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Überraschung am letzten Arbeitstag: Bärbel Bliesch vom Aktivmarkt in Neu Darchau überreicht Henry Kruse ein Präsent. Fast jeden Tag setzen Blische und viele ihrer Kolleginnen mit der Fähre Tanja über, auf der Kruse seinen Dienst versehen hat. Auch Betriebsleiter Erwin Kruse bedauert, dass Urgestein Henry Kruse in den Ruhestand geht. Foto: ki
Überraschung am letzten Arbeitstag: Bärbel Bliesch vom Aktivmarkt in Neu Darchau überreicht Henry Kruse ein Präsent. Fast jeden Tag setzen Blische und viele ihrer Kolleginnen mit der Fähre Tanja über, auf der Kruse seinen Dienst versehen hat. Auch Betriebsleiter Erwin Kruse bedauert, dass Urgestein Henry Kruse in den Ruhestand geht. Foto: ki

Urgestein geht von Bord

ki Neu Darchau. Er war ein Mann der ersten Stunde. Seit die Fähre Tanja am 12. April 1990 ihren Betrieb aufnahm, ist Henry Kruse ununterbrochen dabei. Er ist ein Urgestein im Fährbetrieb Neu Darchau-Darchau. Am Dienstag endete um 21 Uhr seine letzte Schicht. Der 63-Jährige geht in den Ruhestand und freut sich darauf, erst einmal morgens ausschlafen zu können. Durch den Schichtdienst fünf Tage früh, fünf Tage spät und fünf Tage frei war der Lebensrhythmus doch etwas durcheinander geraten. Nur zehn Wochenenden konnte die Familie jährlich verplanen.
Henry Kruse erinnert sich lebhaft an seine Einstellung. Sein Arbeitsvertrag wurde auf zehn Jahre geschlossen. Die Fähre sei nur eine Notlösung, dann komme die Brücke, hatte ihm Neu Darchaus damaliger Bürgermeister Gerd Habenicht gesagt. Nun geht er in Rente und die Brückenpläne sind nach 24 Jahren immer noch nicht realisiert. Obwohl Kruse seinen Arbeitsplatz geliebt hat, ist er sicher, dass es ohne die Brücke kein richtiges Zusammenwachsen von hüben und drüben geben wird, denn die letzte Fährtour ist um 21 Uhr. Die Natur sieht er keinesfalls als Hindernis für einen Brückenbau.
Der Betriebsleiter des Neu Darchauer Fährbetriebs, Erwin Kruse, mit Henry Kruse weder verwandt noch verschwägert verabschiedet den Fährmann mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir konnten ihn immer rufen, auch wenn er keine Schicht hatte, Henry kam.“ Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Henry Kruse in Rente geht. Bei seiner letzten Tour gab es eine Überraschung: Bärbel Bliesch aus dem Amt Neuhaus, angestellt beim Hildebrandt Aktivmarkt in Neu Darchau, überreichte Kruse einen Präsentkorb. „Du hast uns Frauen immer so nett übergesetzt, dafür wollen wir dir danken. Henry, bleib schön gesund“.
In den vergangenen Tagen hat Henry Kruse seinen Nachfolger Matthias Baalk eingewiesen, der ebenfalls aus der Gemeinde Amt Neuhaus kommt. Langeweile wird Kruse keinesfalls haben. Im März übernimmt er die Altersabteilung der Freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde mit 70 Leuten. Dann freut er sich darauf, Angeln gehen zu können. Dazu ist er in den vergangenen 20 Jahren kaum gekommen.
Offiziell wird Kruse von den Kollegen noch verabschiedet. „Die Werksleitung hofft auf Eis, dann liegt die Tanja im Hafen“, meinte Erwin Kruse schmunzelnd.