Donnerstag , 29. September 2016
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Welche gesellschaftliche Verantwortung haben Banken? Darüber diskutierten Prof. Dr. Thomas Wein (3.v.l.), Dirk Grah (3.v.r.) und Kathrin Petz (r.) mit Moderatorin Annegret Kühne (2.v.l.). Veranstalter im Glockenhaus waren Ronja Heise (l.) und Fabian Oestreicher (2.v.r.). Foto: be
Welche gesellschaftliche Verantwortung haben Banken? Darüber diskutierten Prof. Dr. Thomas Wein (3.v.l.), Dirk Grah (3.v.r.) und Kathrin Petz (r.) mit Moderatorin Annegret Kühne (2.v.l.). Veranstalter im Glockenhaus waren Ronja Heise (l.) und Fabian Oestreicher (2.v.r.). Foto: be

Der Weg des Geldes

us Lüneburg. „Vorsicht Krötenwanderung!“ prangte plakativ neben dem Podium einer Veranstaltung, die Donnerstag“abend im Lüneburger Glockenhaus stattfand. Doch nicht der Schutz der glibschig-grünen Tiere stand im Fokus der Veranstaltung, vielmehr sollte der Frage nachgegangen werden, welche gesellschaftliche Verantwortung Banken tragen. Eingeladen hatten Studenten der Leuphana Universität Lüneburg anlässlich der „Bankwechsel-Aktionswoche“, die derzeit in Lüneburg durchgeführt wird.

„Den Wenigsten ist bekannt, welchen Weg das Geld geht, das sie ihrer Bank anvertrauen“, sagte Kathrin Petz von „urgewald e.V.“. Seit vielen Jahren nimmt ihre Organisation die Geschäfte von Banken unter die Lupe, doch nur selten stoße sie bei den Geldinstituten auf Offenheit und Transparenz. „Das Geld landet in einer Blackbox“, kritisierte Petz. Viele Sparer und Anleger wüssten daher nicht, dass mit ihrem Geld auch „dreckige Geschäfte“ gemacht würden, indem Firmen und Projekte finanziert werden, die Menschenrechte missachten und die Umwelt zerstören.

„Wir brauchen Banken“, betonte Thomas Wein, Professor für Wirtschaftspolitik an der Leuphana. Ohne ein funktionierendes Finanzsystem seien Investitionen nicht möglich, auch nicht in Projekte, die sich dem Aspekt der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlten. Die Frage aber sei: Nach welchen Kriterien werden Anlage-Entscheidungen getroffen? „Zunächst erwarten Anleger natürlich eine hohe Rendite. Doch mit höhe“rer Rendite wächst auch das Risiko“, machte Wein deutlich. Und: Inwieweit sind Anleger bereit, auf eine höhere Rendite zugunsten von Nachhaltigkeit zu verzichten? Zwar könne man erwarten, dass auch Banken ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, doch letztlich, so Professor Wein, seien die Anleger selbst verantwortlich, „denn sie entscheiden, wem sie ihr Geld geben“.

„Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen Banken dann, wenn Sie sie abfordern“, hob Dirk Grah von der GLS-Bank hervor. Kunden sollten nachfragen, was genau mit ihrem Geld passiere, nur dadurch werde der nötige Druck aufgebaut, um die Banken zu mehr Transparenz zu bewegen. „Kunden müssen aber wissen, dass Renditen in sozial-ökologischen Projekten nicht besonders hoch sind“, sagte Grah. Es sei eine Illusion zu glauben, eine Geldanlage beispielsweise für ein alternatives Wohnprojekt werfe die gleiche Rendite ab wie ein Industrieprojekt.

Seine Bank habe klare Kriterien aufgestellt, in welchen Bereichen sie das Geld ihrer Anleger einsetze. „Wir orientieren uns an den Grundbedürfnissen der Menschen“, sagt der GLS-Banker. Klare Kriterien forderte auch Kathrin Petz ein. Bei fast allen Privatbanken in Deutschland, aber auch bei einigen Sparkassen und Volksbanken fehlten soziale und ökologische Kriterien in ihren Anlage-Richtlinien, die deutlich machten, dass sie Geschäfte mit der Atom-, Kohle- und Rüstungsindustrie ausschließen, so Petz.

Freiwillig würden die Banken ihr Verhalten allerdings nicht ändern, ist Thomas Grah überzeugt: „Erst wenn die Kröten woanders hinwandern, werden sie sich anpassen“. Er forderte zudem, dass auch im Bankensektor ähnlich wie im Medizinbereich vor Einführung neuer Produkte Tests durchgeführt werden, „um Nebenwirkungen auszuschließen.“ Viele Banken würden nach dem Motto „Schau’n wir mal“ verfahren. Hier sei die Politik gefordert.

Dass aber auch der Kunde oder Verbraucher Dinge bewegen und verändern kann, habe die Energiewende gezeigt, machte Kathrin Petz deutlich. „Die Wende kam nicht von RWE und Co“, sagte sie und forderte dazu auf, Banken nicht nur kritische Fragen zu stellen, sondern im Zweifel auch die Bank zu wechseln. „Die Idee des Bankwechsels ist schön und gut“, meinte Professor Wein, der eigentliche Schwur komme aber dann, „wenn Sie entscheiden müssen, ob Sie auch wirklich zu einer Alternativ-Bank wechseln und auf ein paar Zins“punkte verzichten.“