Dienstag , 27. September 2016
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Noch liegt das Land Kamerun an der Grenze zwischen dem Landkreis Lüneburg und dem Kreis Lüchow-Dannenberg im Winterschlaf. Doch ab März soll dort neues Leben einziehen, Städter eine Zukunft auf dem Land testen. Foto: rg
Noch liegt das Land Kamerun an der Grenze zwischen dem Landkreis Lüneburg und dem Kreis Lüchow-Dannenberg im Winterschlaf. Doch ab März soll dort neues Leben einziehen, Städter eine Zukunft auf dem Land testen. Foto: rg

Landlust auf Probe

rg Göhrde. Wie eingezuckert liegt die Göhrde da, das große Waldgebiet an der Grenze der Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg. Eine Region mitten in Deutschland, mitten im Dreieck Hamburg-Hannover-Berlin, und doch so weit weg von jeglichem Großstadttrubel wie kaum eine andere Gegend zwischen Flensburg und Passau. Wie geschaffen für Menschen, die dem Stadtleben entfliehen wollen, die nach Ruhe und Entschleunigung suchen. Die das Stadt- gegen das Landleben eintauschen möchten. Davon sind Christine-Beatrix Schnettler und Helge Stehr überzeugt. Und sie wollen diese Menschen jetzt gezielt in die Göhrde locken: mit dem Angebot, das Landleben einfach mal eine Woche auszuprobieren. Und das völlig kostenlos.

Die beiden betreiben in der Göhrde in der Siedlung Kamerun eine Reit- und Ferienanlage. Doch die Städter, die sie fürs Landleben begeistern wollen, sollen nicht nur als Gäste kommen. „Wir wollen, dass sie das Landleben kennen- und lieben lernen“, sagt Christine-Beatrix Schnettler, von allen Trixi genannt. Doch dafür muss man die Leute erst einmal aufs Land bekommen. Und das soll nun mit dem Kostenlos-Angebot gelingen. Dafür entsteht auf dem Reiterhof eine voll eingerichtete und ausgestattete Musterwohnung, die ab März bezugsfertig sein soll. „Dort können die Städter dann eine Woche leben, können das Landleben, die Leute hier, die Gegend kennenlernen“, sagt Schnettler. „Und sie können sehen, dass das Landleben nicht nur aus Gummistiefeln, Treckern und Schützenfesten besteht, sondern alles zu bieten hat, was man braucht.“

Häufig seien es Vorurteile über das Dorfleben, die Stadtmenschen davon abhielten, überhaupt über einen Umzug aufs Land nachzudenken. Fehlende Einkaufsmöglichkeiten etwa, schlechte Infrastruktur, kaum kulturelle Angebote, lückenhafte medizinische Versorgung, kein Internet. „Wir wollen zeigen, dass es hier fast alles gibt, was es in der Stadt auch gibt. Man muss nur wissen, wo, und sich trauen, es auszuprobieren“, sagt Trixi Schnettler. Und die Gelegenheit, wollen sie und ihr Mann geneigten Städtern nun bieten: die Möglichkeit, das Leben auf dem Dorf einmal aus der Perspektive der Landbevölkerung zu erleben.

Auf die Idee zu dem Projekt sind die beiden durch einen Zeitungsartikel gekommen. „Wir haben gelesen, dass immer mehr junge Lüchow-Dannenberger in die Städte ziehen, und konnten das erst gar nicht glauben“, erinnert sich Schnettler. Sie hätten nämlich einen gegenteiligen Eindruck gehabt. „Viele unserer Freunde und Bekannten sind in den letzten Jahren zurück nach Lüchow-Dannenberg gekommen, nachdem sie jahrelang in den Städten rundherum gelebt hatten“, berichtet Schnettler.

Doch sie wollen nicht nur zeigen, wie schön es sein kann, auf dem Land zu leben, die beiden Kameruner wollen auch lernen. „Wir erhoffen uns einen Dialog mit den Probanden. Sie sollen uns ein Feedback geben, was ihnen hier nicht gefallen hat, was gefehlt hat. Vielleicht gibt es dafür ja Lösungen.“ Seit Donnerstag ist der neue Bebauungsplan für die Siedlung Kamerun in Kraft, und der lässt dort auch ein dauerhaftes Wohnen. Vorher war die Siedlung nämlich als reines Ferien- und Erholungsgebiet ausgewiesen.

Mehr Informationen gibt es unter www.land-kamerun.de oder unter Telefon: 05862/170.