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Seit August werden an beiden Ufern der Elbe im Kreis Bäume, Büsche und Sträucher entfernt, damit kommende Hochwasser besser abfließen können. Doch viele Bereiche sind besonders geschützt. Dort bleibt die Verbuschung stehen. Nun fordert der Kreis Ausnahmen. Foto: A/t & w
Seit August werden an beiden Ufern der Elbe im Kreis Bäume, Büsche und Sträucher entfernt, damit kommende Hochwasser besser abfließen können. Doch viele Bereiche sind besonders geschützt. Dort bleibt die Verbuschung stehen. Nun fordert der Kreis Ausnahmen. Foto: A/t & w

Schnittchen für Schnittchen

lk/ml Lüneburg. Spätestens seit dem extremen Elbe-Hochwasser im Juni wird über den Rückschnitt der Verbuschung im Deichvorland heiß diskutiert. Schon lange behindern in vielen Bereichen Büsche, Bäume und Sträucher den Wasserabfluss, doch noch sind viele nicht entfernt. Während im Winterhalbjahr 2012/2013 wenig passierte, laufen seit August die Arbeiten rechts und links der Elbe im Landkreis Lüneburg auf Hochtouren und schreiten zügig voran – aber nicht überall. Zufrieden sind die Verantwortlichen für den Hochwasserschutz längst nicht.

Zu viel Holz bleibe stehen, moniert etwa Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt. Denn aus Naturschutzgründen darf die Verbuschung im Biosphärenreservat nicht überall entfernt werden. Deshalb fordert der Kreis jetzt vom Umweltministerium in Hannover, sich bei der Europäischen Union für Ausnahmen stark zu machen.

Unterdessen arbeitet sich auf der rechten Elbseite im Amt Neuhaus die Firma Zeyn aus Tespe systematisch von der Landkreisgrenze bei Wehningen flussabwärts vor. „Dank der weitgehend trockenen Witterung und des niedrigen Wasserstandes der Elbe sind die Arbeiten kontinuierlich und mit wenigen Unterbrechungen vorangeschritten“, berichtet Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg. „Auf 26 Deichkilometern ist der Gehölzrückschnitt auf der rechten Elbseite bereits geschafft.“

Nachdem der Landkreis Lüneburg die Rückschnittflächen festgelegt hatte, hat der Verein zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums in der Elbtalaue (VSKE) es übernommen, die Vergabe der Rückschnittmaßnahmen zu bündeln und Firmen damit zu beauftragen. Linkselbisch war aufgrund der Arbeiten in den Vorjahren nur in einigen Bereichen ein Rückschnitt erforderlich. Damit war die Bleckeder Firma Hof Steinberg beauftragt worden.

Für die auf der rechten Elbseite verbleibenden 19 Kilometer bis zur Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Landkreis jetzt – wie bei den bisherigen Abschnitten auch – mit der Biosphärenreservatsverwaltung abgestimmt. Die restlichen Kilometer können je nach Wetterlage nun in Angriff genommen werden.

Rechtliche Vorgaben sorgen bei den Arbeiten jedoch für Einschränkungen. So sind große Bereiche der im Amt Neuhaus vorgesehenen Rückschnittflächen naturschutzrechtlich als sogenannter „Prioritärer Lebensraum“ eingestuft und dürfen damit nicht angetastet werden. Auch bleiben alle Bäume stehen, die älter als zehn Jahre sind. Zudem muss der Schutz der Biberburgen gewährleistet sein. In vielen für den Wasserabfluss oder die Deichsicherheit wichtigen Bereichen konnte daher auf dem bisher bearbeiteten Abschnitt gar nicht gearbeitet werden.

Deshalb ist Landrat Nahrstedt überzeugt: Um in Zukunft einen noch wirksameren Hochwasserschutz gewährleisten zu können, muss das Land Niedersachsen einen Ausnahmeantrag an die EU auf den Weg bringen, damit bei Bedarf auch „Prioritäre Lebensräume“ zurückgeschnitten werden dürfen. Ein solcher Antrag soll im Rahmen eines Gesamtkonzeptes auf den Weg gebracht werden, dessen Erarbeitung noch einige Monate in Anspruch nehmen wird. „Dennoch hoffen wir, dass für die Schnittsaison 2014/2015 wenigstens einige aus Hochwasserschutzsicht besonders bedeutsame Bereiche freigegeben werden“, sagt Nahrstedt. „Mit den Maßnahmen, die wir bisher umsetzen konnten, ist das Mindestmaß bei Weitem noch nicht erreicht.“

Niedersachsen lässt zurzeit ein zweidimensionales Modell erarbeiten, das die hydraulische Wirksamkeit der vorgesehenen Hochwasserschutzmaßnahmen ermitteln soll. Zwischenergebnisse liegen vor. „Aus Sicht des Kreises müssen jetzt schnell die nächsten Schritte kommen“, so Nahrstedt. Aus dem Umweltministerium war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.