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Täter vergewaltigt 15-Jährige

rast Lüneburg. Der 23-Jährige sitzt mit gesenktem Kopf am Angeklagtentisch, hat die Augen meist geschlossen, wenn er stockend und kurz auf die Richterfragen antwortet, oft nickt der junge Mann aus Bodenteich nur. Als es dann um Fragen zur Vergewaltigung geht, hält er die Hände vors Gesicht, bestätigt aber den Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Er hatte Sex mit einer 15-Jährigen – dass sie es nicht wollte, habe sie zum Ausdruck gebracht.

Der 23-Jährige muss sich seit gestern vor der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg verantworten. Hatte er seit der Tat am 1. August 2013 – seitdem sitzt er in Untersuchungshaft – bei der Polizei zu den Vorwürfen geschwiegen, so packte er nun in Saal 121 des Gerichts aus, wenngleich seine Darstellung des Geschehens deutlich harmloser ausfällt als die des Anklägers.

Der Staatsanwalt geht davon aus, dass der Angeklagte eine „schutzlose Lage des Opfers ausgenutzt, es erniedrigt und den Beischlaf vollzogen hat“. Seine Darstellung: Am Abend vor der Tat kam es zu einem Treffen junger Leute am Kreidebergsee, das sich bis in die frühen Morgenstunden zog. Der junge Mann lockte das Mädchen aus der Gruppe weg zum Ufer, wo sich beide bis auf die Unterwäsche auszogen: „Trotz ihrer Bedenken ist sie mit schwimmen gegangen.“ Im Wasser hat er dem Mädchen hart an die Brust gefasst, als es flüchten wollte, verfolgte er es kreuz und quer durch den See bis ans andere Ufer. Noch im Wasser zog er der 15-Jährigen den BH aus, zog sie ans Ufer und legte sich auf „das sich windende und weinende Opfer“. Mehrfach machte das Mädchen klar, dass es „das nicht wolle“. Die 15-Jährige konnte kurz ihre Hände befreien, versetzte dem Täter Kratzer am Rücken. Erst als sie äußerte, sie höre jemanden rufen, ließ der Mann von ihr ab. Sie konnte schwimmend flüchten.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein, schilderte sie allerdings weniger drastisch: Ein guter Freund hatte Geburtstag, wollte am Kreidebergsee feiern. So fuhr er, der Angeklagte, mit dem Auto nach Lüneburg. In einem Supermarkt wurden drei Flaschen Whisky und einige Flaschen Bier gekauft. Mit einer Handvoll Leute wurde am See gefeiert, viel getrunken. Später kamen drei Mädchen mit einer Bacardi-Flasche hinzu, darunter die 15-Jährige: „Die kannte ich aber nur vom Hörensagen.“ Auf die Frage, wie alt er sie geschätzt habe, antwortete er gestern: „Auf 17 bis 19 Jahre.“ Der Angeklagte weiter: Das Mädchen saß neben ihm. Als er den Vorschlag machte, schwimmen zu gehen, lehnten sie und sein Freund das ab. Als er dann ins Wasser ging, kam das Mädchen nach. In der Nacht war es ziemlich dunkel, erst fasste er sie versehentlich an, dann packte er sie im Wasser an den Brüsten: „Sie sagte ,Nein.'“ Am anderen Ufer kamen sie aus dem Wasser raus, setzten sich hin und plauderten etwa fünf Minuten lang: „Ich habe sie geküsst – ich hatte das Gefühl, sie erwidert das.“ Den Rest des Anklagevorwurfs räumte er mit leiser Stimme ein.

Nach der Anklageverlesung hatte es ein Gespräch zwischen Jugendkammer, Staatsanwalt und den beiden Verteidigerinnen über ein mögliches Strafmaß gegeben. Danach und nach einer ersten Beratung machte die Kammer dem 23-Jährigen folgenden Vorschlag: Im Falle eines glaubhaften Geständnisses, durch das auch auf eine gerichtliche Vernehmung des jungen Opfers verzichtet werden kann, und die Zahlung eines Schmerzensgeldes an das Mädchen, das sich im Bereich um die 5000 Euro bewegen sollte, kann der Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe zwischen zwei Jahren und neun Monaten und drei Jahren und drei Monaten rechnen. Daraufhin brach der Mann sein Schweigen, packte aus.

Der Prozess wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.