Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Stefan Domanske ist beim Landkreis Lüneburg zuständig für die IT-Sicherheit. Foto: A/t&w
Stefan Domanske ist beim Landkreis Lüneburg zuständig für die IT-Sicherheit. Foto: A/t&w

„Minütlich klopfen Würmer an“

ca Lüneburg. Gerade erst hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gewarnt: 16 Millionen E-Mail-Konten gelten als ,,kompromittiert“, es habe ein Identitätsdiebstahl stattgefunden, berichtet das BSI: Wer über Passwörter verfügt, kann beispielsweise Konten seiner Opfer plündern. Auf solche Gefahren soll heute zum achten Mal der Europäische Datenschutztag aufmerksam machen. Auf Ini­tiative des Europarats findet er seit 2007 jedes Jahr statt. Er erinnert an die Unterzeichnung der Europäischen Datenschutzkonvention im Jahr 1981. Ziel des Aktionstages ist es, die Bürger Europas für den Datenschutz zu sensibilisieren.

Das Thema hat man im Kreis und im Rathaus schon lang im Blick. Beim Landkreis ist Stefan Domanske für die IT-Sicherheit verantwortlich: ,,Wir registrieren ein spürbares Grundrauschen. Minütlich klopfen quasi Würmer und Trojaner bei uns an.“ Doch mit einer Technik, die immer wieder angepasst werde, sogenannten Firewalls, gelinge es der vierköpfigen Abteilung, Angriffe abzuwehren. Kriminelle versuchen nicht nur in Rechnern das Regiment zu übernehmen, sondern auch an anderen Stellen. Ein aktuelles Beispiel: Bekanntlich war es Tätern Ende vergangenen Jahres gelungen, eine Sicherheitslücke in der Telefonanlage der Stadt auszuspähen und Anrufe auf Kosten der Kommune nach Osteuropa weiterzuleiten. Schaden: mehr als 40000 Euro. Daraus haben die Datenschutzexperten der Stadt, aber auch des Landkreises gelernt, Domanske nennt keine Details, sagt nur: ,,Wir haben einiges korrigiert.“

Aktuell seien keine erfolgreichen Attacken bekannt. Dass Domanske und sein Team das mehrstufige Filtersystem immer wieder justieren müssten, zeigt sich an Zahlen: ,,99 Prozent der eingehenden E-Mails sind Spam und Viren. Nur ein Prozent geht weiter an die Mitarbeiter.“ Auch die müssen Sicherheitsregeln beachten: ,,Private E-Mails sind nicht erlaubt.“ Domanske ist überzeugt, dass von außen niemand Unbefugtes zum Beispiel Einblick in Bauanträge und Bußgeldbescheide nehmen kann.

Silke Röding, gemeinsame Datenschutzbeauftragte von Stadt, Kreis und Samtgemeinden, berichtet, dass Bürger, die Fragen zum Umgang mit ihren Daten durch Behörden haben, sich unter Telefon 261756 an sie wenden können. Keine Auskunft erhielten in der Regel aber Anrufer, die wissen wollen, wer sie beispielsweise wegen Verstößen gegen das Umweltrecht gemeldet habe: ,,Da gilt Informantenschutz.“ Oftmals berate sie Kollegen, die nachfragen, ob sie Akten an andere Behörden weitergeben dürften. Der falsche Adressat ist sie übrigens, wenn es um Videoüberwachung geht. Mancher fühlt sich gestört von Kameras, die beispielsweise Parkplätze oder Straßen in den Fokus nehmen: ,,Da ist der Landesdatenschutzbeauftragte zuständig.“

Generell empfiehlt sie Bürgern, sensibel mit Daten umzugehen: Ein Passwort sollte aus Groß- und Kleinschreibung, Sonderzeichen und Zahlen bestehen. Begriffe wie „Admin“ oder die Ziffernfolge „1, 2, 3, 4“ seien ungeeignet, weil oft gewählt und im Nu überwunden. Skeptisch sollte man auch sein, wenn jemand persönliche Daten anfordert. Da solle sich der Betreffene fragen, wofür braucht derjenige die Angaben, ist es notwendig, sie zu machen? Vorsicht gelte bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken: Was einmal im Netz steht, bleibe dort für immer. Will man das? Auch Smartphones können ausgeforscht werden. Für sie gibt es Anti-Viren-Programme. Wer kein Bewegungsbild liefern möchte, sollte die ortende GPS-Funktion ausstellen.