Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Täglich kümmern sich Sandra und Cord Lüneburg darum, dass es den Pferden in ihrem Offenstall an nichts fehlt. Selbstverständlich für die Deutsch Everner, dass sie die Pferde auch in der Silvesternacht nicht alleine lassen. Foto: t&w
Täglich kümmern sich Sandra und Cord Lüneburg darum, dass es den Pferden in ihrem Offenstall an nichts fehlt. Selbstverständlich für die Deutsch Everner, dass sie die Pferde auch in der Silvesternacht nicht alleine lassen. Foto: t&w

Silvester im Pferdestall

off Deutsch Evern. Wenn heute Nacht am Himmel über Deutsch Evern die Feuerwerke explodieren, stehen Cord und Sandra Lüneburg im Pferdestall. Das Ehepaar aus Deutsch Evern gehört zu den Menschen, die in der Silvesternacht keine wilden Partys feiern, keine Böller oder Heuler zünden. Lüneburgs kümmern sich Punkt zwölf um ihre Tiere, für die die Silvesterknallerei schnell zum Albtraum werden kann. „Eine Panik hat es bisher zum Glück noch nicht gegeben“, sagt der Deutsch Everner. Allein will er die Pferde zum Jahreswechsel trotzdem nicht lassen.

Unter Aufsicht stehen heute Nacht auch die Pferde im Stall des Reit- und Fahrvereins Lüneburg an der Roten Schleuse. „Wir feiern Silvester in der Reiterbar“, sagt der erste Vorsitzende Frank Karp, „und dazu gehört auch, dass wir in den Ställen regelmäßig nach dem Rechten schauen.“ Die Knallerei ist bei der Reiterparty verboten, „und zum Glück hält es sich mit dem Lärm hier in der Gegend in Grenzen“. Trotzdem steht auch für Karp fest: In der Silvesternacht werden die Ställe nicht unbeaufsichtigt gelassen. Denn Angst macht der Lärm fast allen Pferden.

Zum Alptraum wird die Knallerei zum Jahreswechsel aber nicht nur für Pferde, auch viele Hunde, Katzen, Kaninchen sowie andere Haus- und Nutztiere leiden unter dem ungewohnten Krach. Für die Leiterin des Lüneburger Tierheims, Selina Martens, Grund genug, mit ihren beiden Hunden und den Katzen an Silvester zu Hause zu bleiben. Vor allem Rachel, ihren irischen Wolfshund, stresst die Knallerei, „sind die Katzen draußen, habe ich Angst, dass jemand Böller hinter ihnen herschmeißt“. Seit Jahren müssen sich Selina Martens und ihr Mann Uwe deshalb um ein Silvesterprogramm keine Gedanken zu machen. „Wir bleiben zu Hause“. Und warten mit Hund und Katz, bis der Krach wieder vorbei ist.

Tipps, wie Hund und Katze mit ihrem feinen Gehör oder das Fluchttier Pferd die Silvesternacht stressfrei übersteht, gibt es viele. „Gewöhnen Sie Ihre Pferde an Knallgeräusche“, rät zum Beispiel die Ellringer Pferdeexpertin Babette Teschen den Lesern ihrer Internetseite. Entscheidend dabei: Das Training muss rechtzeitig — und nicht erst eine Woche vor Silvester — starten. Als Böllerersatz kann dabei ein Luftballon dienen, im Handel gibt es außerdem Gewöhnungs-CDs für Hunde mit Silvestergeräuschen, die auch im Stall zum Einsatz kommen könnten. Auch Futter kann nervöse Pferde beruhigen, genau wie Bachblüten, in Extremfällen werden sogar Tierärzte zu Hilfe gezogen. Einen Versuch wert sei es auch, Nachbarn um Rücksicht zu bitten — und so mit Glück die Stressursache als solche zu reduzieren.

Sandra und Cord Lüneburg setzen in ihrem Offenstall in der Silvesternacht seit Jahren auf dasselbe Prinzip. Ausreichend Heu für die Pferde, dieselben Rituale wie jeden Tag, die eigene innere Ruhe — und Zuversicht. „Da wir den Truppenübungsplatz in der Nähe haben, sind den Pferde Knallgeräusche zum Glück nicht ganz unbekannt“, sagt der Deutsch Everner. Verlassen will er sich auf die guten Erfahrungen der vergangenen Jahre trotzdem nicht. Und hofft wie viele Tierbesitzer, dass die Freunde der Silvesterknallerei Rücksicht nehmen — und ihre Böller nicht in der Nähe von Tieren zünden.