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Bande stiehlt in großem Stil Markenwaren

rast Lüneburg. Auf Markenwaren in großen Mengen hatten es drei in Hamburg lebende Marokkaner abgesehen, die unter anderem Schuhe und Kleidungsstücke in ihrem Heimatland verkaufen und so das große Geld machen wollten. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Sie wirft den Männern im Alter von 28, 29 und 34 Jahren schweren Raub vor, den sie in unterschiedlicher Besetzung zwischen März und Juni 2013 als Bande begangen haben sollen. Den beiden jüngeren Angeklagten wird zudem Drogenbesitz zur Last gelegt. Zum Auftakt des Prozesses gestern vor der 10. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg schwieg das Trio zu den Vorwürfen. Ihre Verteidiger indes versuchten, den Prozess zum Platzen zu bringen.

Die Anklageschrift geht von zehn Raubdelikten aus, bei denen die Täter als Lkw-Aufschlitzer agierten. Der Staatsanwalt sieht das Geschehen, bei dem auch weitere, gesondert verfolgte Täter dabei gewesen sein sollen, so: Die Marokkaner stahlen in der Nacht zum 12. März in Hamburg einen Transporter. In der folgenden Nacht steuerten sie damit eine Autobahn-Raststätte bei Bispingen an. Sie schlitzten die Plane eines Sattelauflegers auf und luden etliche Flachbildschirme auf den Kleintransporter um. Als sie später erkannten, dass nur die Gehäuse okay waren, die Bildschirme nicht funktionierten, ließen sie sie einfach stehen. Eine Woche später machten sie sich wieder auf, raubten aus einem parkenden Lkw 4824 Caprihosen. Nur zwei Nächte danach waren 42 000 Schals und Geldbörsen die Beute. Ein Teil der Taten spielte sich an Raststätten und Parkplätzen an der A 7 ab. So wurden aus Lastern auch 236 Kartons mit Sportbekleidung, 2576 Schuhpaare und ein großer Posten von Bekleidungsstücken der Marke Tom Tailor umgeladen. Zwischendurch hatten die Angeklagten einen zweiten Kleinlaster zum Abtransport der Beute gestohlen. Die beiden jüngeren Angeklagten sollen zudem laut Staatsanwalt im Juni 9,2 Kilogramm Marihuana gekauft haben, um damit zu dealen.

Die Verteidiger wollten das Verfahren direkt zum Auftakt stoppen, Rechtsanwalt Thorsten Heß, der den 28-Jährigen vertritt, formulierte eine Besetzungsrüge und forderte die Aussetzung der Hauptverhandlung und die Aufhebung des Haftbefehls für seinen Mandanten. Die beiden anderen Verteidiger schlossen sich für ihre Angeklagten an. Ihre Argumentation: Die 10. Große Strafkammer sei gar nicht für den Fall zuständig, sondern die 2. Große Strafkammer, die sogar schon Kontakt zu den Verteidigern aufgenommen und die einzelnen Prozesstage terminiert habe. Erst Ende November habe die Kammer eine sogenannte Übersetzungsanzeige gestellt, woraufhin die Präsidentin nach einem Beschluss des Landgerichts-Präsidiums eine neue Große Strafkammer, nämlich die 10., eingesetzt habe. Hier monierten die Verteidiger zudem, dass nicht alle Präsidiums-Mitglieder diesen Beschluss unterzeichnet hätten.

Die 10. Strafkammer wies die Rüge zurück, der Vorsitzende Richter Kai Lange machte dabei klar, dass einer der Gründe für die Überlastung der Mammut-Prozess gegen die mutmaßlichen Buntmedall-Diebe ist – und dass die 10. Kammer nicht nur für dieses Verfahren neu eingerichtet wurde. Sie übernehme künftig alle Verfahren im Bereich der Drogenkriminalität. Der Prozess gegen die Marokkaner wird am 9. Januar fortgesetzt.