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Ob Ackerflächen oder Weideland, die Pachten auch im Landkreis Lüneburg ziehen kräftig an, zum Leidwesen der Landwirte, die zupachten müssen, und zur Freude der Verpächter. Foto: A/t&w
Ob Ackerflächen oder Weideland, die Pachten auch im Landkreis Lüneburg ziehen kräftig an, zum Leidwesen der Landwirte, die zupachten müssen, und zur Freude der Verpächter. Foto: A/t&w

Kampf um Äcker und Weiden

off Lüneburg. Sie gehört zum größten Kapital der Bauern und ist seit Jahren heiß umkämpft: landwirtschaftliche Fläche. Seit 2010 sind die Pachtpreise in Niedersachsen durchschnittlich um fast 40 Prozent gestiegen, ein Trend, der auch vor dem Kreis Lüneburg nicht halt gemacht hat. Und der jeden Landwirt trifft. Egal ob Milchviehhalter oder Ferkelerzeuger, konventioneller oder Öko-Bauer. Sie alle müssen für Pachtland tiefer in die Tasche greifen. „Wie viel tiefer, hängt von der Region ab“, sagt der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, Thorsten Riggert. „Doch in der Spitze werden auch bei uns 600 Euro und mehr für einen Hektar bezahlt.“

Niedersachsenweit sind die Pachtpreise zwischen 2010 und 2013 laut Statistikamt im Schnitt von 271 auf 376 Euro gestiegen, für Ackerland zahlten die Bauern 2013 durchschnittlich sogar 435 Euro. In der Region Lüneburg schätzt Riggert das Pachtpreisniveau auf 300 bis 600 Euro pro Hektar. Wie hoch es tatsächlich ist, können auch die Experten der Kreisverwaltung nicht beantworten. „Es wird uns zwar jeder Pachtvertrag vorgelegt“, sagt Sprecherin Elena Bartels, „doch eine Statistik dazu wird nicht geführt.“ Unbestritten ist für Riggert allerdings: „Auch bei uns ist Boden knapp und die Situation angespannt.“ Von einem erbitterten Flächenkampf wie in der Weser-Ems-Region sei man in Nordostniedersachsen allerdings noch weit entfernt.

1000 Euro und mehr zahlen Landwirte dort für einen Hektar Pachtland, der Grund: die extrem hohe Viehdichte. Wer als Landwirt zu viele Tiere und zu wenig Land hat, dem drohen Probleme und hohe Kosten bei der Düngerentsorgung, „außerdem verliert man irgendwann den Status Landwirt und muss als Gewerbebetrieb höhere Abgaben zahlen“, sagt Riggert. Gründe genug, um in einigen Regionen für den Hektar mehr zu bezahlen, als mit dem Korn darauf verdient werden kann.

Nicht so im Kreis Lüneburg. „Wie viel ein Landwirt hier für Pachtland bezahlt, entscheidet er noch immer in erster Linie danach, was er mit der Fläche verdienen kann.“ So ist Grünland in der Regel günstiger als Ackerland, eine Fläche, die sich für den Gemüseanbau eignet, teurer als ein Acker, auf dem gerade mal Mais wächst. Auch viele Biogasanlagen in einer Region treiben die Pachtpreise nach oben. Doch verantwortlich für die zunehmende Konkurrenz um jeden Hektar ist nicht allein der zusätzliche Bedarf an Energiepflanzen. Der Flächenkampf ist weltweit entbrannt, denn die Weltbevölkerung wächst. Und mit ihr der Hunger.

In Regionen Afrikas führt das zum regelrechten Ausverkauf von Land, dort eignen sich internationale Investoren immer mehr Land an. Und auch in einigen Regionen Ostdeutschlands kaufen seit Jahren zunehmend außerlandwirtschaftliche Unternehmer Ackerland. „Am Rande ist das auch bei uns Thema“, sagt Thorsten Riggert, „doch in erster Linie sind es hier die Pächter und damit die Landwirte selbst, die die Preise in die Höhe treiben.“ Je nach Angebot und Nachfrage.

Doch Landwirte sind auf Pachtland angewiesen. Rund 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen in der Region sind gepachtet, schätzt Riggert. „Da kommen bei 100 Euro mehr pro Hektar schnell einige Tausend Euro zusammen.“ Wer darunter besonders leidet? „Pauschal nicht zu sagen“, so Riggert. „Das kommt immer darauf an, wann wer zu welchen Preisen gepachtet hat.“

Für Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hingegen ist klar: „Diese Entwicklung hat in unserer Region zwei ganz klare Verlierer: die Milchviehhalter und die Öko-Bauern.“ Jahrelang seien die Milchpreise katastrophal gewesen und mit ihnen die finanziellen Möglichkeiten der Milchbauern. Biobauern hingegen erhalten zwar mehr für ihre Produkte als ihre konventionellen Kollegen, „stehen aber auch massiv unter finanziellem Druck“.
Er ist überzeugt: Der Flächenkampf wird ein Grund sein, warum mehr Bauern aufgeben. Und das Landesamt für Statistik gibt ihm recht: Niedersachsens Bauern werden weniger. Ein Trend, der auch vor dem Landkreis Lüneburg nicht halt macht.