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Bei fast jeder zweiten Kontrolle wurden Mängel entdeckt. So lagern Besitzer Waffen und Munition nicht getrennt. Foto: A
Bei fast jeder zweiten Kontrolle wurden Mängel entdeckt. So lagern Besitzer Waffen und Munition nicht getrennt. Foto: A

Beanstandungsquote 45 Prozent

ca Lüneburg. Die Bevölkerung rund um Lüneburg ist gut gerüstet. Während die Waffendichte im Bundesdurchschnitt bei 68 pro 1000 Einwohner liegt, erreicht der Landkreis hier die Zahl 84. Verglichen mit den Menschen in Lüchow-Dannenberg allerdings wirkt das bescheiden: Dort liegt das Verhältnis bei 186 zu 1000 – Spitze in Deutschland. Ermittelt haben das kürzlich Redakteure der „Zeit“. Zu erklären ist es einfach: Im dünnbesiedelten Landstrich zwischen Göhrde und Wendland leben viele Jäger und Schützen. Die können beispielsweise in 44 Schießständen auf Scheiben anlegen.

Die meisten Besitzer gehen sorgsam und verantwortungsvoll mit ihren Waffen um. Doch es gibt tragische Ausnahmen. So hat gerade ein 70-Jähriger bei einem Ehedrama in Marxen bei Hanstedt erst seine Frau und dann sich selbst getötet – die Pistole besaß er laut Polizei legal. Ähnlich war es 2009 beim Amoklauf von Winnenden, wo ein Jugendlicher sich am Waffenschrank des Vaters bedient hatte, 15 Menschen erschoss und sich dann selbst richtete.

Auch aufgrund der Erfahrungen hat die Politik das Waffenrecht in den vergangenen Jahren zwar verschärft, doch dass Vertreter der Behörden zum Hausbesuch kommen, um zu kontrollieren, ob Gewehre, Revolver, Pistolen und Munition getrennt und korrekt verwahrt werden, hat Seltenheitswert.

Rund 15 000 legale Schusswaffen gebe es in der Region, berichtet Landkreis-Sprecherin Elena Bartels: 4200 Kurz- und 10 800 Langwaffen. „Regelmäßig und stichprobenartig“ würden die beiden zuständigen Mitarbeiter überprüfen, ob alles in Ordnung sei. Doch bei 3800 Waffenbesitzern scheint es schon rein numerisch nicht möglich zu sein, sehr oft vor Ort nach dem Rechten zu schauen. Im Ergebnis liest sich das so: Im vergangenen Jahr rückten die Kontrolleure 90 Mal unangekündigt aus, 65 Besitzer trafen sie an und hatten 25 Beanstandungen, das entspricht einer Quote von 45 Prozent. Der Kreis hat 2013 öfter kontrolliert als ein Jahr zuvor, da waren es 60 unangemeldete Besuche. 2009 guckte das Ordnungsamt noch öfter hin: Allein zwischen Oktober und Dezember hatten die Mitarbeiter 44 Waffenbesitzer besucht und in 37 Fällen Mängel konstatiert, Beanstandungsquote etwa 80 Prozent.

Auch in der Region lassen sich Beispiele finden, wo Waffenbesitzer, gelinde gesagt, nicht besonders glücklich agierten. Vor zehn Jahren hatte ein Richter seine Schrotflinte zweimal abgefeuert, weil er sich durch zwei Jugendliche belästigt gefühlt hatte. Der Kreis stellte mehrere Gewehre bei dem Juristen sicher. Manchmal liegen Beamte aber auch daneben. Vergangene Woche hatte die Polizei an der Barckhausenstraße bekanntlich Waffen beschlagnahmt. Nun stellte sich heraus: Attrappen, die der Besitzer wohl zurückbekommt.

2 Kommentare

  1. Karsten Albrecht

    25 Beanstandungen bei 65 Kontrollen sind eindeutig 25 zu viel. Allerdings sind das nicht 45 %, sondern 38,5 %. Mir erschließt sich allerdings nicht, was der Fall des ausgerasteten Jägers/Richters mit der rechtskonformen Aufbewahrung der Waffen und den Kontrollen hierzu zu tun hat. Im Übrigen: Wer legal Waffen besitzt, kann ohne Anlass kontrolliert werden. Wer illegal Waffen besitzt kann nur mit richterlicher Anordnung kontrolliert werden. Straftaten werden nahezu ausschließlich mit illegal besessenen Waffen verübt. Das BKA geht davon aus, dass in Deutschland ca 75 % der Waffen in Privatbesitz illegal erworben und besessen werden!

  2. „Vergangene Woche hatte die Polizei an der Barckhausenstraße bekanntlich Waffen beschlagnahmt. Nun stellte sich heraus: Attrappen, die der Besitzer wohl zurückbekommt.“ Peinlich. Mehr läßt sich dazu nicht sagen.

    Doch allgemein möchte ich mich dem Kommentar von Herrn Albrecht anschliessen. Bei einem Verbrechen ist es letztlich völlig unwichtig, ob eine registrierte oder nicht registrierte Waffe eingesetzt wurde. Das Ergebnis bleibt (leider) dasselbe. Grundsätzlich muß man doch wohl davon ausgehen können, dass Besitzer von angemeldeten Waffen keine Straftaten beabsichtigen. Die Medien neigen aber leider eher dazu, jeden Besitzer einer Waffe zu einem potentiellen Straftäter (um nicht Mörder zu schreiben) abzustempeln. Das ist aber kein seriöser Journalismus, sondern Effekthascherei.
    Wenn Herr Albrecht damit Recht hat, dass 75% aller Waffen in Privatbesitz illegal erworben wurden, gibt es bei diesen 75% auch keine Kontrollmöglichkeit. Jedenfalls nicht geplant und gezielt. Aber wie werden dort Waffen und Munition aufbewahrt? Also bei der Berichterstattung bitte auf dem Teppich bleiben.