Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Frühindikator Autobahn 14

ml Lüneburg. Von Anfang an war die Planung der Autobahn 14 Magdeburg-Schwerin eng verknüpft mit der der A39 Lüneburg-Wolfsburg. Nur waren Planer und Autobahnbauer in Sachsen-Anhalt den Niedersachsen immer eine Nasenlänge voraus. Und so entwickelte sich das Milliardenprojekt im Osten zu einem Frühindikator für das im Westen. Auch jetzt wieder. Am Mittwoch hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Weiterbau vorerst gestoppt, der Klage eines Naturschutzverbandes recht gegeben. So weit ist es bei der A39 zwar noch nicht, gespannt sind Befürworter und Gegner dennoch.

Erst Ende November hatten sich beide Seiten beim Erörterungstermin in der Lüneburger Ritterakademie gegenüber gesessen und drei Tage lang über Lärm-, Natur- und Umweltschutz gestritten. Grundlage waren mehr als 1600 Einwendungen für den 7,7 Kilometer langen ersten Bauabschnitt bei Lüneburg. Der Termin war nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Planfeststellungsbeschluss, der ersten und einzigen Möglichkeit, gegen das Vorhaben zu klagen.

Ursprünglich hatten die Planer den Beschluss für Ende 2013 anvisiert. Inzwischen gibt die Zentrale der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr keine Prognosen mehr ab. Zum Vergleich: Das jetzt beklagte 10,8 Kilometer lange Teilstück der A14 zwischen Dolle und Colbitz nördlich von Magdeburg wurde im März 2010 planfestgestellt, im Herbst sollte der Bau beginnen. Wegen der Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht erfolgte der erste Spatenstich jedoch erst Ende November 2011.

Jetzt hat das Gericht den Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt, einer Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) stattgegeben. Freudenfeste feiern dürften die Naturschützer dennoch nicht: Das Gericht räumte den Planern die Möglichkeit ein, die festgestellten Mängel in einem ergänzenden Verfahren zu beheben. Dabei hätte das zuständige Landesverwaltungsamt nach einer vorangegangenen Planänderung für einen rund 1,5 Kilometer langen Teilabschnitt erneut eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen und Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft neu festsetzen müssen.

Auch hat das Bundesverwaltungsgericht den einen Hauptpunkt der Klage abgewiesen. Darin bezweifelte der BUND die Verträglichkeit des Autobahnbaus mit den Zielen des Vogelschutzgebietes „Colbitz-Letzlinger Heide“. Im Fall der A39 setzen die Gegner auf das Vogelschutzgebiet „Ostheide“ bei Bad Bodenteîch. Nach dem derzeitigen Stand der Planung durchschneidet die A39 das Schutzgebiet, erste Ausgleichsmaßnahmen sind jedoch schon angelaufen.

Schon seit Mitte der 90er-Jahre sind die Pläne für die Verlängerung der A39 und der A14 parallel vorangetrieben und als ein Projekt betrachtet worden. Während Niedersachsen die sogenannte X-Variante mit der A14 Lüneburg-Magdeburg und der A39 Wolfsburg-Schwerin bevorzugte, setzte sich Sachsen-Anhalt mit der jetzt verfolgten Hosenträger-Planung durch: A14 und A39 verlaufen parallel und werden durch eine Bundstraße miteinander verbunden.

Und auch sonst hatte der Osten die Nase vorn: 2005, und damit sieben Jahre vor der A39, bestimmte das Bundesverkehrsministerium die A-14-Trasse, schloss 2007 einen Vertrag zum Bau der Strecke mit den beteiligten Bundesländern.

Schon früh stand fest, dass die ursprünglich veranschlagten Baukosten von rund 775 Millionen Euro für die 155 Kilometer lange Strecke nicht reichen. Heute ist der Bau mit 1,3 Millionen Euro veranschlagt. Die Parallelen zur A39 sind kaum zu übersehen: Mit der Linienbestimmung korrigierte das Verkehrsministerium in Hannover im April 2012 die geschätzten Kosten für das 105 Kilometer lange Autobahnstück nach oben von 617 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro, im letzten Satz einer Pressemitteilung. Gegner hatten schon Jahre zuvor auf die explodierenden Kosten im Osten verwiesen. So gesehen wurde der Frühindikator A14 bisher eher von den Gegnern als den Planern genutzt. Das mag sich ändern. Einen Vertrag zum Bau der A39 gibt es bis heute nicht.

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