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Der Wandputz ist abgebröckelt, der neue Teppichboden noch nicht verlegt: Seit dem Hochwasser hat Nicola Van Den Handel schon viel geschafft, doch noch immer gleicht ihr Hotel einer Baustelle. Foto: t&w
Der Wandputz ist abgebröckelt, der neue Teppichboden noch nicht verlegt: Seit dem Hochwasser hat Nicola Van Den Handel schon viel geschafft, doch noch immer gleicht ihr Hotel einer Baustelle. Foto: t&w

Das lange Aufräumen nach der Flut

off Bleckede/Hohnstorf. Für Nicola Van Den Handel war es das erste Jahrhunderthochwasser an der Elbe, für Eckhard Panz das fünfte in den letzten elf Jahren. Tagelang bangten die Hotelbetreiberin und der Fischer im Juni um Hab und Gut, hofften, dass die heranrollenden Wassermassen ihre Häuser verschonen. Vergeblich. Die Flut 2013 traf die Bleckederin genau wie den Hohnstorfer, Erfahrung nützte so wenig wie umfassende Vorbereitung. Die Elbe setzte Landhotel, Fischerei und zum ersten Mal auch Panz‘ Elternhaus unter Wasser. Mit den Folgen kämpfen die Betroffenen bis heute. Ein Ortstermin zum Jahreswechsel. Hinter der Eingangstür riecht es nach Farbe. Aus dem Frühstücksraum schallt Radiomusik durch das Erdgeschoss, Staub bedeckt den Boden, irgendwo im Haus surrt eine Maschine, hinter abgeschlagenem Putz leuchten rote Backsteine. Es dauert nur wenige Sekunden, um zu erkennen: Auch sechseinhalb Monate nach der Flut ist das Elbhotel noch immer eine Baustelle. Geöffnet hat Nicola Van Den Handel trotzdem. Die 47-Jährige kämpft um jeden Gast, versucht mit allen Mitteln, ihr Hotel durch die Krise zu bringen. Ob es gelingen wird, weiß sie nicht. „Ich hoffe es“, sagt sie. Und steht dafür noch immer fast täglich auf einer Dauerbaustelle.

In der Küche des Fischers lodert Feuer im Ofen, der Duft nach Mittagessen liegt in der Luft, und das Licht der Deckenlampe schimmert auf den frisch verlegten Fliesen. Es ist gemütlich in dem Haus an der Elbe, sauber, warm, nichts erinnert mehr daran, dass im Erdgeschoss tagelang das Flusswasser stand. Siebeneinhalb Wochen liefen die Bautrockner, drei Wochen arbeitete Eckhard Panz fast rund um die Uhr, „80 Tage nach der Flut konnten meine Eltern aus der Ferienwohnung wieder zurück nach Hause“. Mithilfe von Familie und Freunden hat es der Fischer geschafft, die Hochwasserschäden in seinem Elternhaus innerhalb weniger Wochen zu beseitigen. Erledigt ist die Flut 2013 für den Hohnstorfer trotzdem noch nicht.

Wie alle Hochwasseropfer am Hohnstorfer Fischerzug und an der Bleckeder Elbstraße machen auch Eckhard Panz und Nicola Van Den Handel vor allem die finanziellen Folgen der Flut zu schaffen. Versuchen sie irgendwie, die Kosten für die Haussanierung, den Betriebsausfall und sonstige Schäden aufzufangen. Zwar gibt es staatliche Unterstützung, viele großzügige Spenden, „auf einem Teil der Kosten bleibt man trotzdem sitzen“, sagt Panz. Wie viel Geld es für die Sanierung seines Elternhauses gibt, wird derzeit ermittelt, die Schäden in der Fischerei wird Panz voraussichtlich allein bezahlen. Mehrere Tausend Euro, die mit der Fischerei nur schwer wieder reinzuholen sind. Trotzdem will der Fischer nicht jammern. „Wir alle wissen, dass es viel schlimmer hätte kommen können“, sagt Panz. Also plant er lieber Schutzmaßnahmen für die nächste Flut anstatt sich selbst zu bedauern. Eine Mauer soll das Elternhaus vor einer weiteren Überflutung schützen. Ob es gelingen wird, kann auch Elbfischer Panz nur hoffen.

Nicola Van Den Handel plant unterdessen die nächsten Sanierungsschritte, der ehemals dunkelbraune Holztresen muss ein zweites Mal weiß gestrichen, der neue Fußboden verlegt, eine neue Wandverkleidung angebracht, die Küche wieder aufgebaut, die Eingangstür neu gestrichen werden. „Und das sind nur einige Punkte auf meiner Liste.“ Spätestens im Frühjahr, hofft Van Den Handel, strahlt das gesamte Erdgeschoss im Haupthaus des Hotels in neuem Glanz. Und sie fängt da an, wo sie Mitte 2012 nach der Eröffnung schon einmal angefangen hat: In einem frisch renovierten Bleckeder Elbhotel.

Dieses Mal allerdings ist Nicola Van Den Handel schlauer — oder besser: um ihre erste Hochwasser-Erfahrung reicher. „Jetzt versuchen wir alles so zu erneuern, dass man es bei der nächsten Flut abnehmen, irgendwie schützen oder hochstellen kann.“ Dabei weiß sie auch: Läuft das Wasser ein weiteres Mal ins Haus, wird sie große Teile des Erdgeschosses wieder sanieren müssen. „Allzu viel denke ich über das nächste Hochwasser allerdings nicht nach“, sagt sie. „Erstmal muss das hier fertig werden.“ Quadratmeter für Quadratmeter. Zimmer für Zimmer.

Auf 78.000 Euro haben die Gutachter den Schaden im Elbhotel geschätzt, „50 Prozent davon habe ich bereits erstattet, 1700 Euro an Spenden bekommen“, sagt Van Den Handel. Wie sie den Rest aufbringen, den Umsatzausfall verkraften soll? Sie zuckt mit den Schultern. „Irgendwie eben.“ Ihre einzige feste Vollzeitmitarbeiterin hat sie bereits entlassen, „auch wenn sie mir während der Flut eine riesen Hilfe gewesen ist, ging es einfach nicht anders“, sagt sie. Mit allen Mitteln will Nicola Van Den Handel ihr Hotel retten. Auch wenn sie nicht weiß, ob sie nach einer weiteren Rekordflut noch einmal von vorne anfangen würde, wohlwissend: Das nächste Hochwasser kommt.