rötz, „und so war kaum jemand mit dem Prozedere bekannt.“

Erschwerend kam hinzu, dass mitten im Verfahren ein entscheidendes Gesetz geändert wurde, die NordMeG außerdem zweimal anerkannt werden musste: beim Landkreis Lüneburg auf ihre Rechtsfähigkeit und bei der Landwirtschaftskammer nach dem Marktstrukturgesetz.

Seit Mittwoch liegen nun beide Genehmigungen vor – und Rötz kann mit der Arbeit beginnen. „2014 stehen für die ersten Milcherzeugergemeinschaften in unserer Organisation Vertragsverhandlungen mit den Molkereien an“, sagt sie, „die werden ab sofort vorbereitet“. Zur Seite stehen der 48-Jährigen dabei auch die Fachleute der Milcherzeugergemeinschaft „BayernMeG“ – der Organisation, die den Lüneburgern als Vorbild für ihre Nord-MEG dient.

Gegründet haben die bayerischen Milchbauern ihre gemeinsame Vermarktungsorganisation bereits im April 2006, sie bündelt heute knapp 1,7 Milliarden Kilogramm Milch von etwa 50 kleineren Milcherzeugergemeinschaften und rund 10 000 Landwirten. „Schon im Gründungsprozess standen uns die Kollegen der BayernMeG mit ihren Erfahrungen zur Seite“, sagt Urte Rötz, „und an dieser engen Zusammenarbeit halten wir auch künftig fest.“

Noch ist die NordMeG mit ihren sieben Milcherzeugergemeinschaften zwar winzig im Vergleich zum bayerischen Vorbild. „Aber wir sind überzeugt, dass auch wir wachsen werden“, sagt Rötz, „vor allem jetzt, da wir endlich mit der Arbeit anfangen können.“

One comment

  1. Einen Verein zu gründen um bessere Preise am Markt zu erzielen finde ich gut. Jeder sollte in Deutschland von seiner Arbeit leben können. Normalerweise werden Preise über ein großes Angebot in den Keller gehen. Aber nun dürfte wenn ich es richtig verstanden habe auch der kleine Milchbauer über den Verein mehr Mitspracherecht erhalten. Kleine Betriebe sorgen meiner Meinung nach auch für bessere Qualität, verhindern eher Massentierhaltung. Die Schere zwischen Arm und Reich darf nicht weiter auseinander gehen. Wir brauchen in Deutschland wieder einen funktionierenden Mittelstand.