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Nicht alles, was man im Internet bestellen kann, darf auch in die EU eingeführt werden. Bei Plagiaten kennen Sabine Saß und Klaus-Dieter Meyer vom Zollamt Lüneburg kein Pardon: Sie werden vernichtet oder unbrauchbar gemacht wie diese Taschen-Fälschung. Foto: t&w
Nicht alles, was man im Internet bestellen kann, darf auch in die EU eingeführt werden. Bei Plagiaten kennen Sabine Saß und Klaus-Dieter Meyer vom Zollamt Lüneburg kein Pardon: Sie werden vernichtet oder unbrauchbar gemacht wie diese Taschen-Fälschung. Foto: t&w

Grenzenlose Warenkontrolle

us Lüneburg. Natürlich kennt sie „Schwarz Rot Gold“, die ARD-Fernsehserie mit Uwe Friedrichsen, der als Zollamtmann Zaluskowski zwischen 1982 und 1996 hinter Schmugglern, Produktpiraten und anderen Wirtschaftskriminellen her war, „aber das ist die Arbeit der Zollfahndung, nicht unsere. Wir sind für die Warenkontrolle bei der Ein- und Ausfuhr zuständig“, sagt Sabine Saß vom Zollamt Lüneburg. Doch auch hier geht es gelegentlich spannend zu. Gerade ließ einer ihrer Mitarbeiter eine Postsendung öffnen, es bestand Verdacht auf Produktpiraterie. „Tatsächlich war in dem Paket die Fälschung einer hochwertigen Marken-Handtasche für Damen“, sagt Saß, „solche Einfuhren sind verboten, wir mussten die Tasche deshalb vernichten.“

In der Regel sind es Postsendungen, die beanstandet werden, vornehmlich aus Asien, sagt Saß. „Viele bestellen sich Waren im Internet, ohne zu wissen, woher diese stammen und ob die Produkte nicht vielleicht Fälschungen sind.“ Aber auch auf Produkte, die für den deutschen Markt nicht zugelassen sind, weil sie Sicherheitsvorschriften nicht entsprechen oder gegen das Artenschutzabkommen verstoßen, haben die Zöllner ein Auge.

Nicht nur um illegale Waren, Kriminalität oder den Schutz der Umwelt kümmert sich der Zoll, in erster Linie ist er für die Erhebung von Steuern zuständig, ab dem 14. Februar in Niedersachsen auch für die Kraftfahrzeugsteuer, die bislang von den Finanzämtern eingezogen wurde. An die Arbeit der Zöllner erinnert der Weltzolltag, der stets am 26. Januar begangen wird. Der Schwerpunkt des Zollamts Lüneburg liegt daher auch in der Zollabfertigung, „in der zoll- oder steuerrechtlichen Überführung einer Ware in den freien Verkehr“, wie Sabine Saß es nennt. Seit Mitte 2012 leitet die zierliche Frau mit dem prüfenden Blick die Behörde, einen schlichten, roten Backsteinbau mit einem großen Parkplatz, den Amtsplatz. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt sie. Dort kontrollieren ihre Zöllner Lkw, die das Zollamt ansteuern müssen, wenn sie Waren aus Ländern außerhalb des EU-Binnenmarktes, sogenannte Drittländer, einführen oder dorthin ausführen wollen.

Wenige hundert Meter entfernt befindet sich der Hafen, der aber bei der Zollabfertigung in Lüneburg kaum eine Rolle spielt. „Seit ich das Zollamt leite, hatten wir keine Schiffskontrollen“, sagt Saß, „die ein- und auszuführenden Waren werden in der Regel per Lkw oder Bahn transportiert.“ Bei Bedarf muss einer ihrer 13 Mitarbeiter deshalb auch schon mal zum Güterbahnhof Maschen rausfahren, denn neben den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg gehören auch Teile der Landkreise Harburg und Uelzen zum Zollamt Lüneburg, das wiederum beim Hauptzollamt Hannover angesiedelt ist. „Bis 2001 war Lüneburg selbst Hauptzollamt, doch mit der Strukturreform 2001 änderte sich das“, sagt Sabine Saß.

Größere Änderungen gab es vor allem 1993. Damals fielen die Zollkontrollen an den Grenzen zu den EU-Mitgliedsstaaten, seitdem wird im Landesinneren kontrolliert. Viele der Firmen mit Außenhandelsbeziehungen kennt sie, „man arbeitet gut zusammen“. Ein Großteil der Unternehmen sei entlang der alten B4 angesiedelt. „Wir profitieren von der Nähe zu Hamburg. Viele Spediteure lagern ihre Waren hier ein, um die deutlich höheren Lagerkosten in Hamburg zu umgehen“, sagt sie.

„Der Warenverkehr mit diesen Ländern hat stark zugenommen“, sagt Saß. So konnte allein im Bereich des Zollamts Lüneburg die Wareneinfuhr im Jahr 2012 um 5800 auf insgesamt 36486 Warenpositionen gesteigert werden. Bei der Warenausfuhr stieg der Zuwachs sogar um 23000 auf 260829 Warenpositionen. Eingeführt wurden überwiegend frische Lebensmittel, Haushaltsgegenstände und chemische Stoffe. Der Ausfuhrbereich erstreckte sich überwiegend auf chemische Produkte, medizinische Geräte und Pkw – „die kommen von VW und werden über Maschen ins Ausland gebracht“, sagt sie. Zuwächse auch bei den Postpaketen: Auf 8200 Postsendungen ist ihre Zahl in 2012 gestiegen, 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

2012 betrugen die Gesamteinnahmen des Zollamts Lüneburg 12,4 Millionen Euro, das Hauptzollamt Hannover kam auf 1,4 Milliarden Euro. Bundesweit erzielte die Zollverwaltung in 2012 Einnahmen in Höhe von 124 Milliarden Euro, rund die Hälfte der Steuereinnahmen des Bundes. Den größten Anteil daran hatten die Kernbrennstoffsteuer, die Stromsteuer und die Energiesteuer.

Die vielen Zahlen und Dokumente, die tagtäglich ausgefüllt und gesichtet werden müssen, schrecken Sabine Saß nicht, „das meiste wird heute ohnehin elektronisch erfasst“, sagt sie. Auch empfinde sie ihre Arbeit alles andere als langweilig. „Ich muss jeden Tag aufs Neue Entscheidungen treffen. Wenn hier eine Warenladung auf dem Hof steht, kann ich nicht eine Woche lang prüfen, was damit geschehen soll“, sagt sie.

Und ein bisschen Zaluskowski gebe es gelegentlich auch, wie vor zwei Jahren: „Da hatten wir geschmuggelte Ware in einem Container entdeckt, Elektrogeräte ohne CE-Kennzeichnung. Wir haben die Ware nicht nur vernichten lassen, sondern sofort auch die Zollfahndung eingeschaltet.“ Dass dem Zoll aber auch mal etwas durch die Finger rutscht, weiß auch Sabine Saß. Der spektakuläre Kokain-Fund kürzlich in einigen Aldi-Filialen sei aber zum Glück die Ausnahme.