Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Vor der Kulisse der Lauenburger Unterstadt versucht dieser junge Seealder eine Ente zu fangen - allerdings ohne Erfolg. Foto: piter wichers
Vor der Kulisse der Lauenburger Unterstadt versucht dieser junge Seealder eine Ente zu fangen - allerdings ohne Erfolg. Foto: piter wichers

Hunger lockt mehrere Seeadler

emi Hohnstorf. Ein Naturschauspiel der besonderen Art durfte am Wochenende Fotograf Piter Wichers bei Hohnstorf erleben. Trotz klirrender Kälte harrte der 49-Jährige am Sonnabend und Sonntag mehrere Stunden in seinem Auto am Elbufer aus. Alles nur, um ein Bild von den majestätischen Greifvögeln zu erhaschen, die er dort vermutete. Seine Geduld wurde belohnt – und wie: „Am Samstag zählte ich neun Seeadler und tags darauf sechs.“ Auch viele Jungtiere seien darunter gewesen.
„Das ist in dieser Jahreszeit absolut üblich“, sagt dazu Joachim Schwarz von der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen (AAN). „Die Jungadler rotten sich jetzt zu Fressgemeinschaften zusammen, um durch den Winter zu kommen. Wenn einer einen Beute-Erfolg hat, profitieren alle davon.“ Auf dem Speiseplan der Seeadler stehen neben Fisch auch Wassergeflügel und Aas.

Seeadler
Fast sieht es aus, als wolle dieser junge Seeadler ein Tänzchen auf dem Eis vollführen. Foto: Piter Wichers

Woher die Tiere, die Wichers bei Hohnstorf beobachtet hat, kamen, vermag der Brietlinger Experte nicht zu sagen. „Sie können aus Skandinavien, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein eingeflogen sein.“ Möglicherweise zählen ein paar von ihnen auch zum Nachwuchs der insgesamt sieben Revierpaare im Raum Lüneburg, westlich und östlich der Elbe. Im November verkündete Schwarz auf LZ-Nachfrage die frohe Botschaft, dass im Jahr 2013 sieben kleine Seeadler geschlüpft seien. „Jetzt ist die Zeit, wo sie durch die Gegend stromern und neue Reviere suchen.“

Piter Wichers weiß aus jahrelanger Erfahrung, an welchen Stellen er nach dem König der Lüfte Ausschau halten muss: „Ich gucke immer, wo viele Tiere am Wasser sind.“ Derzeit stünden die Chancen auf ein schönes Foto besonders gut. Normalerweise warteten die Greifvögel auf Bäumen sitzend darauf, dass sich ein Fisch blicken lässt, um dann auf ihn herabzustürzen. „Aber weil die Elbe gerade an einigen Stellen zugefroren ist, müssen die Seeadler viel mehr umherfliegen als sonst, um beispielsweise Enten zu erbeuten.“ Perfekte Voraussetzungen für Bilder wie die, die Wichers jetzt bei Hohnstorf gelungen sind – und für ein Naturschauspiel der besonderen Art.