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Derzeit sind 15 Reinigungskräfte beim Landkreis Lüneburg beschäftigt und ihre Zahl soll in den kommenden Monaten steigen. Drei weitere kommen am Schulzentrum Embsen hinzu, sollen die neue Grundschule und die Mensa reinigen. Foto: t&w
Derzeit sind 15 Reinigungskräfte beim Landkreis Lüneburg beschäftigt und ihre Zahl soll in den kommenden Monaten steigen. Drei weitere kommen am Schulzentrum Embsen hinzu, sollen die neue Grundschule und die Mensa reinigen. Foto: t&w

Kreis will noch mehr selbst putzen

ml Lüneburg. Im Dezember 2012 leitete der Lüneburger Kreistag die Kehrtwende ein. Mit dem Haushalt 2013 beschlossen die Abgeordneten, Raumpflegerinnen einzustellen das erste Mal seit Mitte der 1990er-Jahre. Zuvor hatte der Kreis bei einer Überprüfung festgestellt: „Die Reinigung durch Fremdfirmen ist zwar günstiger, aber dort, wo besondere Anforderungen an Qualität und Hygiene gestellt werden, setzen wir besser eigene Reinigungskräfte ein“, sagte damals Kreissprecherin Katrin Holzmann. Noch steht nicht fest, ob die Kehrtwende komplett vollzogen wird, doch auch 2014 hält der Kreis an seinem Kurs fest.

Fest angestellt sind beim Landkreis derzeit 15 Reinigungskräfte. Drei weitere, die sich 1,5 Stellen teilen, sollen in diesem Jahr dazukommen. Eingesetzt werden die neuen Kreismitarbeiterinnen laut Kreissprecherin Frauke Noweck zur Reinigung der neuen Grundschule und der Mensa am Schulzentrum Embsen. Trotz der Neueinstellungen kann der Kreis die Kosten für die Gebäudereinigung konstant halten: 1,236 Millionen Euro waren im Etat 2013 veranschlagt, 1,234 Millionen sind es in diesem Jahr.

Dennoch ist Wolfgang Molitor skeptisch, ob die Rechnung des Kreises am Ende aufgeht. Zwar ist auch der Landkreis Lüneburg bereit, für mehr Qualität mehr zu zahlen unter anderem für eigene Reinigungskräfte , doch erinnert der Geschäftsführer der Landesinnung der Gebäudereiniger Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern an die Gründung des Landesbetriebs Gebäudereinigung Hamburg (LGH). Zwar erfolgte dieser Schritt aus anderen Motiven, doch, so rechnet Molitor vor, kam er der Stadt teuer zu stehen: Reinigten Fremdfirmen 2012 den Quadratmeter für 11 Cent, so kostete der Einsatz der LGH 26 Cent. Gleichzeitig verweist der Innungsgeschäftsführer auf die hohe Fehlzeitenquote von durchschnittlich 21 Prozent zwischen Februar und Oktober 2012. „Nachzulesen in schriftlichen Kleinen Anfragen aus der Hamburger Bürgerschaft“, sagt Molitor und legt nach: „2012 belief sich der Jahresfehlbetrag des LGH auf sieben Millionen Euro.“

Wie es im Landkreis Lüneburg weitergeht, entscheidet sich voraussichtlich zur Jahresmitte. „Zurzeit läuft eine Evaluation der bisherigen Erfahrungen“, sagt Noweck, „das Ergebnis soll den politischen Gremien im 2. Quartal vorgestellt werden.“ Neben der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit werde auch die Nutzerzufriedenheit abgefragt und die Reingungsqualität beurteilt. „Ein Konzept zur Einstellung weiterer Reinigungskräfte soll allerdings erst nach der Evaluation erstellt werden“, so Noweck.

Dass es dem Kreis jedoch Ernst damit ist, seine Gebäude wieder in Eigenregie zu reinigen, belegt eine weitere Entscheidung: Für das Schulzentrum Embsen ist eine Scheuersaugmaschine im Wert von 7500 Euro angeschafft worden. Denn: „Die neuen Kräfte sollen auch die dortige Dreifeld-Sporthalle und die Turnhalle reinigen“, sagt Noweck. Weitere Investitionen werden folgen müssen, wenn der Kreis seinen Weg fortsetzen will.

Für eine Schule mit 6000 Quadratmeter Fläche rechnet Molitor mit rund 30000 Euro. Auch hält er Reinigungsfirmen nicht nur für günstiger, sondern für professioneller und qualitativ besser. Als Gründe nennt er Fachkompetenz, Know-how-Ausbau und Prozessoptimierung, den Einsatz neuester Geräte und Mittel sowie die permanente Schulung der Mitarbeiter. „Natürlich gibt es in unserer Branche auch schwarze Schafe, aber Maßnahmen wie zum Beispiel das Qualitäts-Management-System Hamburg haben dazu beigetragen, vereinbarte Ziele zur Zufriedenheit aller zu erreichen“, sagt der Innungsgeschäftsführer.

One comment

  1. Ich habe durchaus Verständnis für den Kreis und sage auch ganz klar das die Berechnung des Innungsgeschätsführers nicht haltbar sind.
    Die Reinigungskräfte von Gebäudedienstleistern werden zum großen Teil regelrecht geknechtet, 400- 500m2 pro Stunde Reinigungsleistung sind keine Seltenheit. Die Vorgesetzen (Objektleiter) sind oftmals völlig überfordert und das QM wird kaum gelebt, ganz zu schweigen der Arbeitsschutz.