Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Kein Stress in der stillen Nacht
Birgit Nickel gibt einige Ratschläge, die ein harmonisches Weihnachtsfest wahrscheinlicher machen. Vor allem sollte man in der Familie die jeweiligen Erwartungen absprechen. Foto: t & w
Birgit Nickel gibt einige Ratschläge, die ein harmonisches Weihnachtsfest wahrscheinlicher machen. Vor allem sollte man in der Familie die jeweiligen Erwartungen absprechen. Foto: t & w

Kein Stress in der stillen Nacht

rast Lüneburg. Weihnachten ist ein Fest voller Gefühle , viele Menschen fühlen sich innerlich sehr bewegt – aus den unterschiedlichsten Gründen: durch den christlichen Aspekt, durch ihre eigenen Kindheitserinnerungen oder durch das Aufeinandertreffen vieler Generationen. „Doch diese Emotionen schüren auch unterschiedliche Erwartungen“, weiß Birgit Nickel. Sie ist seit elf Jahren Mediatorin, wirkt seit acht Jahren für die Lüneburger Mediationsstelle Brückenschlag und leitet dort den Bereich Mediation und Verständigung. Sie hat einige Tipps parat, damit es nicht zum Zoff unterm Christbaum kommt.

Die Erwartungen ans Fest und die Feiern sind ganz unterschiedlicher Natur. Dabei ist die beste Strategie laut der Mediatorin: „Die Erwartungen sollen realistisch gehalten werden, dann läuft alles entspannt ab.“ Die Haltung, alles müsse nett und adrett sein, Gänsebraten und Kirchgang gehörten dazu, müsse nicht sein.

Der Tipp von Birgit Nickel: „Vorher die Beteiligten zusammentrommeln und über die Erwartungen sprechen: Was ist wem wichtig? Was möchte ich nicht haben?“ Größer werdende Kinder möchten vielleicht nicht mehr wie in den Jahren zuvor singen oder die Blockflöte rausholen. Die Mediatorin: „In dieser Phase gibt es noch die Verhandlungsbasis, kann beispielsweise geklärt werden, ob es wieder der traditionelle, aber aufwändige Gänsebraten sein muss oder es auch etwas anderes Leckeres sein kann.“

Oft würden Menschen denken, sie wüssten, was der Partner oder die Gäste wollen: „Vielleicht will der Mann den Gänsebraten haben, weil er ihm schmeckt. Aber es muss ja nicht am 24. Dezember sein.“ So werde der Stressfaktor gesenkt.

Dazu diene auch eine Aufgabenteilung: „Während ein Teil der Familie in den Gottesdienst geht, bleiben einer oder mehrere zu Hause und kümmern sich ums Essen.“

In Vorgesprächen kann auch ein anderer Punkt geklärt werden: „Die Gastgeberin oder der Gastgeber muss ja nicht alles alleine machen, die Gäste können beispielsweise auch etwas zum Essen mitbringen.“

Kommt es dennoch zu einem lauten Streit in der stillen Nacht, sollten sich die Beteiligten laut Nickel die Frage stellen: „Wie kann ich wieder runterfahren?“ Hier gebe es Möglichkeiten, die sich nach den verschiedenen Typen richten.

Der eine Typ will sich zurückziehen, um sich aufs klärende Gespräch vorzubereiten: „Er geht an der frischen Luft spazieren oder zieht sich einen Kopfhörer über.“ Der andere Typ hingegen will im Gespräch bleiben und sollte dann direkt die Verabredung mit dem Kontrahenten treffen, wann über das Problem geredet werden soll.

Sind bestimmte Themen als Auslöser für Streitgespräche innerhalb der Familien- und Gästerunde bekannt, kann dem übrigens auch schon im Vorfeld begegnet werden, der Tipp der Mediatorin: „Machen Sie klar, dass eben diese Themen mal für zwei bis drei Stunden ausgeklammert werden, darüber könne man auch später noch diskutieren.“

Und sollte es tatsächlich alle Jahre wieder zu den gleichen Streitereien kommen, könne sich die Gastgeberin oder der Gastgeber eine Frage durch den Kopf gehen lassen: „Muss er diese Rolle wieder einnehmen oder kann er nicht selbst mal woanders Gast sein?“

Für sich selbst sieht Birgit Nickel eine gute Voraussetzung in dem erprobten und abgestimmten Ablauf: „Heiligabend feiere ich mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen mit dem Kirchgang und einem schnellen und unkomplizierten Essen, das es bei uns nur einmal im Jahr gibt und auf das sich alle freuen: Spinatgnocci mit Feldsalat. Danach gibt’s die Bescherung.“ Auch den ersten Feiertag verbringt das Quartett unter sich, am zweiten geht’s dann zum Familienbesuch in großer Runde.