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Stehende Ovationen gab es für Landrat Manfred Nahrstedt, nachdem ihn die Genossen erneut zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landratswahl am 25. Mai gekürt haben. Foto: t&w
Stehende Ovationen gab es für Landrat Manfred Nahrstedt, nachdem ihn die Genossen erneut zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landratswahl am 25. Mai gekürt haben. Foto: t&w

„Ich bin fit, schaut mich doch an“

kre Reinstorf. Es verspricht ein interessantes Kopf-an-Kopf-Rennen zu werden im Wettlauf um den Posten des Landrates: Jedenfalls dann, wenn man dem Applausometer bei den Parteiveranstaltungen der beiden Kontrahenten Manfred Nahrstedt (SPD) und seiner Herausforderin Monika Scherf (für die CDU) zum Maßstab nimmt. Mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen legten die Christdemokraten bei der Kür der Kreisrätin zu ihrer Spitzenkandidatin für die Landratswahl am 25. Mai vor. Da versteht es sich von selbst, dass auch die Sozialdemokraten ihren Kandidaten am Freitagabend in Reinstorf frenetisch feierten: Die Genossen schickten den amtierenden Landrat Manfred Nahrstedt ebenfalls mit langem Beifall und Standing Ovations gestärkt in den Wahlkampf. Und mit einem Traumergebnis: Denn zum Spitzenkandidaten gewählt wurde Nahrstedt mit 55 von 56 gültigen Delegiertenstimmen.

Der Wahlabend am Freitag im Helnan-Hotel in Reinstorf war eine One-Man-Show: Denn einen innerparteilichen Gegenspieler, der gegen Nahrstedt hätte antreten wollen, gab es nicht. Dafür aber noch weitere Sozialdemokraten, die im Wahlkampfstress stehen. Angefangen von dem Europa-Abgeordneten Bernd Lange über Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge bis hin zu Norbert Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Ostheide, der ebenfalls am 25. Mai zur Wiederwahl steht. Da war der Satz von Burkhard Bisanz, dem Reinstorfer Ortsbürgermeister, mehr als nur ein launiger Appell an die Genossen: ,,Hier und heute beginnt im Herzen der Samtgemeinde Ostheide der Wahlkampf!“

Und den eröffnete ein gut gelaunter Nahrstedt mit einer Bilanz dessen, was sich in den vergangenen Jahren unter seiner politischen Führung im Kreis zum Besseren gewendet habe: Angefangen vom Krippenbau über die Modernisierung der Schulen bis hin zur festen Bürgersprechstunde. Auch das Konkurrenzdenken zwischen Stadt und Kreis gehöre der Vergangenheit an, betonte Nahrstedt statt ein ,,Gegeneinander“ gebe es nun ein ,,Miteinander.“ ,,Der Landkreis ist die Summe seiner Städte und Gemeinden“, betonte Nahrstedt, ,,da verhandeln wir auf Augenhöhe“.

Die Entschuldung des Landkreises, die Senkung der Kreisumlage, die Einführung der blauen Papiertonne durch die GfA alles Erfolgsgeschichten, findet der Landrat, der längst noch nicht amtsmüde ist. ,,Die Arbeit macht mir Spaß“, betonte er und kokettierte mit seinem Alter. Wohlwissend, dass im Wahlkampf das Alter seine Achillesferse ist: ,,Die Arbeit macht mir Spaß, sie hält mich jung, schaut mich doch an“, rief er den lachenden Genossen zu, „ich bin fit und belastbar und habe noch die Kraft, mich und andere zu motivieren.“

Weiterer Schuldenabbau, Ausbau des Landkreises zur starken Kultur- und Bildungsregion, Inklusion, Stärkung der Wirtschaft, die Realisierung einer zukunftsfähigen Breitbandversorgung, der Einsatz für das Aufstiegsbauwerk in Scharnebeck, Hochwasserschutz und die Verbesserung der Mobilität auf dem Lande sind weitere Schlagworte, mit denen Manfred Nahrstedt seine Ziele für die nächsten Jahre als Landrat skizzierte. Der Landkreis Lüneburg sei Zuzugsregion trotzdem stelle der demografische Wandel auch den Kreis vor Probleme. Den Genossen im Saal, die auch kommunalpolitische Ämter in ihren Heimatgemeinden ausüben, gab er den guten Rat mit auf den Weg: ,,Seid sparsam mit dem Ausweisen von neuen Baugebieten!“ Denn gerade in der Fläche würden damit ältere Häuser fast unverkaufbar. ,,Der Landkreis braucht Verlässlichkeit“, rief der 65-Jährige seinen Parteifreunden zu ,dafür stehe ich.“

Im Übrigen wisse er ganz genau, wie es es sich anfühle, auf dem Lande zu leben. Nahrstedt wohnt in Oldendorf/Luhe, einen kleinen Dorf in der Samtgemeinde Amelinghausen. ,,CDU-Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols, CDU-Kreistagsfraktionschef Alexander Blume und die CDU-Kandidatin (den Namen seiner Herausforderin und Mitarbeiterin Monika Scherf nannte er nicht) wohnen alle in der Stadt, wollen aber Kreispolitik machen. Von wegen Stadtluft macht frei!“, scherzte Nahrstedt.

Keine Frage: Rede, Ironie und andere verbale Attacke gegen den politischen Gegner kamen an bei den Genossen: Das zeigten Applaus und Wahlergebnis. Beides nahm Nahrstedt sichtlich bewegt zur Kenntnis: ,,Es ist mir eine Ehre, mit euch in den Wahlkampf zu ziehen.“