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Zwischen Klo und Feld: Auf der Kläranlage der AGL an der Bockelmannstraße wird Klärschlamm gelagert, bis Landwirte den Dünger mit Anhängern abtransportieren und aufs Feld bringen. Foto: be
Zwischen Klo und Feld: Auf der Kläranlage der AGL an der Bockelmannstraße wird Klärschlamm gelagert, bis Landwirte den Dünger mit Anhängern abtransportieren und aufs Feld bringen. Foto: be

GroKo will stubenreine Felder

mm Lüneburg. Wie soll Klärschlamm künftig verwertet werden? Diese Frage beschäftigt derzeit die Politik und die Abwasser, Grün Lüneburger Service GmbH (AGL). Denn der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht vor, die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm zu unterbinden.

Torsten Bolick, Kläranlagenleiter der AGL an der Bockelmannstraße, wie auch Ulrich Löb, stellvertretender Fraktionsführer der Lüneburger Grünen, befürchten höhere Verbrauchergebühren. Auf den Feldern könnten nur noch Kunstdünger und Gülle verwertet werden, monieren sie. Die Grünen fordern eine Ausnahmeregelung für ländliche Gebiete, wo Klärschlamm bislang als Düngemittel eingesetzt wird.

Schon im Herbst hatte die niedersächsische Landesregierung erklärt, dass man auf mittelfristige Sicht aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung aussteigen wolle. Politiker Löb und seine Parteikollegin Ariane Mahlke-Voß, die beide auch im Aufsichtsrat der AGL sitzen, hatten daraufhin ein Schreiben an Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) verfasst. Meyer sollte sich „allen Versuchen, die Klärschlammentsorgung auf Ackerflächen zu unterbinden oder durch verschärfte Auflagen unattraktiv zu machen, entgegenstellen“, heißt es darin.

Ulrich Löb sieht in der regionalen Verwertung von Klärschlamm klare Vorteile. So sei aus ökologischer Sicht die Verwertung weniger bedenklich als „jede andere Form der Entsorgung“. Torsten Bolick sagt: „Unser Klärschlamm liegt deutlich unter den Grenzwerten zur Schadstoffbelastung.“

Der Klärschlamm könnte auch verbrannt werden, doch „eine thermische Verwertung ist derzeit nur in Hamburg möglich“, verdeutlicht AGL-Vertreter Bolick. Das wiederum führe zu höheren Transportkosten. Durch eine Verwertung des Klärschlamms in der Lüneburger Umgebung könnten hingegen lange Verkehrswege eingespart werden. Bei Verbrennung entstünden Kosten zwischen 40 bis 80 Euro pro Tonne Klärschlamm. Nicht nur die Kosten seien ein Makel, sondern auch der Verlust von Nährstoffen. Denn Klärschlamm enthält Stickstoff, Phosphor und andere organische Stoffe, die zur Humusbildung beitragen. Vor dem Verbrennen müssten diese recycelt werden, allerdings sei das Verfahren gerade zur Phosphorverwertung noch nicht so weit ausgereift, erklärt Bolick.

Derzeit holen Landwirte den abgefaulten und getrockneten Klärschlamm mit Anhängern von der Kläranlage. Im Winter wird der zusammengepresste Klärschlamm auf dem Gelände der Kläranlage zwischengelagert. Die Landwirte erhalten pro Tonne Klärschlamm – mit dem sie vorwiegend ihre Mais- und Getreidefelder, mit Einschränkungen auch solche mit Hackfrüchten düngen – eine Vergütung von 20 bis 40 Euro. Verbrennung wäre also teurer als Verwertung. Die Kostensteigerung könnte sich über höhere Abwassergebühren beim Verbraucher bemerkbar machen, argwöhnen Löb und Bolick.

Würde Klärschlamm weiterhin landwirtschaftlich verwertet, bliebe auch die Wertschöpfung in der Region, ist Löb überzeugt. Seit 1958 geht der getrocknete Klärschlamm in der Lüneburger Region zu 100 Prozent auf die Felder. Statt eines Verwertungsverbots sollte der Anteil an schwer abbaubaren Schadstoffen wie Schwermetallen oder persistenten organischen Verbindungen in den Abwässern verringert und die Aufbereitungstechnik von Klärschlamm verbessert werden, fordern die Grünen.