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Die Zwillinge Martha (vorn) und Helen machen sich auf den Weg durch den Parcours, den Walter Plagge für sie aufgebaut hat. Foto: be
Die Zwillinge Martha (vorn) und Helen machen sich auf den Weg durch den Parcours, den Walter Plagge für sie aufgebaut hat. Foto: be

Bewegung rollt durch das Land

pet Lüneburg. Es ist mucksmäuschenstill in der Turnhalle. Voll konzentriert überwinden sechs Kindergartenkinder, drei und vier Jahre alt, immer wieder einen Geschicklichkeitsparcours. Sie robben, krabbeln, klettern, balancieren. Mehr als 50 Erwachsene, Erzieherinnen und junge Menschen, die das werden wollen, sehen gebannt dabei zu. Die Präsentation ,,Grundlagenschulung in Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung Vom äußeren und inneren Gleichgewicht“ war ein Teil der Auftaktveranstaltung des Projekts ,,Bewegter Kindergarten“, das jetzt wieder an der Fachschule Sozialpädagogik der Berufsbildenden Schulen III in Oedeme begonnen hat.

Helga Weber vom Niedersächsischen Kultusministerium stellte das Projekt ,,Bewegter Kindergarten“ in der Mensa des Schulzentrums Oedeme vor, ein Bestandteil davon ist der ,,Rollplan“. Weber: ,,Ich gebe zu, das ist ein sperriger Name. Gemeint ist ein Plan, der durch das ganze Land rollen soll, um junge Kinder mit der Bewegung vertraut zu machen.“ In Niedersachsen findet die Schulung zum 19. Mal statt, in Lüneburg zum zweiten Mal.

Bis zu 15 Kindertagesstätten aus der Region können sich für die Teilnahme bewerben. Ein halbes Jahr lang bekommen Erzieherinnen und Erzieher der Einrichtungen dann eine intensive Schulung mit Themen wie ,,Bewegung beobachten und fördern“, ,,Ich trau mich was Kinder brauchen Risiko“, ,,Low-T-Ball“, ,,Vom Ton zum Tanz“ oder ,,Ringen und Raufen“. Eine eigene Schulung gibt es auch für Schülerinnen und Schüler der Fachschule Sozialpädagogik, die damit später eine entsprechende Fortbildung nachweisen können. Die Koordination an der BBS III haben die Lehrerinnen Hildegund Fathmann-Gerdes und Elke Dohrmann übernommen.

Fester Bestandteil der Schulungen ist seit 2004 die von Walter Plagge entwickelte ,,Grundlagenschulung in Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrung Vom äußeren zum inneren Gleichgewicht“. Gleichgewichtssinn, Koordination, Konzentration und Geschmeidigkeit, so Plagge, werden dadurch gefördert und: ,,Sie schafft die Basis, sich sicherer, selbstbewusster, sozialer und lernfähiger zu verhalten.“

Was es mit Plagges Schulung, die sich auf die Grundlagen renommierter Pädagogen, Ärzte und Wissenschaftler stützt, auf sich hat, zeigen Janne, Daniel, Micha, Helen, Martha und Theodor. Die Kinder sind mit Erzieherin Carmen Logemann vom Kindergarten Die Rübe gekommen erst unmittelbar vor der Präsentation erzählt ihnen Walter Plagge, was sie erwartet. Dann geht es auf dem Rücken kriechend unter Hölzern hindurch, auf denen Holzreifen liegen. Krabbelnd sind vier versetzt stehende Hocker zu überwinden. Im Bärengang geht es über Holzstangen, die auf Klötzen ruhen. Über eine Hühnerleiter geht es auf eine Leiter, dann die Leiter hinauf, auf einem Rutschbrett wieder hinunter.

Während der Durchgänge ist jeweils nur ein Kind an einer Station, kein Kind muss mitmachen, es darf nicht gesprochen werden. Letzeres ermögliche ,,jedem Kind, ganz bei sich zu sein“, so Plagge. Er hat Regeln für das Mitmachen im Parcours aufgestellt und ist überzeugt: ,,Es genügt, wenn ein Kind alle zwei oder drei Wochen diesen Parcours erprobt, weil sich die positiven Wirkungen dieser Arbeit oft sehr rasch im Alltag der Kinder bemerkbar machen.“

Von der Wirkung des Parcours ist Melanie Dobrowolski überzeugt die Leiterin des DRK-Kindergartens in Wriedel, der Plagges Konzept regelmäßig anwendet, sagt: ,,Unsere Kinder sind immer hochmotiviert dabei, und die Wirkung der Übungen ist wirklich nachhaltig.“