Dienstag , 27. September 2016
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Axel Bonow und seine Kollegen von der Post haben in diesen Tagen gut zu tun, das Weihnachtsgeschäft brummt. Foto: t&w
Axel Bonow und seine Kollegen von der Post haben in diesen Tagen gut zu tun, das Weihnachtsgeschäft brummt. Foto: t&w

Die Verdopplung der Pakete

us Lüneburg. Jens-Uwe Hogarth ist zuversichtlich. „Pakete, die bis zum 23. Dezember um 10 Uhr aufgegeben werden, sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Heiligabend beim Empfänger – sofern die Adresse in Deutschland ist und uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht“, sagt der Sprecher der Deutschen Post DHL in Hamburg. 6 Millionen Pakete – rund doppelt so viele wie sonst – muss das Unternehmen in diesen Tagen bewältigen, Tendenz steigend. „In dieser Woche können es bis zu acht Millionen Pakete täglich werden“, sagt Hogarth.

Mit deutlich weniger Stückzahlen, aber gleichen Steigerungsraten muss auch Lüneburg rechnen. Von den sonst rund 3000 üblichen Paketlieferungen kommt die Stadt in diesen Wochen auf rund 6000 Pakete, die täglich von der Lüneburger Filiale aus zu den Kunden in der Stadt und den umliegenden Gemeinden gebracht werden.

Das hohe Paketaufkommen ist für das Paketzentrum an der Sülztorstraße eine logistische Herausforderung. „Normalerweise arbeiten wir hier mit elf Paketzustellern, jetzt sind es zehn mehr“, sagt Bernd Michaelis, Betriebs-Manager für Lüneburg und Adendorf. Der gebürtige Dehnsener beginnt bereits im Sommer mit den Planungen für das Weihnachtsgeschäft, ab Oktober wird zusätzliches Personal eingesetzt. „Das brauchen wir bis Januar. Außerdem benötigen wir zusätzliche Fahrzeuge. Das muss alles organisiert werden“, sagt Michaelis, der seit drei Jahren für die Standorte zuständig ist.

Für ihn und seine Mannschaft ist das Weihnachtsgeschäft mit den letzten Touren an Heiligabend aber noch nicht zu Ende. „Nach Weihnachten geht es weiter“, sagt Michaelis. Dann werden die Pakete ausgeliefert, die es bis Heiligabend nicht mehr bis unter den Baum geschafft haben, „außerdem werden dann die ersten Geschenkgutscheine eingelöst und Sachen zurückgegeben oder umgetauscht“.

Auch wenn die Post für den Hauptansturm zum Ende dieser Woche gut gewappnet scheint, haben Pakete ins Ausland kaum noch Chancen, rechtzeitig vor Weihnachten beim Empfänger anzukommen. „Innereuropäisch war am 17. Dezember die letzte Möglichkeit“, sagt Pressesprecher Hogarth, „für Adressen außerhalb Europas hätten die Pakete bereits Anfang Dezember aufgegeben werden müssen.“

Sein Dienst beginnt um 6.30 Uhr. Wie an jedem Arbeitstag belädt Axel Bonow zuerst seinen Wagen, dann macht er sich mitsamt den Paketen auf den Weg zu seinen Kunden. An diesem Tag ist sein Wagen gut bestückt, „wie immer zur Weihnachtszeit“, sagt der 49-Jährige. „Das ist zwar stressig, aber normal.“ Seit 1982 arbeitet er als Paketzusteller in der Filiale der Deutschen Post an der Sülztorstraße, auch seine Lehre hat er dort absolviert. Er und seine Kollegen haben derzeit besonders viel zu tun. „Das Internet“, sagt Axel Bonow und deutet auf einen Stapel von Paketen, die das Firmenlogo eines großen Versandhändlers tragen. In den vergangenen 30 Jahren sei die Arbeit deutlich mehr geworden. Lediglich nach dem Mauerfall sei es mal eine Zeit lang ruhiger gewesen. „Als es die DDR noch gab, wurden jedes Jahr Unmengen von Paketen zwischen Ost und West verschickt, und zwar in beide Richtungen“, sagt der Bardowicker. Und kurz nach Weihnachten ging dann manch ein Dresdner Christ-Stollen auch schon mal wieder zurück. Mit dem Anwachsen des Paketaufkommens sei auch sein Paketwagen größer geworden – „leider“, fügt Bonow mit einem Schmunzeln hinzu. „Früher hatten wir einen kleinen VW Bus, da passte längst nicht so viel rein. Dafür haben wir heute Regale in den Wagen, das erleichtert das Suchen.“ Seine Tour fährt er seit vielen Jahren: Goseburg, Loewe-Center, Lüner Rennbahn, Bleckeder Landstraße. Treppen muss er dabei zwar auch mal steigen, aber nicht so viele wie die Kollegen in Kaltenmoor. In den Wochen vor Weihnachten sei nicht nur die Arbeit stressiger, auch die Kunden seien oft angespannter. „Es wird auch mal ein Witz gemacht, aber das ist eher die Ausnahme“, sagt er. Und Trinkgeld? „Das gibt es auch mal, aber nicht mehr so viel wie früher.“us