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Der große LZonline – Jahresrückblick: Andreas Safft

Manchmal muss man schon genau hingucken, um sie zu erkennen. Doch immer, wenn es in der Stadt oder dem Landkreis Lüneburg etwas zu berichten gibt, sind sie da: Die LZ-Redakteure. Jahr für Jahr schreiben sie tausende Zeilen, erzählen hunderte Geschichten. Für LZonline haben einige von ihnen ihre beeindruckensten, schönsten oder erschreckendsten Geschichten des Jahres nochmal heraus gekramt.

Welche Geschichte ist dir 2013 besonders in Erinnerung geblieben?

In meinem Fall ist es der Verkauf des LSK-Grundstücks und das sich abzeichnende Ende des Fußballs in Wilschenbruch. Dort wird ja ab April ein neues Baugebiet erschlossen. Und damit enden auch für mich persönlich gut zwei Jahrzehnte, in denen ich alle 14 Tage dorthin marschiert bin, nicht nur Fußball gesehen habe sondern auch unendlich viele Dramen rund um den Club mitbekommen habe.

Was ist für dich das Besondere an der Geschichte des LSK?

Da kommen Erinnerungen hoch an das erste Spiel, das ich dort gesehen habe. Das war gleich ein Pokalspiel gegen den Karlsruher SC mit Oliver Kahn im Tor. Im Laufe der Zeit hab ich den Eindruck bekommen, dass es nirgendwo so stürmische Jubelfeiern oder auch so tiefe Krisen gab, wie beim Fußball in Wilschenbruch. Gerade diese Insolvenzgeschichte des LSK habe ich sehr intensiv verfolgen müssen. Als die Insolvenz begann, 2001, da war der Club im Prinzip kurz vor dem Aus. Eine Woche länger und sie wären pleite gewesen und verschwunden von der Bildfläche. Damals ist mein ältester Sohn eingeschult worden. Und jetzt, am Ende der Insolvenz, wird er im Abi sein. Da ist mir richtig bewusst geworden, wie lange dieser ganze Insolvenzvorgang dauerte.

Welche Rolle nimmt der LSK im lokalen Fußball ein?

Der LSK ist, egal ob es ihm sehr gut geht oder nicht gut geht, ein Club der für sehr viele Emotionen sorgt. Es gibt im Prinzip keinen Fußballfan, dem der LSK egal ist, man kann ihn eigentlich nur lieben oder hassen.

Auch in der Sportredaktion hat die Geschichte um den LSK hohe Wellen geschlagen. Wie seid ihr mit dem Thema umgegangen?

Ein Problem hatten wir und haben wir, es gibt gerade in diesem Fall nicht die eine Wahrheit. Es herrschen diametral unterschiedliche Meinungen zum Beispiel darüber, wie der Verkaufserlös verteilt wird. Da hat der Club natürlich komplett andere Vorstellungen als die Stadt oder der Investor. Ich musste mich sehr hüten, zu schnell eine Meinung zu haben, man hat alle paar Wochen, alle paar Tage, neue Stände. Man muss die ganze Geschichte immer wieder neu hinterfragen. Wer die Guten sind und wer die Bösen sind, je mehr man weiß, umso weniger kann man das beurteilen.

Mit welchem Gefühl stehst du dem baldigen Ende des LSK in Wilschenbruch gegenüber?

Inzwischen kommt jedes Mal, wenn man dorthin fährt, auch so ein bisschen Wehmut auf, weil ich genau weiß, es sind nur noch endlich viele Spiele. Ich bin einer der Menschen, die sich in hochmodernen Arenen nicht besonders wohl fühlen, die lieber auf einem richtig schönen alten Fußballplatz sind. Es ist klar, dass wir dieses Gefühl im nächsten Jahr verlieren werden. Ich wünsche den Leuten, der Mannschaft und dem ganzen Verein, dass sie es schaffen, den Umzug oder das neue Heim irgendwann auch als Neuanfang in einer Aufbruchstimmung zu realisieren. Und das nicht nur Trauer oder Wehmut über den alten Platz bleibt.

lsk

Landeszeitung, 22. März 2013:

LSK-Platz unter dem Hammer 

saf/ahe Lüneburg. Der Fußball rollt in Wilschenbruch seit einem Jahrhundert. Ein Bebauungsplan für das Teilgebiet Auekamp existiert seit fast einem Jahrzehnt. Doch nun wird die unendliche Geschichte rund um den Platz des Lüneburger SK um ein weiteres Kapitel bereichert. Das Areal soll endgültig verkauft und Bauland werden, doch beim LSK glaubt man einen neuen Verbündeten im Kampf gegen den Verlust seiner Heimat gefunden zu haben: die “Verordnung der Hansestadt Lüneburg über die Festsetzung des Überschwemmungsgebietes der Ilmenau im Stadtgebiet Lüneburg”, die einen Teil der Sportanlage in Lüneburg an der Ilmenau mit umfassen soll. Sie war jüngst Thema im Umweltausschuss des Rates.

Der Reihe nach: Eine kleine Anzeige im Immobilienteil der LZ sorgte für große Aufregung beim LSK. Zirka 49 000 Quadratmeter “Baugrundstück in exklusiver Wohnlage für Villenbebauung” wurden am vorigen Sonnabend von der “Angermann Investment Advisory” in Hamburg angeboten, sollen meistbietend verkauft werden. “Wir wollten uns über Änderungen gegenseitig informieren”, wundert sich Gerald Kayser, Vorstand des Oberligisten LSK Hansa, “doch weder die Stadt noch der Insolvenzverwalter haben uns unterrichtet.”

Der 2008 gegründete LSK Hansa hat den Spielbetrieb vom LSK übernommen. Der Ursprungsverein ist seit 2001 zahlungsunfähig, Insolvenzverwalter Dirk Decker plant seitdem eine Veräußerung des Platzes, um die Gläubiger auszahlen zu können. Das Geläuf soll Bauland werden, von 25 Wohneinheiten ist die Rede. Zu den Gläubigern zählt die Sparkasse Lüneburg. Für die sagt Markus Freudenreich: “Der Insolvenzverwalter hat jetzt in der Tat einen Vermarktungsauftrag erteilt.” Der LSK-Hansa-Vorsitzende Dietrich Conrad ist über diese Verkaufsabsicht jetzt empört: “Es stellt sich in diesem Zusammenhang wieder einmal die Frage, wie die Stadt Lüneburg mit rechtlichen Vorgaben umgeht.” Denn die Stadt habe dafür grünes Licht gegeben, gebaut werden dürfte auf dem Gelände nach Ansicht der Sportler aber gar nicht.

Bei dem Areal handelt es sich hauptsächlich um das LSK-Gelände inklusive Zufahrt und Trainingsplätzen, das zu etwa drei Vierteln dem LSK, zu einem Viertel der Stadt gehört. Eben dieses Viertel, im Wesentlichen der C-Platz, wird in einer Bekanntmachung des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als “sichergestelltes Überschwemmungsgebiet” dargestellt – Bebauung deshalb nicht möglich, argumentiert der Verein.

Die Stadt allerdings wertet anders: “Eine Bebauung wäre auf dem Gelände auch in Zukunft grundsätzlich kein Problem”, sagt Pressesprecher Daniel Steinmeier. “Es müssten nur Auflagen erfüllt werden. Das könnte zum Beispiel ein Wall als Abgrenzung sein, eine Erhöhung der zu erreichenden Gebäude oder das Verbot, mit Keller zu bauen. Das sind aber alles Details, die erst bei einem Abschluss der städtebaulichen Erschließung geklärt würden.” Zwar verbietet das Gesetz, in Überschwemmungsgebieten neue Baugebiete auszuweisen. Doch Oberbürgermeister Ulrich Mädge stellt klar: “Hier gibt es seit Jahren einen Bebauungsplan, der hat Bestandsschutz.” Im Übrigen hätten weder die Stadt noch er persönlich etwas im Verborgenen entschieden. Die Sparkasse und der Insolvenzverwalter seien über die aktuelle Entwicklung informiert worden. “Mit den Vereinsverantwortlichen gab es die Absprache, dass sie zu mir kommen und Pläne vorlegen, wo sie denn künftig hin wollen. Das haben sie nicht getan.”

Im Verein gibt es eine andere Sicht: Schon jetzt dürfe das Gebiet unter Hinweis auf eine “vorläufige Sicherung” laut Verfügung der Hochwasser-Landesschutzbehörde nicht bebaut werden. “Wie kann man guten Gewissens so eine Fläche als Bauland anbieten? Wer will da noch wohnen?”, fragt sich Kayser, der oft bei stärkeren Regenfällen miterlebt hat, “wie auf unseren Plätzen das Grundwasser nach oben gedrückt wurde”.