Dienstag , 27. September 2016
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Sie packen in diesen Tagen Kartons mit Hunderten von Akten, die dann an die Zollverwaltung übergeben werden (v. l.): Gabriele Himstedt, Marlies Lange und Dieter Twesten. Foto. be
Sie packen in diesen Tagen Kartons mit Hunderten von Akten, die dann an die Zollverwaltung übergeben werden (v. l.): Gabriele Himstedt, Marlies Lange und Dieter Twesten. Foto. be

Jetzt kassiert der Zoll das Geld

pet Lüneburg. Nicht mehr das Finanzamt sondern die Zollverwaltung wird ab diesem Jahr die Kraftfahrzeugsteuer von den Konten der Fahrzeugbesitzer abbuchen. Die Vorarbeiten dafür laufen, auch beim Finanzamt Lüneburg, seit Wochen auf Hochtouren. 58 Millionen Kraftfahrzeuge bundesweit, neun Millionen in Niedersachsen, etwa 95 000 Pkw, Lkw, Busse, Zweiräder und landwirtschaftliche Fahrzeuge in Stadt und Landkreis Lüneburg sind betroffen.

Die Umstellung geht zurück auf das Jahr 2009, erklärt Bernd von Karchowski, beim Finanzamt Lüneburg Sachgebietsleiter unter anderem für den Bereich Kraftfahrzeugsteuer. Mit Wirkung vom 1. Juli 2009 sei damals die „Ertrags- und Verwaltungshoheit“ für die Kraftfahrzeugsteuer von den Ländern auf den Bund übertragen worden. Zurzeit noch ziehen die Steuerbehörden die Kfz-Steuer ein, leiten sie dann weiter an den Bund, dem sie nach Gesetz zusteht.

Angesichts der gewaltigen Datenmengen, die übertragen werden müssen, erfolgt die Umstellung schrittweise – als erste Bundesländer sind Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen an der Reihe, wo der 14. Februar Stichtag ist. Bis Ende Mai soll die Umstellung dann in allen Bundesländern abgeschlossen sein.

Auch künftig sind Fahrzeuge bei den zuständigen Kraftfahrzeugzulassungstellen anzumelden – die leiten die angegebenen Daten aber ab Februar nicht mehr an die Finanzämter weiter, sondern an die Zollverwaltung. Zuständig sind die Hauptzollämter, für Lüneburg ist es das Hauptzollamt Hannover, für die Region Lüneburg wird das Zollamt Lüneburg am Meisterweg einige Aufgaben übernehmen.

Auch die Daten bereits zugelassener Kraftfahrzeuge werden elektronisch überspielt, auch ungefähr 150 laufende Meter Papierakten wandern dann vom Finanzamt am Alten Eisenwerk zum Zollamt mit dem Sitz am Meisterweg, erklärt Bernd von Karchowski. Weitergegeben werden die Akten für die Jahre 2010 bis 2013. Der Sachgebietsleiter: „Wir wollen den Kollegen die Daten so übergeben, dass sie vernünftig damit arbeiten können.“

Zu denen, die die im Finanzamt vorhandenen Daten überarbeiten und auf den neuesten Stand bringen, gehören Marlies Lange und Dieter Twesten vom Finanzamt, unterstützt werden sie von Zollmitarbeiterin Gabriele Himstedt, die sich als Hospitantin in die Materie einarbeitet. Sie bearbeiten Anträge auf Steuervergünstigung wegen Schwerbehinderung, für landwirtschaftlich genutzte Maschinen oder bringen überholte Adresssätze auf den neuesten Stand.

Fünf bis sechs Mitarbeiter, so Bernd von Karchowski, seien beim Finanzamt mit der Kraftfahrzeugsteuer beschäftigt, sie werden künftig in anderen Bereichen eingesetzt. Die Zollverwaltung sucht bundesweit seit Monaten Mitarbeiter für die Bearbeitung der Kraftfahrzeugsteuer – dabei setzt sie vor allem auch auf bisherige zivile Bundeswehrmitarbeiter, die im Zuge der Bundeswehrreform ohne Verwendung sind.

Bis zum 14. Februar steht – neben den örtlichen Zulassungsstellen – wie gewohnt das Finanzamt Lüneburg als Ansprechpartner in Sachen Kraftfahrzeugsteuer zur Verfügung. Aufgrund des großen Arbeitsanfalls bei der Umstellung ist die Kraftfahrzeugsteuerstelle in Lüneburg aber ab sofort – auch telefonisch – nur noch montags bis freitags vormittags für den Besucherverkehr erreichbar. Die Sprechzeit am Donnerstagnachmittag entfällt. In welcher Form der Service vor Ort auch künftig am Meisterweg bei der Zollverwaltung geboten werden kann, sei noch offen, so von Karchowski.

Die Zollververwaltung informiert auch im Internet unter der Adresse www.zoll.de über den künftigen Umgang mit der Kraftfahrzeugsteuer.