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Viel Ärger gab es um den geplanten Ruheforst in Heiligenthal. Nun könnte ein alternativer Standort bei Südergellersen den Streit beenden. Foto: A
Viel Ärger gab es um den geplanten Ruheforst in Heiligenthal. Nun könnte ein alternativer Standort bei Südergellersen den Streit beenden. Foto: A

Ruhe im Streit um Ruheforst?

emi Reppenstedt. Bringt eine neue Wendung endlich Ruhe in den Streitfall Bestattungswald Heiligenthal? Ursprünglich standen am Mittwochabend die Führung eines Besucherbuches und die Veränderung bei den Stellplätzen am geplanten Ruheforst auf der Tagesordnung. Doch dann kam alles ganz anders in der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Ordnungsausschuss der Samtgemeinde Gellersen. Bauausschussmitglied Peter Bergen beantragte für die Gruppe CDU/FDP im Rat, „das Verfahren zur Einrichtung eines Ruheforstes in Heiligenthal zu beenden und stattdessen konstruktiv und ohne akuten Zeitdruck Alternativen zu suchen“. Die Verwaltung solle demnach konkret das Gebiet „Am Hambörn“ in Südergellersen für einen kommunalen Bestattungswald prüfen. Zwar segneten die Ausschussmitglieder diesen Antrag in der Aula der Grundschule Reppenstedt einstimmig ab, dennoch blieben Sticheleien nicht aus.

Dr. Hinrich Bonin, ebenfalls Mitglied im Bauausschuss und Sprecher der Gruppe SPD/Grüne, kritisierte mit beißendem Sarkasmus die Art und Weise der Proteste einiger Bürger gegen den Ruheforst Heiligenthal: „Ich habe im Wald noch ein Tier entdeckt, das unter Naturschutz steht, aber nicht kartiert ist“, sagte er, um unter entrüstetem Gemurmel aus dem Publikum ironisch hinterherzuschieben: „Den Maulwurf. Ich habe dort jede Menge Maulwurfshügel gesehen.“

Besonders bemängelte Bonin den Umgang mit der Verwaltung und deren Chef: „Herr Röttgers, schütteln Sie die Verletzungen ab“, wandte er sich an den Samtgemeindebürgermeister. Unter dem Motto „Wut macht Mut“ wies er auf die Chance hin, die der Antrag biete: „Jetzt packen wir das in Eigenregie auf einer kommunalen Fläche an.“

Das vorgeschlagene Gebiet „Am Hambörn“ befindet sich im Eigentum der Gemeinde Südergellersen. Antragsteller Peter Bergen zählte einige Gründe auf, warum sich der Buchenwald für eine Bestattungsfläche eignen könnte, unter anderem seine Größe. Zudem sei der Bereich aufgrund der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur über alle Gellerser Dörfer gesondert zu erreichen, es seien ausreichend PKW-Flächen vorhanden, und ein fertiges Wegenetz zur Waldfläche existiere bereits. „Gerade die unmittelbare Nähe zwischen Bürgerwald (dort pflanzen Bürger Bäume zu Geburten und Hochzeiten) und Bestattungsforst (der Tod gehört zum Leben) prädestiniert diese Nutzung“, heißt es in dem Antrag.

Die CDU/FDP-Gruppe spreche sich ausdrücklich für einen Bestattungswald im Gebiet der Samtgemeinde Gellersen aus. Allerdings habe sich die ursprünglich vorgesehene Fläche in Heiligenthal, „nicht zuletzt aufgrund erheblicher Bürgerproteste“, als „äußerst problematisch“ erwiesen, begründete Bergen den Antrag.

Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers verzichtete auf eine persönliche Stellungnahme und kündigte an, die Verwaltung werde mit dem Antrag „absolut professionell umgehen“. Diesmal wolle er die Öffentlichkeit von Anfang an in das neue Verfahren einbeziehen. Aber Röttgers mahnte, das Ganze sei „nicht zum Nulltarif zu haben“, zumal der neu zu prüfende Standort im Landschaftsschutzgebiet liege. Er plädierte dafür, 20000 Euro als Aufwand für die ordnungsgemäße Prüfung in den Nachtragshaushalt einzustellen.

Das Verfahren für den Standort Heiligenthal ist damit keineswegs vom Tisch. Aber durch den neuen Prüfauftrag verzögere sich die Entscheidung um einen geeigneten Standort, erklärte der Verwaltungschef nach der Sitzung.

Dass ein Bestattungswald eingerichtet werden soll, darüber sind sich auch Kritiker des ursprünglich vorgesehenen Projektes weitgehend einig. Die Kritik der Bürger bezog sich bislang auf den Standort. Das Waldstück bei Heiligenthal liegt im Naturschutzgebiet Hasenburger Bachtal. Viele Heiligenthaler fürchten, dass die Tier- und Pflanzenwelt durch die Einrichtung eines Ruheforstes Schaden nehmen könnte. Einer von ihnen ist Michael Volbracht-Squillante, der auch in der Ausschusssitzung anwesend war. Den jüngsten Vorstoß bezeichnet er nun gegenüber der LZ als „einen mutigen Schritt“. Vielleicht bringt die neue Wendung ja doch noch Ruhe in den Streitfall Ruheforst.