Aktuell
Home | Lokales | Brandstiftung am Stintmarkt: Sonderkommission sucht bestimmte Personen als Zeugen + + + Belohnung in Höhe von 20.000 Euro ausgelobt + + +
Polizei

Brandstiftung am Stintmarkt: Sonderkommission sucht bestimmte Personen als Zeugen + + + Belohnung in Höhe von 20.000 Euro ausgelobt + + +

ca Lüneburg. Nachdem feststeht, dass am Stintmarkt vor rund zwei Wochen Brandstifter am Werk waren, ermittelt die Polizei nun ,,in alle Richtungen“ und offiziell gegen Unbekannt. Doch aus Ermittlerkreisen ist zu hören, dass die Beamten davon ausgehen, dass das verheerende Feuer, das einen Schaden von rund 3,5 Millionen Euro angerichtet hat, vermutlich von Außenstehenden gelegt worden sein dürfte. Denn weder bei Hauseigentümer noch bei den Wirten sei bislang ein finanzieller Nutzen durch das Feuer zu erkennen. Spekuliert wird viel, die Gerüchteküche in der Stadt brodelt: von unzufriedenen Mitarbeitern wird ebenso gesprochen wie von organisierter Kriminalität. Es wird über hohe Steuerschulden gemutmaßt. Das Wort Schutzgelderpressung macht die Runde. Die Polizei sagt: ,,Kein Kommentar, wir ermitteln.“

Video: Polizeipressesprecher Kai Richter zu den Ermittlungen in der Brandruine

Wirt Alessandro De Flaviis erklärt: ,,An mich ist niemand herangetreten. Und ich werde einen Teufel tun, irgendwelche Vermutungen zu äußern. Dass es Brandstiftung war, ist ein weiterer Hammerschlag für mich und meine Familie.“ Staatsanwaltschaft und Polizei geben von versuchtem Totschlag in elf Fällen und schwerer Brandstiftung aus. Elf Menschen befanden sich zum Tatzeitpunkt im Gebäude. Eine 15-köpfige Sonderkommission ermittelt seit der vergangenen Woche. Auch heute hatten die Männer und Frauen unter Leitung von Hauptkommissar Johannes Krafft alle Hände voll zu tun, unter anderem um Zeugen zu befragen. Das Feuer ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in der ehemaligen Trattoria ausgebrochen. Darauf würden Spuren hindeuten. So hätten Hunde bei einer erneuten Suche Rückstände von Brandbeschleunigern ausgemacht. Die ursprüngliche These einer Gasexplosion hat sich nicht bestätigt. Zu den Ermittlungsergebnissen sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Es ist erschütternd, dass hier jemand kaltblütig das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner aufs Spiel gesetzt hat. Und nicht nur der Bewohner, sondern aller Menschen am Stint. Wir mussten 80 Nachbarn aus ihren Häusern evakuieren. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn das Feuer auf angrenzende Gebäude übergegriffen hätte. Wir begrüßen es sehr, dass die Polizei eine Sonderkommission eingerichtet hat. Die Täter müssen gefasst und für ihre Taten bestraft werden.“ Aktuell führe die Stadt Gespräche mit dem Hauseigentümer und seinem Architekten Gespräche über einen Wiederaufbau des Gebäudes. 

Die Beamten, die unter anderem Sachverständige des Landeskriminalamtes eingeschaltet haben, halten sich bedeckt. So schweigen sie auf die Frage, ob sie bereits einen konkreten Tatverdacht haben. Allerdings haben sie in den vergangenen Tagen mehrere Zeugen befragt. So dürften sie auch der Frage nachgehen, was Passanten aus dem Umfeld der Lokale in der Brandnacht unmittelbar nach einer Explosion vor dem Gebäude gemacht haben.

Video: Stadtpressesprecher Daniel Steinmeier zum Ermittlungsstand der Polizei

Alle aktuellen Entwicklungen rund um die Brandermittlungen am Stint und die Reaktionen der Lüneburger lesen Sie auch auf der LZ-Facebookseite unter www.facebook.com/landeszeitung.

Montag, 2. Dezember 2013, 3.45 Uhr: 

Mitten in der Nacht zu Montag brach das Feuer im Erdgeschoss des ehemaligen Lösecke-Hauses aus. Anlieger hörten gegen 3:45 Uhr einen lauten Knall, durch dessen Wucht auch Mobiliar auf die Straße geschleudert worden war. Die Flammen schlugen aus dem italienischen Lokal „Trattoria“ bevor sie auch auf die anderen Etagen übergriffen. Alle Bewohner konnten das Haus unverletzt verlassen, auch dutzende Anwohner des Stintmarktes und Gäste des Hotels Bergström wurden evakuiert. 

Die weit über 500 eingesetzten Feuerwehrleute hatten große Schwierigkeiten damit, an die Brandherde heran zu kommen. Mit Hilfe von Kränen und Booten versuchten sie das einsturzgefährdete Haus von der Wasserseite aus zu löschen. Erst am Nachmittag hatten die Feuerwehrleute die Flammen unter Kontrolle. Noch am Abend begannen die Abrissarbeiten.

Artikel

Millionenschaden bei Großfeuer in Lüneburg (3. Dezember 2013)

Bewohner müssten weiter auswärts schlafen, Kneipen bleiben zu (3. Dezember 2013)

Flucht im Schlafanzug (3. Dezember 2013)

Videos

„Trattoria“- Wirt Alexander De Flaviis zum Brand am Stintmarkt

Feuerwehr-Pressesprecher Daniel Roemer zum Brand am Stintmarkt

Oberbürgermeister Ulrich Mädge zum Brand am Stintmarkt

Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft zum Brand am Stintmarkt

Der Abriss beginnt

Fotogalerien

Großbrand am Stintmarkt – Die Löscharbeiten (Teil 1)

Großbrand am Stintmarkt – Der Abriss (Teil 2)

Dienstag, 3. Dezember 2013:

Stück für Stück wird die Brandruine abgetragen. Immer wieder müssen Feuerwehrleute die freigelegten Glutnester löschen, noch immer können die Anlieger nicht zurück in ihre Häuser. Die ersten Hilfsaktionen laufen an, die Bewohner des ehemaligen Lösecke-Hauses erhalten von der Aktion „Guten Nachbar“ eine Soforthilfe von 250 Euro. Oberbürgermeister Ulrich Mädge kündigt an, sich für einen möglichst schnellen Wiederaufbau des Hauses einzusetzen und erhält dafür Unterstützung aus dem niedersächsischen Sozialministerium.

Artikel

THW-Experten spüren jede Erschütterung (4. Dezember 2013)

Ein glückliches Missverständnis (4. Dezember 2013)

Mädge dankt Sozialministerin Rundt für Signale der Unterstützung (4. Dezember 2013)

Video

Das Zuhause verloren: Die 5er WG

Fotogalerien

Großbrand am Stintmarkt – Die Brandruine (Teil 3)

Mittwoch, 4. Dezember 2013:

Zwei Tage nach Ausbruch des Feuers am Stintmarkt, beginnt die Polizei mit den Ermittlungen zur Brandursache. Doch es gibt Probleme: Da Teile des Gebäudes noch immer einsturzgefährdet sind, kommen die Beamten nicht in die ehemalige Küche des Hauses. Immer wieder muss der Bagger weitere Teile der Brandruine freilegen, die Ermittlungen dauern über mehrere Tage.

Artikel

Die Suche nach dem kleinen Glück im Schutt (6. Dezember 2013)

Brandermittlung verzögert sich (6. Dezember 2013)

Video

 

Fotogalerie

Großbrand am Stintmarkt – Die Polizei ermittelt (Teil 4)

 

39 Kommentare

  1. So eine Schweinerei, hoffentlich werden die Täter bald gefunden, und einer hohe Strafe ausgesetzt.

  2. Da hat wohl einer sein Schutzgeld nicht mehr bezahlen können… Wie offensichtlich!

    Wenn Herr Flaviis nicht selbst dahintersteckt, sollte er sich mal fragen, warum ihn sein Mitarbeiter um 3.30h (nach Aussage Herr Flaviis) 3 Sekunden nach der Explosion angerufen hat!!!

  3. „So hätten Hunde bei einer erneuten Suche Rückstände von Brandbeschleunigern ausgemacht.“
    Das soll wohl ein Scherz sein!
    Tatsächlich können bestenfalls der oder die Hundeführer eine Reaktion ihrer Hunde in diese Weise interpretiert haben. Das ist zum einen allenfalls ein sehr wager Hinweis. Zum anderen dürften in jedem Restaurant jede Menge Stoffe lagern, die als „Brandbeschleuniger“ bezeichnet werden können: Spiritus und Petroleum z.b. als Reinigungsmittel, für Speisewärmer, Romantische Petroleum/Öllampen an den Tischen.
    Desinfektionsmittel für die Toiletten und vieles anderes.

  4. @Radel-Bürger
    Äh ja…, angenehme Träume noch. Und die Explosion hat sich ganz von allein gezündet… klar. So eine Soko hat noch nie in einem Brandfall bei einem Restaurant gearbeitet und hat überhaupt keinen Plan davon, wonach sie suchen müssen, um eine Brandstifung nachzuweisen bzw. haben keinen Schimmer davon, dass es in so einem Laden auch „romantische“ Petroleumlampen geben könnte. Zum Glück haben wir Sie, um eindeutig feststellen zu können, dass die Soko sich natürlich irren muss! Danke!!

    Seien Sie sich sicher, dass es Organisationen gibt, denen es herzlich egal ist ob da 11 Menschen draufgegangen wären! Dies ist nicht das Auenland, selbst nicht im ach so beschaulichen Lüneburg.

    • Jop ganz Lüneburg steckt im Mafia sumpf xD

      • Herr Müller, sie meinen das komisch und für völlig utopisch zu halten, aber lassen Sie sich sagen, Sie haben ja keine Ahnung…

        Die Ermittlungsergebnisse werden Sie und die anderen Weltfremden hier noch relativ hart überraschen. Wenn die Soko die Ergebnisse überhaupt in näherer Zukunft veröffentlichen darf…
        Die konkreten Täter werden mit Sicherheit nie gefasst werden können, da sie längst wieder das Land verlassen haben.

  5. @radel-bürger
    So viel konsequent präsentierte Einfältigkeit entbehrt neicht einer gewissen Faszination – es wäre im Zeitalter des Internets vielleicht angebracht, sich erst Informationen über die Fähigkeiten von speziell abgerichteten Hunden und von spezialisierten Fahndern zu beschaffen.

    Aber das ist das schöne in einer freiheitlichen Informationsgesellschaft: jeder kann sich schnell informieren – oder kann sich zum Depp vom Dorf machen 🙂

    • Zitat:““Findet der Hund am Brandort Reste von Brandbeschleunigern, ist dieses noch kein gerichtsverwertbarer Beweis für eine Brandstiftung, lediglich ein Indiz.“
      (…)
      „Die Hunde zeigen jedoch nicht nur Brandbeschleuniger sondern auch die Pyrolyseprodukte der anderen verbrannten Stoffe an. Verbrennen etwa Kunststoffe, Gummi aber auch Holz, so entstehen Pyrolyseprodukte, die denen der Brandbeschleuniger täuschend ähnlich sind. Das erfordert in der Regel eine (…) Interpretation der brandanalytischen Befunde.“
      http://www.feuerwehr-ub.de/brandmittelsp%C3%BCrhunde-deutschland-seite-2

      @Dente: Wen wollen sie denn Vorverurteilen, Den Bürgermeister? oder den Einsatzleiter der Feuerwehr?

      • Genau, und da sich die Soko noch nicht so ganz sicher ist, wird auch schon folgende Mitteilung an die Presse weitergegeben…
        [Zitat]
        Zwei Wochen nach dem verheerenden Brand am Stintmarkt steht für die Polizei fest: Es war Brandstiftung. Eine 15-köpfige Sonderkommission ermittelt seit der vergangenen Woche wegen des Vorwurfs des elffachen versuchten Totschlags und der schweren Brandstiftung.
        [/Zitat]

        Wen oder was versuchen Sie zu verteidigen bzw. in Schutz zu nehmen?! Ganz ehrlich, bevor so eine Mitteilung/Einschätzung an die Presse gegeben wird, muss das Untersuchungsergebnis schon zu mehr als 90% auf diesen Tatbestand hindeuten.

        Manchmal ist es so einfach, wie es zunächst klischeehaft aussieht: Ein italienisches Restaurant brennt/explodiert und es war Brandstiftung, weil irgendwo kein Geld geflossen ist, wo es fließen sollte…

        • Man tut gut daran, sich an die originalMeldung zu halten:
          http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/59488/2622872/pol-lg-brandermittlungen-lueneburger-stintmarkt-polizei-und-staatsanwaltschaft-ermitteln-wegen
          Zitat:“(…)Die Polizei geht nach derzeitigem Ermittlungsstand mit hoher Wahrscheinlichkeit von vorsätzlicher Brandstiftung als Brandursache aus. So konnte u.a. Brandbeschleuniger festgestellt werden(…)“

          Dazu gibt es noch einen „O-TON“ des Pressesprechers der Polizei im NDR:
          http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/heide/lueneburg629.html
          der sehr vage von „verdichteten Hinweisen“ spricht.

          Hohe Wahrscheinlichkeit ist eben keine Sicherheit.

          Wenn die „Spuren von Brandbeschleuniger“ das Hauptindiz sind. wie der LZ-Artikel nahelegt dann ist das sehr dürftig, wie ich oben dargelegt habe.

          Und schließlich: Die Unschuldsvermutung ist ein Menschenrecht, und gilt jedem gegenüber.

          • Dieser und andere Artikel haben in keinster Weise nahegelegt, dass lediglich das Auffinden von Brandbeschleuniger das alleinige Hauptindiz sind. In Ihrem o.g. Zitat heisst es doch sogar schon „u.a.“ (=unter anderem…). Und wenn man dann noch richtig weiterliest bzw. andere Artikel liest, erfährt man ebenfalls, dass es sich bei der unstrittigen Explosion NICHT um eine Gasexplosion gehandelt haben soll. Ja was bitte explodiert denn sonst noch so, dass es das Mauerwerk heraushaut, wenn nicht ein gelegter Brandsatz?! Vertrauen Sie ruhig den Ermittlern. Wie gesagt, bevor die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird und derartige Pressemitteilungen, die selbstverständlich nicht den kompletten Ermittlungsstand offenlegen (was Sie anscheinend erwarten…), geschaltet werden, muss schon ein sehr sehr triftiger Grund/Tatbestand feststehen.

            Natürlich gilt die Unschuldsvermutung! Nur nochmal, als Herrn Flaviis würde ich mich mal fragen, warum mein Mitarbeiter an einem Montag Morgen um 3:45Uhr zufällig in der Nähe seines explodierten Ladens war… Im schlimmsten Falle als Handlanger oder Eingeweihter einer Operation einer gewissen „familiären“ Verbindung.

  6. Der mutmaßliche Täter gibt ein Interwiew. Wie kann so blöd und denken man ist schlauer als die Spurensuche? So etwas fliegt immer auf! Die Versicherungen und die Öffentlichkeit haben ein zu großes Interesse daran den Täter zu finden. Wir sind zum Glück nicht auf Sizilien.

  7. Ihr seid alle so schlau -es ist echt zum Kotzen

  8. Hinter der Sülzmauer ist ja neulich auch ein Haus abgebrannt (worden?) , Autos ebenfalls im Stadtgebiet. U. U. besteht da und mit Graffitisprayern ein Zusammenhang?

  9. Es ist schon erstaunlich, dass hier gleich von organisierter Kriminalität die Rede ist. In Deutschland sollte man vielleicht auch einen rassistischen Hintergrund in betracht ziehen. Schließlich waren hier Italiener die Bestitzer des Restaurants.
    Nach der Mordserie des NSU sollte man hier sehr vorsichtig mit voreiligen Spekulationen sein. Nach den Morden des NSU wurde auch immer erst gegen die Opfer ermittelt. Jahre später stellte sich dann das NSU Trio als Täter raus.

    • Da ist er ja endlich – Der Verfolgungswahn !

    • Achja, bei der NSU handelte es sich nicht um organisierte Kriminalität?! Interessant.

      Davon mal ab kann man sich wohl relativ sicher sein, dass es sich NICHT um einen fremdenfeindlichen Hintergrund handelt, sondern es einzig und allein um Kohle ging. Da können Sie getrost einen Verfolgungswahnlosen drauf lassen.

  10. Ach ganz erlich was passiert ist ist passiert also lasst den scheiß so viel scheiße in die welt zu setzten wer es war oder wie auch immer ist jetzt egal denkt nur nach was in der zukuft passieren sollte um das Alte Lüneburg wieder auf die beine zu bringen.
    Hoch Lebe der Alte Stintmarkt.

    aka Taliban Talip Aziz El MAri

  11. Huhu Jungs,

    kennt ihr diesen kleinen eisigen Schrecken, bei dem sich die vor Jahrzehnten schon ausgefallenen Nackenhaare noch einmal aufzurichten scheinen, etwa wenn plötzlich aus dem Nichts Gebrüll bei den Nachbarn ertönt oder wenn man fernsieht und Eckart von Hirschhausen unerwartet als Gast in die Sendung kommt?

    Oder habt ihr schon einmal davon gehört, dass man in der Psychologie von symbolischer Selbstergänzung spricht z.B., wenn ein BWL-Student, der danach strebt, ein erfolgreicher Manager zu werden, sich mit typischen Managersymbolen, etwa einer Rolex oder einem überbordenden Terminkalender, ausstaffiert. In dieselbe Rubrik fällt auch der unentdeckte Maler, der sommers wie winters mit Künstlerschal herumrennt. Die Psychologie soll außerdem herausgefunden haben, daß oben gennante Symbole dem unfertigen Selbst tatsächlich helfen können, seine Ziele zu erreichen. Ich bezweifle allerdings, daß uns als kleine Kreuzworträtselexperten, die immer und überall mit grübelernst gerunzelter Kriminalistenstirn um zugige Ecken spähen, weil sie gerne große Profilerphilosophen wären, so eine waschechte Denkblockade wirklich weiterbringt. Und angesichts von Themen und Qualität der Gespräche, die man gewöhnlich in den Lüneburger Bussen mitanhören muss und die nun die angehenden Hauptkommissare H. Beck, Radel-Bürger, de Dente und Ron als Eignungsnachweis und öffentliches Bewerbungsschreiben in dieses Diskussionsforum tragen, frage ich mich, ob sich die vier hier versammelten Fahrgäste die Bandansage »Zurückbleiben, bitte« nicht ein wenig zu sehr zu Herzen nehmen.

    Mal was anderes:

    Seit Wochen spukt mir ein Doppel-Schüttelreim im Kopf herum, vier Zeilen! D.h.: nicht in seiner Endform, aber immerhin Personal und Requisiten sind schon da. Die Hauptfigur ist der 2005 verstorbene SPD-Politiker Peter Glotz. Schwer verschnupft, mit zwei riesigen »Rotzglocken« unter der Nase, sitzt Glotz im Wartezimmer seines Arztes, wo er mit einer jungen Frau ins Gespräch kommt. Stellt sich heraus: Die Dame möchte eine Band gründen. Und mit wem möchte sie das? Richtig: mit Peter Glotz selbst; sie will mit niemand anderem als mit »Glotz rocken«. (Spoiler-Alarm: Die Dame hat eine Selbstladepistole in ihrem Strumpfband. Bitte behalten Sie das im Hinterkopf, denn der Markenname dieser Waffe wird reimtechnisch noch eine wichtige Rolle spielen.) Inzwischen hantiert Peter Glotz auffällig mit einem Handspiegel, der ihm angeblich auf den Boden gefallen ist. Warum dies? Erklärung: Der renommierte Staatsmann ist heimlicher Voyeur, immerzu will er Frauen unter den »Rock glotzen«! Auch dieser! Da ist er aber natürlich an die Falsche geraten: Gnadenlos zieht die Fast-Ausgespähte ihre Pistole und hält sie Glotz vor die heillos verschnupfte Nase. Was tun? Wie soll der ertappte Glotz sich verteidigen? Er hat doch nichts, kein Klappmesser, keine Steinschleuder, nix, nicht einmal ein Taschentuch… doch halt! Hat er nicht wenigstens – sein Nasensekret? Ja, das könnte klappen! Er muß seinen Schleim einsetzen, er muß der Dame auf die Waffe niesen, er muß seine ganze Zielfertigkeit zusammennehmen und der Frau punktgenau auf die »Glock rotzen«!

    Soweit die Handlung. Spätere Verfilmung durch Til Schweighöfer nicht ausgeschlossen. Aber wer in Dreigsellasnamen staucht mir diesen umständlichen Quatschplot auf vier Zeilen zusammen? Heiliger Schimanski, hilf!

    • Soso, Sie wären demnach also gern ein großer, vor Ironie, Metaphern und Gleichnissen strotzender Autor, der sogar küchenpsychologisch bei jedem Gespräch während einer Bustahrt mithalten kann? Ich fürchte, die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen zumindest die Erfüllung des Autorendaseins verwehrt bleiben wird, liegt bedeutend höher zu derer, dass sich hier manch anderer demnächst auch offiziell Hauptkommissar nennen darf.

      Aber vielen Dank für Ihre hochtrabenden Ausführungen. Zumindest ein Ziel haben Sie erreicht. Kurz dachte ich, meine nicht mehr vorhandenen Nackenhaare hätten sich aufgestellt.

      Herzlichst
      Inspector Beck

  12. Würde sich die LZ bitte mal ihrer Möglichkeit Leserbriefe zu kürzen oder zu löschen bedienen! Mehr Bockmist auf einen Haufen findet sich momentan nirgends. Und – ganz nebenbei : Die Verwendung des kaufmännischen UND (&) in Zusammenhang mit der richtigen Verwendung von Satzzeichen gibt mir den Rest.

  13. Hallo Tommi,

    du hast Recht, wenn du sagst, „die Verwendung des kaufmännischen UND (&) in Zusammenhang mit der richtigen Verwendung von Satzzeichen gibt mir den Rest.“ Bei mir ist es noch schlimmer. Mir gibt schon die Verwendung von Sätzen als Zusammenhang von falschen Worten den Rest.

    Das betrifft aber nicht nur deine ganz unfreiwillig zum nahezu unverständlichen Missgebilde verschlüsselte Äußerung. So schrieb zum Beispiel gestern die Thüringer Allgemeine, weil es viele Computernutzer Spionen immer noch zu einfach machten, wenn sie ihre Daten nur mit dem Vornamen von Familienangehörigen oder Städtenamen schützen, rieten Experten zu komplizierten Paßwörtern. Die Paßwörter sollten aus Groß- und Kleinbuchstaben, dazu aus Satzzeichen und Zahlen bestehen. »Qviyf2,9gr&mf« knackt so schnell keiner, wurde behauptet. Das würde ich bezweifeln. Immerhin stand es schon in der Zeitung.

    Und was hat man über Hochzeiten nicht alles schon für Sachen gehört. Da erbricht sich der Bräutigam, noch meterbreit vom Vorabend, mitten in der Trauung vor des Pfarrers Füße, die sich plötzlich hintergangen fühlende Ex schreit den Standesbeamten zusammen, oder die Schwiegermutter schneewalzert ihre zwei Zentner volle Breitseite ins Büffet. Nicht so leider bei der Hochzeit meines besten Freundes. Brautpaar, Aufgebot und Gäste erschienen aufgeräumt und pünktlich in Standesamt und Kirche, niemand hatte versehentlich die Trauringe zu Hause liegenlassen, und die anschließende Feier im Gemeindehaus endete Schlag zwei mit Udo Jürgens’ »Ich war noch niemals in New York«.

    Ich will es meinem Freund nicht so direkt sagen, aber meiner Meinung nach ist diese Ehe jetzt schon zum Scheitern verurteilt.

    Überhaupt bin ich beim Schreiben dieser Zeilen gerade sehr viel milder geworden und mehr für die große Freiheit, wie mir eben einfällt, aber nicht nur bei „Verwendung des kaufmännischen UND (&) in“ irgendwelchen Zusammenhängen. Denn ich muss gestehen, wenn ich in Hamburg bin und noch etwas Zeit bis zur Abfahrt meines Zugs habe, gehe ich am liebsten in die Schnellimbißbude über der nördlichen Fußgängerbrücke. Da kaufe ich das billigste Getränk, setze mich ein paar Stunden auf einen der sehr bequemen Hocker und beobachte das Ein- und Ausfahren der Züge. Manchmal beobachte ich auch den Zug, mit dem ich eigentlich fahren wollte. Ich sehe ihn einfahren, sehe, wie die Leute ein- und aussteigen, gebe innerlich das Signal zur Abfahrt – und der Zug fährt dann auch tatsächlich ab. Das gibt mir ein prima Gefühl von Freiheit. Wer bin ich denn, daß ich mit dem Zug fahren müßte, den ich mir zuerst ausgesucht hatte? Hier fahren viele Züge, das sehe ich doch. Manchmal fahren sie auch dorthin, wo ich hinfahren will. Die meisten fahren aber ganz woandershin. Manchmal nehme ich dann einen Zug, der ganz woandershin fährt. Das gibt mir ein prima Gefühl von Freiheit. Spätestens in Bremen oder Hannover ist dann meistens Schluß. Da muß ich dann aussteigen, weil der Schaffner das so will, aber meistens will ich das dann auch. Ich muß nicht bis zur Endstation durchfahren. Manchmal warten in Bremen oder Hannover schon zwei Beamte, die mich freundlich empfangen und mitnehmen. In deren Büro gibt’s meistens Kaffee, auf jeden Fall aber kaltes Sprudelwasser. Außerdem sind die Beamten immer zu einer anregenden Unterhaltung über rechtliche und philosophische Themen aufgelegt. Da verstehen sie aber leider nicht soviel von. Die Beamten merken das dann auch immer ganz schnell und schicken mich weg. Das gibt mir ein prima Gefühl von Freiheit.

    Das findest du mickerig? Aber ist das nicht überall so? Heutzutage muß man ja nicht mal mehr was leisten, um Promi zu werden. Hier was Dummes gesagt, dort das Brüstchen hergezeigt: mehr ist nicht. Früher war das ganz anders, da stand hinter dem Status der Berühmtheit noch Großes. So erinnere ich mich genau an jenen Sonntag im November 1983, als uns in der Kinderkirche von Martin Luther erzählt wurde, aus Anlaß seines 500. Geburtstags. Und mir, damals fünf Jahre alt, war sofort klar, daß dieser Mann nicht grundlos berühmt, daß sein Name zu Recht überall bekannt ist: Schließlich gibt es nicht so viele Fünfhundertjährige auf der Welt.

  14. Traurig das manchen Menschen wie „Gastleser“ solch schreckliche Ereignisse noch dazu nutzen, um sich hier öffentlich mit solchen Kommentaren belustigen zu können.

  15. Gerhild Tietjens

    Daniela,

    ist nicht viel trauriger zu beobachten, wie das Gemisch von Fanatismus, Rechthaberei und Zugriffslust bei vollkommener Ahnungslosigkeit unter den allermeisten Kommentatoren VOR Herrn Gastleser eine Atmosphäre schafft, die beängstigend nach Lynchjustiz und Standgericht mieft, nach Dämpfen von Massenwahn und entfesselter Spießbürgerrichterei, wie sie bei solchen Gelegenheiten immer mal wieder aus der „Hefe des Volkes“ emporwabern?

    Und ist es – für uns Kätzchen- und Kuscheltierliebhaberinnen – nicht geradezu eine Erlösung, dass „Gastleser“ (wenigstens einer!) durch seine absurden Abschweifungen der anmaßenden Dummheit, die sich hier schamlos ausbreitet und zur Schau stellt, den Spiegel vorhält, in welchem sie ihre lästerlichen Eifererfratzen betrachten könnten, wenn sie nur die Zeit und den Mut aufbrächten bloß eine Sekunde innezuhalten und hineinzusehen?

  16. Frau Tietjens bzw. Gastleser, so viel Zeit in sinnloses Geschwafel, wie ihren Kommentaren zu entnehmen ist, zu investieren, zeigt einfach nur noch von Größenwahn.

  17. Ich glaube Gastleser und Frau Tietjens fahren gemeinsam gern mit dem Zug schwarz durch Norddeutschland, um den doch so ahnungslosen Werkzeugen dieses verfluchten Kapitalistensystems, den Polizisten, Ihre Lebensweisheiten und Kätzchengeschichten aufzudrängen…

    Achtung jetzt spricht der dumpf wabernde Pöbel: Wer zu solch krimineller Energie neigt, mit dem Zug vorsätzlich mehrfach schwarz zu fahren, ist bestimmt auch in der Lage, aufgrund seiner persönlichen Freiheitsentfaltung, die er/sie bei etlichen Selbstfindungsseminaren und Philosophiekursen auf der Abendschule erst so richtig umzusetzen weiß, einem Anzünden eines historischen Gebäudes nichts Unrechtes abgewinnen zu können. Jetzt haben wir den Täter! Zum Schafott!

    • Sehr geehrter Herr Beck,

      mit großem Entsetzen habe ich Ihren letzten Kommentar gelesen und mir daraufhin auch Ihre übrigen Beiträge auf dieser Seite angeschaut.

      Glauben Sie einer Frau von dreiundneunzig Jahren, die schon manches gesehen und vieles erlebt hat, mit Entgleisungen, wie den Ihren, ist nicht länger zu spaßen.

      Ich bitte Sie, sollte noch ein Rest von Vernunft und Steuerungsvermögen in Ihnen stecken, bemühen Sie sich noch heute Abend um professionelle Hilfe oder bitten Sie einen Angehörigen, Kontakt zu einem meiner ehemaligen Kollegen aufzunehmen, um einen Gesprächstermin für Sie zu vereinbaren.

      Die Verbindung stellen Sie am schnellsten her über: http://www.pk.lueneburg.de/erwachsenenpsychiatrie-institutsambulanz/

      Mit freundlichen Grüßen

      Dr. Rita Böttjer

      • Dass ich lediglich die Anekdoten des Herrn Gastlesers und FrauTietjen aufgegriffen und auf ironische Art und Weise versucht habe zu entgegnen, muss Ihnen entfallen sein.

        Wenn man sich die Beiträge des Gastlesers zum Besten gibt, sollte man nicht unbedingt auf mich als hilfebedürftigen Menschen kommen.

        Herzlichst.

      • Achso Frau Doktor,

        basierend auf Ihrer übereiligen Empfehlung, mich, aufgrund meiner sarkastischen Bemerkungen, derer Sie anscheinend nicht mehr in Lage sind als eben diese zu erkennen, in psychatrische Behandlung zu begeben, möchte ich Sie nun doch mal fragen, wie Ihre Rolle im 3. Reich so war? Käme da für mich nach der Untersuchung das Arbeitslager in Frage, hm?

        Ihr Alter gibt Ihnen nicht das Recht hier billige Werbung für Ihre Freunde aus der Hirnklempnerfraktion, die ja bekannterweise mit sich selbst die größten Probleme hat und nur deshalb meint anderer Leute Probleme zu erkennen und therapieren zu können (wobei es ihnen einzig und allein nur um die beruhigende Wirkung geht, Leute zu sehen, die noch bekloppter sind als sie selbst) zu machen.

        Ironie wurde diesmal nur begrenzt als Stilmittel der Übertreibung eingesetzt.

  18. @H.Beck
    Leider reagiere ich auch auf Ihren „Blödsinn“.
    Aber nur, um Ihnen gegenüber mein Unverständnis darüber mitzuteilen, als dass ich davon Bauchschmerzen bekommen würde.
    Eine Frechheit, was Sie sich gegenüber anderen Mitmenschen erlauben, insbesondere einer älteren Frau. Dass diese „Hirnklempnerfraktion“, wie Sie es nennen und behaupten, mit sich selbst die größten Probleme hat, könnte meines Erachtens daran liegen, dass diese mit ähnlichen „Patienten“ wie Ihnen zu tun hat.
    Wenn schon nicht vor dem Gegenüber, aber mindestens vor dem Alter darf Respekt geübt werden. Ich bin jedenfalls noch mit Tugenden und dem Respekt dem Menschen gegenüber groß geworden und halte daran auch weiterhin fest.
    Wenn Sie mir jetzt noch einen Gefallen tun würden, dann gehen Sie doch mal in sich und überlegen, was Sie hier abgeleistet haben. Wenn Sie dann noch zu dem Entschluss kommen sich bei Frau Dr. Böttjer zu entschuldigen, denke ich, sind Sie auf einem guten Weg.
    P.s.: Auf einen weiteren Kommentar, bis auf den, einer Entschuldigung von Ihnen, verzichte ich gerne und werde darauf auch nicht antworten, zumal diese Kommentare (mein eigener zählt dazu) das eigentliche Thema völlig verfehlen.
    Wenn Sie sich durch diesen Kommentar beleidigt oder verunglimpft fühlen, bitte ich dies ausdrücklich zu entschuldigen. Mein Wortschatz bzw. Ausdruck ist nun einmal begrenzt; aber hoffentlich doch verständlich.

    • Nein, selbstverständlich fühle ich mich nicht beleidigt, wenn man mich als psychiatrischen Patienten, ergo armen Irren, bezeichnet, nur weil jemand nicht in der Lage ist, Sarkasmus und Ironie zu verstehen. Wo kämen wir denn da hin?! Merken Sie selbst, oder?

      Ein letztes Statement zum redundanten Off-Topic.

      Wenn die LZ nicht wollte, dass die Leser zu einer derartigen Meldung ihre Vermutungen und Gedanken äußern, dann hätten sie keine Kommentarfunktion unter eben diesen Artikel eingerichtet. Punkt. Dass Leser Vermutungen äußern, könnte somit nur unterbunden werden, indem man diese Funktion generell abschaltet oder entsprechende Kommentare löscht, was wiederum diese Funktion ad absurdum führen würde.

      Dass dann andere Leser meinen, Kommentatoren eben wegen dieser geäußerten Vermutungen via hochtrabender „Lyrik“ als Mistgabel tragende Dummbeutel darzustellen (Gastleser), ist im Grunde genauso überflüssig wie die Reaktion ironischer Natur meinerseits darauf.

      Dass dann wiederum eine ältere Dame meint, aufgrund eines ironisch gemeinten Kommentars und vllt auch wegen der zuvor geäußerten Vermutungen, den Verfasser in die ihr beruflich nahestehende Psychiatrie einweisen lassen zu müssen, erfordert nicht mal ansatzweise eine Entschuldigung des konternden Verfassers. Oder hat es Ihrer Ansicht nach etwas mit Respekt vor dem Alter zu tun, sich unkommentiert beleidigen zu lassen? Auch ältere Menschen haben ein Recht auf eine Reaktion auf unmögliches Verhalten. So emanzipiert sollte eine ältere Generation heutzutage schon sein.

      Herzlichst.

      P.S.: Liebe LZ, vielleicht löscht Ihr am besten diese ganzen das Thema verfehlenden Ergüsse, inklusive der Meinigen. Danke.

  19. Endlich kommt H. Beck von alleine zu einem sauberen Ergebnis: Löschen!

  20. Schicksal

    Herr Beck, ehrlich gesagt, macht es mich wütend und traurig, erleben zu müssen, wie ich nach über zehn Jahren vorsorglicher Schönheitsdepression mit Mitte zwanzig ausgerechnet Lachfalten bekomme.

    Aber Sie mit Ihrem ungeschützten Psycho-Striptease sind einfach spitze.

    Apropos „Ergüsse“:

    Dieser neigt zu Raffinessen
    Jener zu Gewaltexzessen
    Hier schätzt man das Menschenfressen
    Dort Verdachts-Delikatessen

    Einerseits knallhart erpressen
    Andrerseits brutales Stressen
    Hier ruft man nach Mullkompressen
    Dort gibt’s Wunden, die schon nässen

    Doch am höchsten Ziel gemessen
    Sind das alles Petitessen
    Eben noch von Haß durchwurgt
    Herrscht nun Seelen-Beck in Lüneburg.

  21. Gerhild Tietjens

    Um die selbstverliebten Psychotiker und borgelustigen Karrikaturschmieranten mal wieder zum Thema zurückzuführen: Was halten Sie denn von dem Vorschlag des Leserbriefschreibers „Carsten Weber“, den er im letzten Absatz seines Kommentars zu einem denkwürdigen LZ-Artikel vom 4. Dezember formuliert hat, welcher aber leider allzu schnell von der Redaktion wieder offline gestellt und damit beinahe dem Vergessen übergeben worden wäre?

    Hier ist beides noch einmal nachzulesen:

    „BAUSTOPP ALS FALLSTUDIE

    pm Hannover/Lüneburg. Mit steigenden Kosten weitermachen oder alle Baumaßnahmen sofort stoppen? Der niedersächsische Landesrechnungshof (LRH) hat für den umstrittenen Libeskind-Bau der Lüneburger Universität vom Wissenschaftsministerium in Hannover so eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gefordert. Darin müsse abgewogen werden, ob ein Stopp des Projektes für Land und Steuerzahler letztlich nicht günstiger käme.

    57 Millionen Euro waren ursprünglich für das futuristische Zentralgebäude nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind eingeplant. Davon sollten vom Land Niedersachsen 21 Millionen, von der EU 14 Millionen, von Stadt und Landkreis Lüneburg sieben Millionen kommen. Auf 78,2 Millionen Euro taxiert die von der Uni beauftragte Wirtschaftsprüfergesellschaft BRL inzwischen die Baukosten. Die Leuphana will die Mehrkosten nach eigenen Angaben ohne zusätzliche Belastung der öffentlichen Hand bewältigen, und zwar durch höhere Verkaufserlöse ihrer Liegenschaften, durch Vermietung von Veranstaltungsflächen, durch eigene Rücklagen und durch einen Vorsteuerabzug.

    Doch der Rechnungshof hat offensichtlich erhebliche Zweifel an dem Finanzierungskonzept. Die Hildesheimer Prüfbehörde will angesichts weiterer befürchteter Preissteigerungen sogar die radikale Alternative durchgerechnet wissen: Abriss des bisherigen Baus, Kündigung sämtlicher Verträge und ein neues Audimax in der für andere Hochschulen üblichen Standardversion.

    Adressat dieser Aufforderung ist das Ressort von Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). Doch statt die Berechnung selbst zu erstellen oder von unabhängigen Experten ausführen zu lassen, hat das Ministerium die Leuphana selbst darum gebeten. Die Hochschule erklärt, dass man die gewünschte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorgelegt habe. “Dabei handelt es sich um einen internen Verwaltungsvorgang. Zu Details nehmen wir daher keine Stellung”, sagt Leuphana-Sprecher Henning Zühlsdorff. Das Ministerium bestätigte den Eingang der Berechnung; diese müsse nun aber noch geprüft werden, erklärt ein Sprecher.

    Der Rechnungshof kritisiert weitere Unklarheiten. “Es gibt eine ganze Reihe von offenen Punkten”, verdeutlicht LRH-Senatsmitglied Lutz Bardelle. Der von der Uni beantragte Nachtrag und der aktualisierte Finanzplan seien derzeit nicht prüffähig. “Es fehlen etliche Unterlagen.” Auch die Oberfinanzdirektion (OFD), deren Bauexperten das Ministerium hinzugezogen hat, hegt dem Vernehmen nach Bedenken. So sollen Informationen über die Gründe der verzögerten Fertigstellung (August 2015) unvollständig sein. Und Rechnungsprüfer merken an: Es liege keine Berechnung über die künftigen Nutzungskosten etwa für Energie, Bauunterhaltung, Reinigung oder Reparaturen vor. Und es stehe das Gutachten zu den kalkulierten Verkaufserlösen für Uni-Liegenschaften aus.

    Der letzte Punkt ist aus Sicht der Hochschule vollständig abgearbeitet. “Die Universität hat die Unterlagen dem Land am 3. Dezember übermittelt”, betont Sprecher Zühlsdorff. Mit dem Ministerium stehe man “in einem engen Austausch”. Auch die anderen Papiere seien zum Teil bereits geliefert, weitere würden in den nächsten Tagen folgen. Auch dies bestätigt der Sprecher in Hannover.

    Nun stellt sich die Frage, ob ein neues Finanzierungsproblem auftaucht. Laut Landeshaushaltsordnung darf das Land bei der Berechnung von Zuwendungen Vorsteuerabzugsbeträge nicht berücksichtigen. Die Uni Lüneburg hatte dafür ursprünglich drei Millionen Euro in ihren Ansatz gebracht. Fraglich ist, ob das Ministerium diese bei der Ermittlung der 21 Millionen Euro Landesmittel entgegen der Ordnung einbezogen hat, nun vielleicht den Zuwendungsbescheid korrigieren muss.

    Ein Kommentar

    Carsten Weber
    4. Dezember 2013 um 09:48

    Offenbarungseid

    Welche Gremien und welche “Entscheidungsträger” auf Stadt- und Landesebene sind eigentlich dafür zur Verantwortung zu ziehen, dass diese Katastrophe so weit gedeihen konnte?

    Über sechs Jahre hässlichstes öffentliches Gerangel über “das futuristische Zentralgebäude nach Entwürfen des New Yorker Architekten Daniel Libeskind”.

    Die Bilanz?

    Staatsanwaltliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen die “Projektleitung” des grotesk “konzipierten” Zentralgebäudemonstrums, stetig steigende Kosten, immer noch keine Wirtschaftlichkeitsberechnung, 57 Millionen Euro ursprünglich genannt, derzeit vorübergehend auf 78,2 Millionen Euro “taxiert”, erhebliche Zweifel an dem Finanzierungskonzept beim Landesrechnungshof, keine gutachterliche Kalkulation durch unabhängige Experten, das “Fehlen etlicher Unterlagen”, massive Bedenken der Oberfinanzdirektion (OFD), unvollständige Informationen über die Gründe der verzögerten Fertigstellung, keine Berechnung der künftig anfallenden Unterhalts- oder Nutzungskosten etwa für Energie, Bauerhalt, Reinigung oder Reparaturen, keine halt- oder brauchbare Bestimmung der Parameter tatsächlich erzielbarer Verkaufserlöse für Uni-Liegenschaften, mutmaßlich unrechtmäßig berücksichtigte Vorsteuerabzugsbeträge bei der Ermittlung von Landeszuwendungen in Höhe von drei Millionen Euro – und eine vor Bestürzung zwischen überwiegend Häme und vereinzelt sektenähnlicher Bunkermentalität schwankende Bürgerschaft.

    Und nun will “die Hildesheimer Prüfbehörde (…) angesichts weiterer befürchteter Preissteigerungen sogar die radikale Alternative durchgerechnet wissen: Abriss des bisherigen Baus, Kündigung sämtlicher Verträge und ein neues Audimax in der für andere Hochschulen üblichen Standardversion.”

    Warum lassen wir die bereits “in Beton gegossenen” Mauern nicht als “nachhaltiges” Mahnmal provinziellen Größenwahns stehen, bauen eine “energieeffiziente” Liebes-Keller-Kind-Mehrzweckhalle (Tanzpalast, Versammlungs- und Veranstaltungssaal inklusive Eisbahn für das schaulaufbedürftige Fachhochschulpräsidium) daneben und geben die überschüssigen Mittel in Höhe von sieben Millionen Euro schnell und unbürokratisch für den behutsam “historisch” rekonstruierenden Wiederaufbau des Sonntagnacht abgebrannten Georg-von-Lösecke-Hauses Am Stintmarkt Nummero Zwo im Hafenviertel frei?“

    Landeszeitung für die Lüneburger Heide, Mittwoch, 4. Dezember 2013

    URL: http://www.landeszeitung.de/blog/126258/baustopp-als-fallstudie/#comment-910