Donnerstag , 29. September 2016
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Die Entsorgung der Wertstoffe über gelbe Säcke wird in einer Expertise gerügt, die kommunale und private Entsorger in Auftrag gegeben haben: Die vielfach damit verbundene Vermüllung der Straßen ist ein weit verbreitetes Ärgernis, heißt es unter anderem in dem Gutachten. Foto: A/t&w
Die Entsorgung der Wertstoffe über gelbe Säcke wird in einer Expertise gerügt, die kommunale und private Entsorger in Auftrag gegeben haben: Die vielfach damit verbundene Vermüllung der Straßen ist ein weit verbreitetes Ärgernis, heißt es unter anderem in dem Gutachten. Foto: A/t&w

Teuer und ökologisch ineffizient

kre Bardowick. Es gibt nicht viel Gutes, was Hubert Ringe über die Dualen Systeme zu berichten weiß: „Zu teuer sei die derzeitige Regelung, zu bürokratisch, wettbewerbsfeindlich, intransparent und vor allem – ökologisch ineffizient“, kritisiert der Vorstand der GfA Lüneburg, die als kommunales Entsorgungsunternehmen für die Abfallentsorgung in Stadt und Landkreis Lüneburg zuständig ist. Starke Worte. Doch Ringe steht mit seiner Kritik nicht allein: Eine Studie – in Auftrag gegeben von kommunalen und privaten Entsorgern – rät dazu, dass Wertstoffe künftig in kommunaler Verantwortung gesammelt, sortiert und verwertet werden – finanziert über Abfallgebühren.

Die GfA selbst gehört zwar nicht zu den Auftraggebern dieser Studie, doch die Argumentation kann Hubert Ringe gut nachvollziehen. „Das bestehende System der Verpackungsentsorgung hat sich nicht bewährt“, stellt Ringe fest, im Gegenteil: „Der Verbrauch an Kunststoffverpackungen hat in den vergangenen zehn Jahren sogar wieder deutlich zugenommen.“

Zwar gebe es die Verpackungsverordnung, doch die sei wirkungslos: Denn statt die Hersteller zur Rücknahme und Verwertung ihrer Produkte zu verpflichten, müssen diese sich lediglich finanziell an einem Rücknahmesystem beteiligen. „Die Kosten dafür trägt der Verbraucher“, ärgert sich Ringe. Ob beim Kauf von Joghurtbechern, Milchtüten Kosmetik-Produkten – der Käufer zahlt die Verpackungsentsorgung gleich mit. Ob er will oder nicht.

„Hier wird das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt“, gibt GfA-Vorstand Ringe den Autoren der Expertise Recht, die in ihrem Gutachten feststellen: „Die Finanzierung der Entsorgungskosten über den Kaufpreis ist im Hinblick auf die abfallwirtschaftlichen Ziele der Vermeidung und Wiederverwertung kontraproduktiv und führt zu einer Fehlsteuerung.“

Doch wie geht es besser? Wie können Ressourcen geschont, das Recycling optimiert, die Müllmengen reduziert und dieKosten begrenzt werden? Geht es nach den Experten, gibt es da nur einen Weg – nämlich die Abschaffung des aus ihrer Sicht intransparenten und viel zu bürokratischen dualen Systems. Das geht freilich nur, wenn die Kommunen künftig für das Sammeln der Wertstoffe verantwortlich sind. „Die zusäzliche Gebührenbelastung würde etwa zehn Euro pro Einwohner und Jahr betragen“, zitiert Ringe aus der Studie und fügt hinzu: „Diesen zusätzlichen Gebührenbelastungen stehen aber Einsparungen auf Seiten der in den Produktpreisen enthaltenen Verpackungskosten und dem Wegfall der zu finanzierenden Transaktionskosten des dualen Systems gegenüber.“ Der GfA-Vorstand ist sicher: „Das rechnet sich für die Bürger.“ Nicht zuletzt auch deshalb, weil diese Kostenschiene deutlich höhere Anreize für eine Abfallvermeidung und Wiederverwertung setze, als das jetzige System.

Ob die große Koalition die in der Expertise gemachten Vorschläge aufgreift und bei der Wertstoffentsorgung künftig auf „Duale Systeme“ zugunsten kommunaler und privater Entsorger verzichtet, ist allerdings noch ungewiss. „Die Expertise der Entsorgerverbände liegt in Berlin vor“, weiß Ringe, „jetzt muss die Politik entscheiden.“