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Dr. Uwe Plath (Bildmitte) freut sich über den Sülfmeisterring, den er als Bürger des Jahres erhielt. Zu den ersten Gratulanten zählen Rüdiger Schulz (l.), Vorsitzender des Bürgervereins Lüneburg, und der frühere Bundestagsabgeordnete Dirk Hansen, der die Laudatio hielt. Foto: t&w
Dr. Uwe Plath (Bildmitte) freut sich über den Sülfmeisterring, den er als Bürger des Jahres erhielt. Zu den ersten Gratulanten zählen Rüdiger Schulz (l.), Vorsitzender des Bürgervereins Lüneburg, und der frühere Bundestagsabgeordnete Dirk Hansen, der die Laudatio hielt. Foto: t&w

Lob für aufklärerischen Ehrgeiz

rast Lüneburg. „Der Ortsvorsteher setzt sich für seinen Ortsteil ehrenamtlich intensiv ein, investiert selbstlos Zeit und Kraft, um das Optimale gegenüber Rat und Verwaltung herauszuholen.“ Dass Dr. Uwe Plath Häcklingen seit 2001 durch sein Engagement als Ortsvorsteher ein besonderes Gesicht verleiht, lobte Rüdiger Schulz, Vorsitzender des Bürgervereins Lüneburg, am Sonnabend beim Bürgeressen in der Kronendiele. Der Verein kürte Plath, der auch als Autor historischer Abhandlungen zu speziellen Aspekten der Lüneburger Stadtgeschichte einen exzellenten Namen hat, zum Bürger des Jahres 2013. Er ist der 33. Träger des Sülfmeisterrings.

Der Lüneburger Dirk Hansen, er saß ab 1990 für die FDP im Bundestag und war von 1996 bis 2000 Vizepräsident der Bundeszentrale für politische Bildung, skizzierte in seiner Laudatio den Werdegang des 1942 in Neustettin in Pommern geborenen Plath. Im Jahr seiner Geburt fiel sein Vater vor Moskau. Mit Mutter und Bruder fand Uwe Plath nach Flucht und Internierung in Österreich eine neue Heimat im Kreis Uelzen. Nach dem Abi machte er ein freiwilliges soziales Jahr in einem Hamburger Heim für schwer erziehbare Kinder – das soziale Engagement zeichnet ihn noch heute aus, seit einem Jahr ist er im Verwaltungsrat der Stiftung Kühnau’sche Gründung aktiv.

Plath studierte Geschichte, Latein, Griechisch, Pädagogik und Philosophie an den Universitäten Hamburg, Freiburg/Breisgau und Basel mit Lehrerexamen und 1972 Promotion in Basel, wo er zunächst auch an einem Gymnasium unterrichtete. 1974 kehrte er nach Deutschland zurück und stieg ab 1975 an der Wilhelm-Raabe-Schule vom Studienreferendar zum Studiendirektor auf.

2007 ging Plath in den Ruhestand, die Raabe-Schule beschäftigte ihn aber weiter, etwa durch seine Forschung zum Thema „Mädchenbildung in Lüneburg“. Hansen: „In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass es Uwe Plath allein zu verdanken ist, dass des Gründers der ,Töchterschule‘, Carl Heinrich Oltrogge, mit Platzbenennung und Gedenkstein bis heute ,am Stern‘ gedacht wird.“ Plath hatte auch die Initiative ergriffen, einem Weltstar aus Lüneburg eine Erinnerungstafel an der Grapengießerstraße 27 zu widmen: Die Kammersängerin Charlotte Huhn (1856-1925) gehörte laut Plath „zu den begehrtesten Sängerinnen ihrer Zeit“, feierte Erfolge auch in Boston oder an der Met in New York.

50 Jahre nach Kriegsende initiierte Plath Befragungen Lüneburger Zeitzeugen durch Raabe-Schüler und kommentierte sie auch im Ausstellungskatalog des Salzmuseums. Hansen: „Der Forscher und Wissenschaftler Uwe Plath war und ist ganz auch ,Schulmann‘, der seine historischen Interessen zu verbinden weiß mit einem aufklärerischen Impetus, welcher sich an uns richtet, auf dass seine Zeitgenossen sich verpflichtet sehen, die Gegenwart auch aus der Vergangenheit heraus zu begreifen.“

Hansen lobte, Plath habe eine Reihe „anspruchsvoller und zugleich gut lesbarer Aufsätze und Artikel für Fachzeitschriften ebenso wie für die LZ geschrieben, die kulturelle Ereignisse – wie das Auftreten von Johannes Brahms 1853 – und herausragende Persönlichkeiten der Stadt – wie Probst Ernst Strasser an St. Johannis – in Erinnerung rufen“. Er ist nicht nur Kenner der Lüneburger Kirchengeschichte, er engagierte sich auch jahrzehntelang als Kirchenvorsteher in der Johannis-Gemeinde. Aus seinem Beruf heraus ergaben sich weitere Ehrenämter: mehr als 25 Jahre war er im Landesvorstand der Geschichtslehrer Deutschlands aktiv, organisierte mehrfach den „Tag des Niedersächsischen Geschichtslehrers“ und hatte in den 80er-Jahren Lehraufträge an der Hochschule Lüneburg im Fachbereich Evangelische Theologie/Religionspädagogik. Seit 13 Jahren gehört Plath dem Vorstand des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg an und ist seit drei Jahren Mitherausgeber der „Lüneburger Blätter“.

Sichtlich gerührt bedankte sich der Geehrte bei dem musikalisch von Magdalene Grüttner und Klaus Stehr begleiteten Festakt für die Auszeichnung.