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Jacob Hinze (l.) und sein Freund Florian Ehlers haben den Kleinbus gekauft und erste medizinische Hilfsmittel gesammelt. Unterstützt werden sie von Christian Vollmer (r.) vom Lüneburger ASB. Foto: t&w
Jacob Hinze (l.) und sein Freund Florian Ehlers haben den Kleinbus gekauft und erste medizinische Hilfsmittel gesammelt. Unterstützt werden sie von Christian Vollmer (r.) vom Lüneburger ASB. Foto: t&w

Der Ruf Afrikas

ca Lüneburg. 7500 Kilometer, sieben Länder, zwei Kontinente, drei Wochen Zeit – für Jacob Hinze und Florian Ehlers zählen die Strapazen nicht, denn gemeinsam mit Freunden wollen sie bei einem „Charity Race“ Gutes tun. Es ist weniger ein Rennen als ein Hilfstransport. Sie fahren mit sieben alten Autos von Lüneburg und Freiburg aus nach Gambia, um ein kleines Krankenhaus zu unterstützen, das der Lüneburger Arbeitersamariterbund (ASB) vor zwölf Jahren in Dippakunda ins Leben gerufen hat. Die Teams nehmen unter anderem Verbandsmaterial und Medikamente mit. Zudem wollen sie die Autos in Westafrika verkaufen. Der Erlös fließt dem Gesundheitszentrum zu. Flüge, Unterkunft und Verpflegung zahlen die Teilnehmer selber.

Die Rettungsassistentin Gudrun Lehmbeck aus St. Dionys leitet das kleine Krankenhaus. Die LZ hat mehrfach darüber berichtet. Die Anfänge waren sehr bescheiden, doch die Bedeutung für die Region ist ebenso gewachsen wie die Klinik selber. Ein paar Zahlen: 580 Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchungen führen die Mitarbeiter jeden Monat durch, drei Hebammen bringen im gleichen Zeitraum 120 Kinder zur Welt. Zudem werden jede Woche rund 160 Mädchen und Jungen geimpft. Unicef unterstützt dieses Impfprogramm, der ASB Lüneburg stellt die Medikamente kostenlos zur Verfügung. In der Klinik stehen für Kranke neun Betten zur Verfügung, alles in allem behandeln Gudrun Lehmbeck und ihre Kollegen jedes Jahr 36 000 Patienten. Die Patienten zahlen einen kleinen Obolus, der umgerechnet zwischen 25 und 65 Cent liegt.

Zwar kann das Health Center einen großen Teil seiner Kosten auch mithilfe der Spenden aus Deutschland selber decken. Trotzdem bleibt jährlich eine Lücke von rund 30 000 Euro. Und die wollen die Juristen Hinze und Ehlers, die an ihren Doktorarbeiten feilen, mit ihren Begeleitern schließen. Ihr Freund, der Medizinstudent Sebastian Starke, hat mit anderen den Verein Drive to help gegründet. Starke hat zweimal über Wochen in Dippakunda mitgearbeitet und war begeistert. Seine Idee: Mit der Fahrt nach Afrika machen sie Werbung für das Projekt, gewinnen Unterstützer und können so Geld für das Krankenhaus zusammenbekommen. Florian Ehlers sagt: „25 000 Euro haben wir bereits auf dem Konto.“

Der 26-Jährige und sein ein Jahr älterer Freund Jacob haben von ihrem Geld für 1600 Euro einen Mercedes-Kleinbus gekauft. Den lassen sie von einem Bekannten so umbauen, dass sie einen Stauraum für Hilfsgüter haben und obendrüber schlafen können. In Westafrika wollen sie den Wagen verkaufen. Ehlers sagt: „Der Wagen ist gut in Schuss, und Mercedes ist beliebt.“ Also soll der Verkauf des Wagens das Doppelte, Drei- oder gar Vierfache einbringen.

14 Mitstreiter starten Ende Februar gemeinsam von Freiburg aus mit Studenten, zwei pensionierten Chefärzte und – ganz wichtig – einem Kfz-Mechaniker. Denn eine der alten Mühlen könnte unterwegs den Geist aufgeben. Von der iberischen Halbinsel, vom britischen Gibralta, wollen sie übersetzen nach Afrika. Es geht durch Marokko, die Westsahara, Mauretanien und Senegal. Manche Landstriche gelten als gefährlich, weil Rebellen schon mal Geiseln nehmen, um Lösegeld zu erpressen. Doch weil ihr Freund Sebastian Starke die Tour bereits einmal gefahren hat, sind sie optimistisch, dass sie heil ankommen.

Die beiden sind zudem dankbar für Tipps von Christian Vollmer. Der Lüneburger ASB-Mann hat vor Jahren ebenfalls einen Hilfstransport nach Gambia begleitet. Er weiß, dass es an afrikanischen Grenzstationen besser sein kann, die Zöllner zu „schmieren“, aber nicht mit Geld: „Sonnenbrillen und Jeans sind beliebt.“

Neben ihrem Transport schicken Männer gemeinsam mit dem ASB einen Seecontainer auf die Reise mit medizinischem Material wie empfindlichen Ultraschallgeräten, die auf dem Landweg beschädigt werden könnten. Die Klinik kann weiteres medizinisches Equipment gebrauchen. Wer helfen kann, wendet sich an den ASB Lüneburg unter Tel.: 2 08 66 60.

Über den Verein und die Tour findet sich mehr im Internet: www.drive-to-help.de, dort ist auch ein Spendenkonto angegeben: Drive to Help/Hamburg, Deutsche Bank (BLZ 68 07 00 24) Kontonummer 0 24 14 48 00.