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Die Erleichterung birgt auch Gefahren: Gerade für ältere Menschen steige laut Polizei bei Fahrrädern mit Elektromotor das Unfallrisiko. Foto: A
Die Erleichterung birgt auch Gefahren: Gerade für ältere Menschen steige laut Polizei bei Fahrrädern mit Elektromotor das Unfallrisiko. Foto: A

Wenn Rentner plötzlich rasen

ca Lüneburg. Fahrradunfälle haben aktuell Hochkonjunktur. Nässe oder mit Blitzeis überzogene Wege – da kann man als Radler schnell wegrutschen und stürzen. Vor allem, wenn man älter ist und mit einem Pedelec oder E-Bike unterwegs ist. Auch wenn der Lüneburger Polizei keine speziellen Zahlen vorliegen, so haben Sprecher Kai Richter und seine Kollegen doch den Eindruck, dass sich gerade Senioren, die die neue Art der Fortbewegung wählen, „einem erhöhten Unfallrisiko aussetzen“. Immerhin: Bislang habe es in der Region „glücklicherweise noch keine ganz schweren Unglücke“ gegeben.

Vor allem für Senioren bedeuten die neuen Fahrräder Mobilität: Sie müssen sich nicht mehr alleine abstrampeln, der Akku verleiht ihnen zusätzlichen Schub, sodass sich auch längere Touren ohne große Mühe bewältigen lassen. Die Begeisterung fürs schweißfreie Vorankommen merken Händler: Wurden in Deutschland nach Angaben des Verbandes der Zweirad-Industrie im Jahr 2010 rund 200 000 E-Bikes verkauft, sollen es dieses Jahr am Ende mit 430 000 Exemplaren schon mehr als doppelt so viele werden.

Mit bis zu 45 Kilometern pro Stunde kann man auf einem E-Bike dahinsausen, auf einem Pedelec ist bei 25 km/h Schluss. Helmpflicht gilt nur bei der schnelleren Variante. Und so hat der Boom der rasenden Rentner Folgen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat sich kürzlich damit beschäftigt: Es gebe zwar keine bundesweit erhobenen Zahlen und Studien zu den batteriebeschleunigten Zweirädern, aber für Baden-Württemberg lasse sich belegen, dass die Zahl der Unfälle mit den steigenden Verkaufszahlen ebenfalls nach oben klettere. Im Jahr 2012 habe es ein Plus von 80 Prozent gegeben, schreibt das Nachrichtenmagazin. Aus der Schweiz wisse man, dass „es sich bei 57 Prozent der Unglücke mit schweren Verletzungen um Schleuder- oder Selbstunfälle handelt, an denen keine weiteren Personen beteiligt sind“. In Deutschland ist das bei „normalen Fahrrädern“ nur in 17 Prozent der Fälle so.

Lüneburgs Polizeisprecher Richter macht bei Senioren mehrere Gründe für Unfälle aus: Sie reagierten oftmals nicht mehr so schnell wie Jüngere, das könne bei der höheren Geschwindigkeit der Velos zum Problem werden. Auch lege sich mancher mit dem Vehikel zu sehr in die Kurve oder schätze den Bremsweg falsch ein. Die Verkehrsunfallstatistik der Polizei erfasst zwar Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind. Aber das Zahlenwerk spiegelt nur einen Teil der Wirklichkeit wider. So geht der Hauptkommissar davon aus, dass sich viele gar nicht melden, wenn sie sich irgendwo allein auf die Nase legen und sich dabei Schürfwunden oder gar Brüche zuziehen: „Da dürfte das Dunkelfeld hoch sein.“

Die Polizei empfiehlt den Senioren, die sich mit der Unterstützung aus der Steckdose zu Ausflügen auf den Weg machen, sich die andere Art der Mobilität vorsichtig zu erstrampeln, um ein Gefühl für Geschwindigkeit und Rad zu bekommen. Beim Kauf sollten Kunden auf Qualitätssiegel achten, denn Bremsen, Lenker und Gabel müssten auf die Belastung bei höherem Tempo angepasst sein. Trotzdem ist für den Beamten klar, dass sich bei aller Aufklärung die Zahl der Unfälle steigern wird, kurze Formel: „Mehr Räder, mehr Stürze.“

One comment

  1. Liebe Redaktion,

    mich würde mal interessieren welche Absicht hinter solchen sachlich unsoliden und emotional geführten Berichten steckt. Natürlich wird mit einem Pedelec mehr gefahren und die Länge der gefahrenen Strecken nimmt zu. Zudem steigen wieder mehr Leute aufs Fahrrad, aus welchen Gründen auch immer, die bisher dafür das Auto benutzten. Das wirkt sich natürlich auch auf die Unfallzahlen aus. Die ältere Generation deswegen als „rasende Rentner“ zu bezeichnen ist eine Unverschämtheit. Die Lüneburger Polizei sollte sich mal Gedanken machen, ob nicht Fahrtrainings oder entsprechende Aufklärungsveranstaltungen eine sinnvollere Beschäftigung wären, anstatt solchen Unsinn zu verbreiten.

    Vinzenz Gantenhammer