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200 Meter hoch dürfen Windkraftanlagen werden, die künftig im Landkreis gebaut werden. Foto: A/t&w
200 Meter hoch dürfen Windkraftanlagen werden, die künftig im Landkreis gebaut werden. Foto: A/t&w

Acht Flächen für mehr Windkraft

pet Lüneburg. Der Spagat, den der Landkreis Lüneburg zu bewältigen hat, ist besonders akrobatisch. Auf der einen Seite soll der Anteil in der Region gewonnener erneuerbarer Energien gesteigert werden. Auf der anderen Seite soll die Beeinträchtigung der Bewohner möglichst gering gehalten werden. Und ,,gerichtsfest“ soll das Ganze dann auch noch sein, es darf keine ,,Verhinderungsplanung“ vorgenommen werden. Die Planung der ,,2. Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) 2003 Vorranggebiete für Windenergienutzung“ hat jetzt eine weitere Hürde genommen. In seiner Sitzung in der Mensa des Schulzentrums Oedeme votierte der Ausschuss für Erneuerbare Energien und Raumordnung des Kreistags einstimmig für den ,,überarbeiteten Entwurf“ und ermächtigte die Verwaltung, die ,,erneute förmliche Beteiligung“ durchzuführen.
Das Raumordnungsprogramm ,,muss geändert werden, sonst könnte überall gebaut werden“, begründete Ausschussvorsitzender Franz-Josef Kamp (SPD) die Sisyphusarbeit, die Kreismitarbeiter seit vielen Monaten leisten. Zu Beginn des Verfahrens waren 1250 Hektar Potenzialfläche vorgesehen, verteilt auf 14 Areale. Bis Januar 2013 war die Fläche auf 930 Hektar (zwölf Flächen) geschrumpft. Aktuell sind 772 Hektar und acht Flächen vorgesehen 0,6 Prozent der Landkreisfläche. Im Oktober 2013 hatte ein Erörterungstermin stattgefunden, zu dem 1200 Stellungnahmen von Privatpersonen sowie 74 von Trägern öffentlicher Belange eingegangen waren, wie Kreisrätin Monika Scherf berichtete.
Wie sehr das Thema Windenergie die Menschen bewegt, war dann auch in der Ausschusssitzung zu sehen 50 Zuhörer, Mitglieder von Bürgerinitiativen und Anwohner, von Bardowick bis Tellmer, von Wetzen bis Köstorf, waren dabei. Eine Stunde gab Kamp ihnen in der Einwohnerfragestunde Zeit Zeit, in der sie erneut Bedenken vorbringen konnten, von der Angst vor Infraschall und einer Verschandelung der Landschaft, über Sorgen um den Rotmilan und andere Vogelarten bis hin zu Sorgen um eine Gefährdung des Straßenverkehrs.
Die aktuell im RROP enthaltenen Flächen trug Burkhard Kalliefe von der Stabsstelle Regional- und Bauleitplanung vor:
Bardowick (130 Hektar, Fläche Vögelsen wurde wegen eines Rotmilanvorkommens gestrichen).
Etzen/Ehlbeck (121 Hek-tar, um 18 Hek­tar erweitert).
Köstorf (63 Hektar, unverändert).
Melbeck (103 Hektar, um 12 Hektar vergrößert).
Süttorf/Thomasburg (60 Hektar, unverändert).
Tellmer (65 Hektar, unverändert).
Wendhausen/Boltersen (94 Hektar, um 12 Hektar vergrößert).
Wetzen/Südergellersen/Oerzen (136 Hektar, durch Zusammenfassen mehrerer Teilflächen um 65 Hektar vergrößert).
Aus verschiedenen Gründen waren die zuletzt noch vorgesehenen Vorrangflächen Kirchgellersen, Raven, Westergellersen und Boitze gestrichen worden.
Für die SPD begründete Prof. Dr. Hinrich Bonin Zustimmung zum weiteren Vorgehen: ,,Wir wollen ein beliebiges Aufstellen von Windkraftanlagen verhindern, also der Verspargelung der Landschaft entgegenwirken.“ Zustimmung signalisierte für die FDP auch Birte Schellmann trotz einiger Bedenken. Für die CDU kündigte Günter Dubber ein Ja an. Man habe die Planungen bisher über die Fraktionsgrenzen hinweg verfolgt, „das wollen wir fortsetzen“. Allerdings sehe man, dass noch Beratungsbedarf bei den Betroffenen besteht.
Petra Kruse-Runge (Grüne) warnte davor, verschiedene Ziele gegeneinander ,,auszuspielen“, etwa den Schutz des Rotmilans gegen die Bedeutung von Windenergie. Energie aus Atomkraft oder aus der in jüngster Zeit ,,wieder erschreckend hochwachsenden Kohle“ wolle man nicht mehr. ,,Im Prinzip“ war auch Frank Stoll (Linke) für den Beschluss, ,,aber in Sachen Infraschall muss nachgearbeitet werden“.
Franz-Josef Kamp betonte, dass auch das überarbeitete RROP nicht automatisch bedeute, dass an den Standorten auch gebaut werden darf. ,,Wir weisen die Flächen aus. Wenn jemand bauen will, folgt noch ein ausführliches Genehmigungsverfahren.“ Nun soll der überarbeitete Entwurf ab Ende Februar noch einmal sechs Wochen ausgelegt werden Stellungnahmen sollen aber nur zu den Teilen abgegeben werden können, die gegenüber dem Vorentwurf geändert wurden.

Zeitplan
Die geplanten weiteren Schritte im Zuge der ,,2. Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms“:
Bis Mitte Februar 2014: Abschließende Überarbeitung der Begründung und des Umweltberichts.
Ab Ende Februar: Offenlegung und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.
Anfang April bis Mitte Mai: Auswertung und Abwägung der Stellungnahmen.
Mitte Juni: Erneute Erörterung.
Spätsommer: Beratung und Empfehlung des Satzungsbeschlusses im Ausschuss für Erneuerbare Energien.
Herbst 2014: Satzungsbeschluss im Kreistag.