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Der Este-Oberlauf in der Nordheide ist trockengefallen. Als Grund nennen Kritiker die Grundwasserförderung der Hamburger Wasserwerke in der Region. Foto: dth
Der Este-Oberlauf in der Nordheide ist trockengefallen. Als Grund nennen Kritiker die Grundwasserförderung der Hamburger Wasserwerke in der Region. Foto: dth

Klare Ansagen im Wasserstreit

ml Lüneburg/Hannover. Im Streit um die Grundwasserförderung der Hamburger Wasserwerke in der Nordheide hat der Umweltausschuss in Hannover jetzt wichtige Pflöcke eingeschlagen. Unter anderem soll in einem Staatsvertrag zwischen beiden Ländern eine maximale durchschnittliche Fördermenge von 16,1 Millionen Kubikmeter jährlich zur Versorgung der Hansestädter mit Trinkwasser festgeschrieben werden. Ursprünglich beantragt hat Hamburg Wasser eine Fördermenge von jährlich 18,4 Millionen Kubikmetern für 30 Jahre.

Als „guten Kompromiss zwischen dem berechtigten Interesse Hamburgs und den Belangen der Umwelt und der Menschen in dem betroffenen Raum“, wertete die Lüneburger Grünen-Abgeordnete Miriam Staudte die Weichenstellung im Umweltausschuss, die mit den Stimmen der rot-grünen Mehrheit beschlossen worden war.

Neben einer geringeren Fördermenge will Rot-Grün die Überprüfung der Grundwasserförderung nach jeweils zehn Jahren durch einen Gutachter in dem Vertragswerk verankert wissen. „Stellt sich heraus, dass die Grundwassermenge gesunken ist, es zu ökologischen Schäden oder zu Schäden in der Land- und Forstwirtschaft kommt, wird die Förderung automatisch angepasst und nach unten korrigiert“, erklärt Staudte.

Umgesetzt worden ist mit der Entscheidung im Umweltausschuss laut ihrem Fraktionskollegen Hans-Joachim Janßen auch die Forderung der Umweltverbände, die Wassermengen in den Oberläufen der Bäche in der Region regelmäßig zu überprüfen. In der Vergangenheit hatte unter anderem die 1979 gegründete Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide beklagt, dass Bachläufe wie der der Este wegen der Grundwasserförderung trockengefallen seien. Deshalb soll laut Janßen die laufende Beweissicherung um ein engmaschiges Monitoring der Abflussmengen der Gewässeroberläufe erweitert werden.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einrichtung eines Heidewasserfonds (LZ berichtete). Aus diesem Topf sollen gezielt Maßnahmen zur Erhöhung der Grundwasserneubildung und des Naturschutzes im Fördergebiet finanziert werden. Im Gegensatz zum Finanzierungskonzept der CDU um den Harburger Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke will sich Rot-Grün an dem Fonds jedoch nicht beteiligen. „Hamburg Wasser muss ein großes Interesse daran haben, dass die Grundwasserneubildung verbessert wird, und das sollten sie sich auch etwas kosten lassen“, sagt Janßen. Nach seinen Angaben wären bei einer Förderung des Wassers auf Hamburger Gebiet rund 1,2 Millionen Euro höhere Wasserentnahmegebühren zu zahlen als in der Nordheide. „Das ist eine gute Richtgröße für jährliche Zahlung in den Heidewasserfonds“, sagt der Grünen-Politiker.

Doch noch ist der Staatsvertrag mit Hamburg nicht beschlossen und unterzeichnet. Ohnehin wird das Genehmigungsverfahren noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Schon in den 80er-Jahren hat die IG Grundwasserschutz erfolgreich dafür gekämpft, die Fördermenge von den damals zulässigen 25 Millionen Kubikmetern jährlich auf 15 bis 16 Millionen zu senken. 2004 ist die alte Bewilligung ausgelaufen, haben die Hamburger Wasserwerke einen neuen Antrag gestellt. Seitdem fördern die Hamburger auf Grundlage einer vorläufigen Erlaubnis 15,4 Millionen Kubikmeter jährlich – und das so lange, bis es eine neue Bewilligung gibt.

Für das Genehmigungsverfahren zuständig ist der Landkreis Harburg. Laut Kreissprecher Johannes Freudewald wird derzeit eine neue Wasserbedarfsprognose für die Hansestadt Hamburg erarbeitet. Auf Grundlage der modifizierten Antragsunterlagen könne voraussichtlich 2014 das öffentliche Beteiligungsverfahren erfolgen. Bis eine neue Genehmigung vorliegt, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen.