Aktuell
Home | Lokales | Angst um Leben des Bruders
Links: Abdolfattah Soltani hat als Verteidiger an vielen Verfahren gegen Aktivisten, Studenten und Journalisten im Iran teilgenommen. Er verteidigte u.a. Akbar Ganji, Zahra Kazemi und Dr. Zahra Bani Yaghoub. Der 60-Jährige ist Mitglied des Komitees zur Verteidigung von Menschenrechten und Vorstandsmitglied der iranischen Anwaltskammer. Seine Familie wohnt in Teheran. Soltani und seine Frau haben vier Kinder.

Rechts: Die Lüneburgerin Mina Soltani kämpft für die Freilassung ihres Bruders und anderer politisch Gefangener. Fotos: nh, mm
Links: Abdolfattah Soltani hat als Verteidiger an vielen Verfahren gegen Aktivisten, Studenten und Journalisten im Iran teilgenommen. Er verteidigte u.a. Akbar Ganji, Zahra Kazemi und Dr. Zahra Bani Yaghoub. Der 60-Jährige ist Mitglied des Komitees zur Verteidigung von Menschenrechten und Vorstandsmitglied der iranischen Anwaltskammer. Seine Familie wohnt in Teheran. Soltani und seine Frau haben vier Kinder. Rechts: Die Lüneburgerin Mina Soltani kämpft für die Freilassung ihres Bruders und anderer politisch Gefangener. Fotos: nh, mm

Angst um Leben des Bruders

mm Lüneburg. Abdolfattah Soltani wurde zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Der iranische Menschenrechtsanwalt und Gründer des Teheraner Zentrums für Menschenrechtsverteidiger hatte sich für politische Gefangene und ihre Angehörigen stark gemacht – ihre Interessen gegenüber dem iranischen Regime vertreten. 2009 wurde ihm der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis verliehen. Auch für diese Auszeichnung bezahlte Soltani mit seiner Freiheit. Von Lüneburg aus engagiert sich Soltanis‘ hier lebende Schwester Amireh Soltani, genannt Mina, für seine Freilassung und die der übrigen politisch Gefangenen im Iran. Sie fürchtet um das Leben der Inhaftierten.

Zu Soltani hatte seine Schwester Kontakt, als er für anderthalb Monate vom Gefängnis ins Krankenhaus verlegt wurde, der 60-Jährige leidet an einer chronischen Darmkrankheit und Eisenmangel. Dass ihm der Krankenhausaufenthalt überhaupt gewährt wurde, sei ein Zeichen, „dass der gesundheitliche Zustand meines Bruders sehr schlimm gewesen sein muss“, vermutet sie. Beklagt habe er, dass schwer an ordentliche Nahrung heranzukommen sei. Auch seine lebensnotwendigen Medikamente muss Soltani für viel Geld im Gefängnis kaufen.

Nach Angaben der Schwester waren im Krankenhaus dreiminütige Telefongespräche erlaubt, allerdings nur unter strenger Aufsicht zweier Soldaten und eines Beamten vom iranischen Sicherheitsministerium, die an Soltanis Krankenbett abgestellt waren. Zurzeit gehe es Soltani gesundheitlich nicht katastrophal schlecht, aber auch nicht gut, berichtet seine Schwester. „Man sieht die Zeichen der Krankheit“, sagt sie.

Der Menschenrechtsaktivist ist seit dem 11. September 2011 im Evin-Gefängnis im Nordwesten Teherans inhaftiert. Einer seiner Mitgefangenen war der iranische Journalist Abolfazl Abedini Nasr, mit dem Soltani in einen neuntägigen Hungerstreik trat. Solidarität unter den Gefangenen wird jedoch nicht geduldet, Nasr wurde in ein Gefängnis im Süden des Landes verlegt.

Die Präsidentschaftswahlen im August diesen Jahres sorgten für eine Ablösung des seit acht Jahren amtierenden Staatslenkers Mahmud Ahmadinedschad. An seine Stelle trat der als Reformer geltende Hassan Rohani. Die Zeichen für eine Verbesserung der Menschenrechtssituation im Iran standen auf Hoffnung. Aber gibt es die für die politischen Gefangenen?

Im Wahlkampf machte sich Wahlkämpfer Rohani für die Freilassung aller politischen Gefangenen stark. Im September kamen 14 von ihnen frei – darunter die prominente iranische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh.

Rohani ist Jurist, Mina Soltani sieht daher gerade ihn in der Verantwortung, für ein neues und gerechtes Verfahren für die politsch Gefangenen zu sorgen. „Alle Gefangenen, die aufgrund ihrer politischen Meinung und Überzeugung inhaftiert sind, sollen rasch freigelassen werden“, fordert Mina Soltani. Sie sieht sich nicht nur als die Stimme ihres Bruders, sondern aller Inhaftierten. Kontakt hält sie zu der Hamburger Aktionsgruppe der „Trauernden iranischen Mütter“, die regelmäßig Mahnwachen veranstalten.

Die Lüneburger Amnesty Gruppe, zu der auch Mina Soltani gehört, veranstaltet morgen, Freitag, einen Lichterumzug durch die Innenstadt, Start ist in der Grapengießerstraße neben dem IHK-Gebäude um 16.30 Uhr. Auf Postkarten sollen dann Unterschriften zur Freilassung der politischen Gefangenen im Iran gesammelt und dann an den iranischen Botschafter versendet werden.

One comment

  1. Free all political prisoners in Iran