Mittwoch , 28. September 2016
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Rainer Gruber (rechts) und Michael Bahr vom Technischen Hilfswerk (THW) in Lüneburg flogen auf die Philippinen. Das Duo hilft mit, die Wasserversorgung wieder sicherzustellen. Foto: A
Rainer Gruber (rechts) und Michael Bahr vom Technischen Hilfswerk (THW) in Lüneburg flogen auf die Philippinen. Das Duo hilft mit, die Wasserversorgung wieder sicherzustellen. Foto: A

Sie sorgen für sauberes Wasser

ca Lüneburg. Weihnachten hat Rainer Gruber noch mit seiner Familie feiern können, wenn auch ein bisschen unruhig. Er hat noch einmal geprüft, ob er seine Ausrüstung komplett zusammengepackt hat. Denn am Freitag, 27. Dezember, um 10 Uhr ging es für den 44-Jährigen ans andere Ende der Welt in ein Katastrophengebiet. Gut eineinhalb Monate, nachdem der Taifun Haiyan über die Philippinen getobt ist, reist der Lüneburger auf die Insel Bantayan, um dort mit Kollegen des Technischen Hilfswerks (THW) die Wasserversorgung der Menschen wieder instand zu setzen.

„Da ist viel zerstört worden“, sagt der gelernte Maschinenbautechniker. Er habe mit einem seiner 16 Kollegen vor Ort telefoniert. Mitte Januar bekommt Gruber Unterstützung aus der Heide: Der Soderstorfer Michael Bahr fliegt ebenfalls nach Asien, um dort mitanzupacken.

Die beiden Ehrenamtlichen sind Experten für Wasserversorgung. Sie haben mit der bundesweiten THW-Einheit Seewa, das steht für Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland, beispielsweise schon in Pakistan, Haiti und Afrika geholfen. Bahr, der 43-Jährige arbeitet als Jurist für die Stadt Hamburg, und Gruber reisen nach fünf Einsätzen in aller Welt mit einer gewissen Routine auf die Insel. Denn sie wissen, dass ihre Vorgänger schon einiges vorbereitet und Schäden behoben haben. „Wir profitieren von den Erfahrungen der anderen“, sagt Gruber. „Deshalb werden Teams nicht komplett, sondern Stück für Stück ausgewechselt.“ Wer zu einer Spezialeinheit zählt, ist im Prinzip immer einsatzbereit. So achten die Männer und Frauen darauf, immer ihren „permanenten Impfstatus“ zu halten.

Das Wasserwerk in Santa Fe, dem Hauptort, soll beschädigt sein, Pumpen und Gestänge von Brunnen seien defekt, Unrat treibe noch immer in einigen Wasserschächten. Wie andere Organisationen schickt auch das THW Geräte und Experten, die die Folgen der Katastrophe bestmöglich beseitigen oder zumindest abmildern sollen. So betreibt das Technische Hilfswerk eine Anlage, die pro Stunde 6000 Liter Trinkwasser aufbereitet. Bahr erklärt: „Wir leisten Not-, aber keine Entwicklungshilfe.“ So soll die Trink-wasserversorgung voraussichtlich Ende Januar wieder so funktionieren, dass die THW-Leute nicht mehr benötigt werden.

Wie ihre Mitstreiter werden auch die Lüneburger in Zelten untergebracht, schlafen unter Moskitonetzen. Dies sei bei nächtlichen Temperaturen von 25 Grad kein Problem, sagen sie aus Erfahrung. Im Gegenteil. Auch die Verpflegung ist gesichert, das THW verfügt über gut gefüllte Ausrüstungskisten. „Das Dosenschwarzbrot ist zum Beispiel sehr lecker“, sagt Gruber, der 1994 zum ersten Auslandseinsatz aufbrach. Allerdings hat er schon einen „Befehl“ aus Bantayan erhalten: „Nutella ist gefragt.“ Also nimmt er ein paar Gläser im Handgepäck mit.

Gruber wird als Maschinist und Mechaniker einen Monat auf den Philippinen bleiben, Bahr als Einsatzleiter wahrscheinlich drei Wochen. Heute bringt Bahr seinen Freund und Kollegen zum Flughafen nach Hamburg. Der macht sich dann auf eine eineinhalb Tage dauernde und mehr als 10 000 Kilometer lange Reise über Frankfurt, Hongkong nach Cebu, der Nachbarinsel, auf der das Lüneburger Unternehmen Dedon eine Fabrik unterhält. Manchmal ist Lüneburg eben auch in der Ferne gar nicht so weit weg.