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Über mögliche Hilfen für Flüchtlinge informierten sich jetzt Vertreter der Kirchenkreise und des Diakonieverbandes (v.l.): Johannes Link, Günter Zimmermann, Christa Reimers, Superintendentin Christine Schmid, Maja Schütte-Hoof, Superintendent  Christian Cordes, Natalia Bay und Sigrid Ebritsch. Foto: nh
Über mögliche Hilfen für Flüchtlinge informierten sich jetzt Vertreter der Kirchenkreise und des Diakonieverbandes (v.l.): Johannes Link, Günter Zimmermann, Christa Reimers, Superintendentin Christine Schmid, Maja Schütte-Hoof, Superintendent Christian Cordes, Natalia Bay und Sigrid Ebritsch. Foto: nh

Willkommenskultur für Flüchtlinge

lz Lüneburg. Die Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede und der Diakonieverband bereiten sich auf steigende Flüchtlingszahlen vor. „In Stadt und Landkreis Lüneburg werden ca. 600 zusätzliche Flüchtlinge erwartet“, sagte Kirchenkreissozialarbeiter Günter Zimmermann, der im Auftrag des Kirchenkreises auch am Runden Tisch für Flüchtlinge teilnimmt. Wie eine Willkommenskultur mitgestaltet werden kann, welche Erfahrungen Kirchengemeinden und Verbände bereits gemacht haben und wie der Migrationsdienst des Diakonieverbandes helfen kann darüber tauschten sich 50 Kirchenleute bei einer Konferenz aus.

So berichtete Pastor Johannes Link aus Scharnebeck, dass die Kirchengemeinde in gutem Kontakt mit den Flüchtlingen vor Ort stehe. „Pensionierte Lehrer geben Deutschkurse, Gemeindemitglieder haben Fahrräder gespendet, wir erklären die Mülltrennung und das Bussystem. Wir haben direkt gefragt: Was brauchen Sie?“ Praktische Hilfe, eine Struktur im Alltag und Kontakte zur Bevölkerung seien das A und O. Vor allem Afrikaner kommen in der kleinen dörflichen Gemeinde unter. Die Menschen möchten gern Arbeit finden, würden durch die Umstände aber ausgebremst, so der Pastor. „Sie wirken sehr fröhlich, aber wenn man genau hinsieht, ist es natürlich nicht lustig, was sie durchmachen.“

Dass neben der fremden Kultur, dem Getrenntsein von Familie, den Fluchterfahrungen und dem Erlebtem in der Heimat gerade auch die drohende Abschiebung ein hoher Stressfaktor für die Menschen ist, weiß auch Maja Schütte-Hoof. Sie berichtete aus dem Förderkreis Hoffnung, der in der Notunterkunft in Heiligenthal aktiv ist. „Die Ungewissheit und die Angst vor täglicher Abschiebung quält die Flüchtlinge“, sagt sie. Auch Sigrid Ebritsch vom Flüchtlingsrat Niedersachsen weiß: „Durch Abschottung der Grenzen sind Menschen jahrelang auf der Flucht. Auch Asylverfahren dauern wieder länger.“ In den Behörden wurden Stellen abgebaut, nun aber steige die Zahl der Anträge wieder.

Maja Schütte-Hoof sieht täglich die Auswirkungen in der Unterkunft, dort herrsche „drangvolle Enge, die auch zu Konflikten führen kann“. Der Verein hilft den Bewohnern im Alltag, sorgt für Fahrgelegenheiten, hängt auch mal Gardinen auf oder bietet Unterstützung für die Kinder. „Das große Asylproblem können wir nicht lösen, aber im Kleinen sehr viel helfen“, sagt sie.

Flüchtlinge aus zwölf Nationen sind derzeit in der Lüneburger Region untergebracht. Christa Reimers und Natalia Bay vom Migrationsdienst bieten Beratung für Migranten mit gesichertem Status an, aber sie sagen: „Not ist Not, und fremd ist fremd. Da können wir keinen Unterschied machen. Wir bekommen immer mehr Hilfeanfragen. Derzeit gibt es noch keine professionelle Flüchtlingsberatung, außer in den Sammelunterkünften. Das reicht aber bei weitem nicht.“
Sie engagieren sich zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt in dem vom Landkreis Lüneburg geförderten Projekt „KulturmittlerInnen“. Die Mitarbeitenden bilden Brücken zwischen den Kulturen, helfen Kontakte zu knüpfen und bei sprachlichen Barrieren, zum Beispiel bei Arztbesuchen.

Pastoren und Diakonie haben an diesem Vormittag erfahren, wie sie konkrete Begegnungsmöglichkeiten schaffen können und welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt. Superintendentin Christine Schmid und Superintendent Christian Cordes sagten: „Als Kirche sind wir besonders aufgefordert, Flüchtlinge mit einer würdigen und hoffnungsvollen Willkommenskultur aufzunehmen.“