Aktuell
Home | Lokales | Boom der Kinderfeuerwehren
Sie gehören zu den 950 niedersächsischen Feuerwehrgruppen für Kinder ab 6 Jahren: Die Kinderfeuerwehr Häcklingen. Foto: A
Sie gehören zu den 950 niedersächsischen Feuerwehrgruppen für Kinder ab 6 Jahren: Die Kinderfeuerwehr Häcklingen. Foto: A

Boom der Kinderfeuerwehren

lni/ahe Lüneburg. Es brennt und keiner kommt zum Löschen – so weit soll es nie kommen. Deshalb sind die Feuerwehren bestrebt, frühzeitig für eigenen Nachwuchs zu sorgen. Der Erfolg macht sich landesweit bemerkbar: Die Zahl der Kinderfeuerwehren in Niedersachsen hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt. Mittlerweile gibt es nach Angaben der Niedersächsischen Jugendfeuerwehr (NJF) 950 Gruppen für Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren, 2011 waren es 473 Gruppen. Gerade sind wieder zwei neue Gruppen in der Region hinzugekommen: in Oedeme und in Wendewisch. Damit gibt es im Landkreis Lüneburg nun 39 Kinderfeuerwehren.

„Vor dem demografischen Wandel hat uns das Modell Kinderfeuerwehr gerettet“, sagt NJF-Bildungsreferent Bernd Dahle. Weil beispielsweise im Harz immer weniger Menschen leben, wird es zunehmend schwieriger, eine Freiwillige Feuerwehr in jedem Dorf aufrechtzuerhalten. Ein Problem, das auch andere Landkreise wie Lüneburg betrifft.

Zwischen 2002 und 2012 haben 62 von ursprünglich 3400 niedersächsischen Ortsfeuerwehren aufgeben müssen. Auch die Mitgliederzahlen bei der Jugendfeuerwehr gehen leicht zurück. Idee der Kindergruppen ist, die Jüngsten früh an die Brandbekämpfer zu binden, damit sie sich später ehrenamtlich engagieren. Bei den Treffen stehen Spiele und Sport, Basteln und Ausflüge, Brandschutz- und Verkehrserziehung auf dem Programm. Die Kübelspritze darf zwar spielerisch zum Einsatz kommen, feuerwehrtechnische Übungen sind aber bei den Sechs- bis Zehnjährigen tabu.

Im Lüneburger Stadtteil Oedeme ging am Wochenende eine neue Kinderfeuerwehr an den Start. „Mir liegt sehr am Herzen, die soziale Kompetenz der Kinder zu stärken“, betont Sabrina Johannsen. Die 26 Jahre alte Sozialpädagogin leitet die Gruppe gemeinsam mit Michelle Stenzel. Einmal im Monat, stets am vierten Sonnabend, kommen die Mädchen und Jungen zusammen.

Die Kinderfeuerwehren sind auch ein Weg, mehr junge Frauen für den Brandschutz zu begeistern. In den Gruppen der Jüngsten beträgt der Mädchenanteil landesweit 40 Prozent, in der Jugendfeuerwehr noch gut ein Drittel. Bei den Erwachsenen sind nur etwa elf Prozent der Mitglieder Frauen.

Wie in Oedeme sind es auch in Wendewisch zwei Frauen, die die Jüngsten für die Arbeit der Feuerwehr begeistern wollen. Anja Haber und Kerstin Schütz leiten die Kinderfeuerwehr Bleckeder Elbmarsch, „Feuersalamander“ genannt, die zum Start 17 Mädchen und Jungen aus den Ortsteilen Radegast, Brackede, Garlstorf und Wendewisch hat. Die Stadt Bleckede unterstützt die neue Gruppe mit einem Startgeld in Höhe von 500 Euro für erste Anschaffungen. Das nächste Treffen findet am Sonnabend, 15. Februar, im Feuerwehrhaus Garlstorf statt.

Das Engagement um den Nachwuchs ist regional allerdings höchst unterschiedlich. Ende 2012 zählte der Bezirk Hannover 253 Kinderfeuerwehren, der Bezirk Weser-Ems hingegen nur 23. Eines ist aber überall gleich: Wird eine Gruppe angeboten, gibt es in der Regel viele Anmeldungen.

Bernd Dahle ist über das große Interesse der Eltern nicht verwundert. Seit Jahren seien Feuerwehrleute in einer europaweiten Studie des Magazins „Reader’s Digest“ die vertrauenswürdigste Berufsgruppe. Zuletzt sprachen ihnen 92 Prozent der befragten Deutschen ein „sehr hohes“ beziehungsweise „ziemlich hohes“ Vertrauen aus. „Vor allem kleine Jungen träumen davon, Feuerwehrmann zu werden. Es ist spannend, das nutzen wir“, sagt Dahle. Ob die Faszination der Kinder anhält, sie auch als Jugendliche und Erwachsene dabeibleiben, wird sich seiner Einschätzung nach allerdings erst in einigen Jahren herausstellen.