Aktuell
Home | Lokales | Das Coming-out macht vieles leichter
Svenja Schuhmann und Jan Meier sind bei der Polizei Ansprechpartner für Homosexuelle. Foto: ca
Svenja Schuhmann und Jan Meier sind bei der Polizei Ansprechpartner für Homosexuelle. Foto: ca

Das Coming-out macht vieles leichter

ca Lüneburg. Es wurde besser, als Jan Meier seinen Kollegen sagte, dass er schwul sei. Vorher musste der Polizist Spott einstecken, als er sich mal eine blonde Strähne ins dunkle Haar färbte. Auch seine Kollegin Svenja Schuhmann erlebte ihr Coming-out als Befreiung: „Vorher habe ich immer von meiner besseren Hälfte gesprochen und das Geschlecht weggelassen.“ Das führte zu Unsicherheiten. Eine Kollegin fühlte sich gar „angebaggert, aber das war gar nicht so. Nachdem ich sie zur Rede gestellt hatte, war es vorbei.“ Seit 2007 beziehungsweise 2008 sind die beiden Beamten innerhalb der acht Landkreise der Polizeidirektion Lüneburg „Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen“.

Taffe Männlichkeitsbilder gibt es bei Polizei, Bundeswehr und Feuerwehr – „Homos“ passen da nicht unbedingt dazu. Deshalb geht Meier davon aus, dass sich, wie in anderen Berufsfeldern auch, nur ein Drittel der Betroffenen zur Homosexualität bekennt. Doch in den vergangenen Jahren habe sich das Klima innerhalb der Polizei gewandelt, Fälle von offenem Mobbing seien selten.

Die beiden Polizisten, die hauptsächlich im Streifendienst in Winsen und Buxtehude eingesetzt sind, sind aber nicht nur als Ansprechpartner für Betroffene da. Sie unterstützen auf Wunsch ihrer Kollegen zudem Ermittlungen, bei denen Homosexualität eine Rolle spielen kann. Svenja Schuhmann nennt ein Beispiel: „Es war kein unbekannter Einbrecher, der bei einer Frau eine Tür eingetreten und in der Wohnung einen Glastisch zerstört hat – es war die Lebenspartnerin. Vergewaltigungen und Gewaltdelikte gibt es auch unter Frauen.“ Oft sei ihr über die Sprache und das Verhalten von Frauen eher klar als anderen Kollegen, wo der Hintergrund einer Auseinandersetzung liegen könnte.

Die Beamten sind zudem für Schwule und Lesben da, die auf dem Dorf ein Problem haben, zur „normalen“ Polizei zu gehen, um eine Anzeige zu erstatten. „Da soll nicht jeder wissen, dass man homosexuell ist“, sagt Meier und erzählt eine Episode aus dem Wendland. Dort fühlte sich ein Mann vom Ex-Freund verfolgt, der riefe ihn ständig an, würde vor dem Fitness-Studio auf ihn warten. Meier ging dem Verdacht des Stalkings nach.

Obwohl die beiden Ansprechpartner ihren Job seit Jahren machen, sind sie nicht allen ihrer 2400 Kollegen in der Polizeidirektion bekannt, auch außerhalb der Behörde wissen nur wenige von dem Duo. Es gibt nicht einmal einen Internetauftritt. Sie hoffen, dass sich das ändert.

Um ihre Arbeit publik zu machen, arbeiten sie in Lüneburg mit der Infoline zusammen, einem Beratungsangebot, an das sich Homo- und Bisexuelle wenden. Wer mit den Kommissaren sprechen möchte, erreicht Jan Meier bei der Polizei in Winsen unter Tel.: 0 41 71/79 60 und Svenja Schuhmann auf dem Handy Tel.: 01 60/96 95 16 71. eMail: Ansprechpartner@pd-lg.polizei.niedersachsen.de und  Svenja.schuhmann@polizei.niedersachsen.de