Dienstag , 27. September 2016
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Blick in einen Zellentrakt des Lüneburger Untersuchungsgefängnisses am Markt. Die Schließung der Lüneburger Abteilung stand laut Justizministerium in Hannover nie zur Debatte. Die JVA wurde erst 2005 mit großem Kostenaufwand modernisiert. Foto: be
Blick in einen Zellentrakt des Lüneburger Untersuchungsgefängnisses am Markt. Die Schließung der Lüneburger Abteilung stand laut Justizministerium in Hannover nie zur Debatte. Die JVA wurde erst 2005 mit großem Kostenaufwand modernisiert. Foto: be

Lüneburg gilt als sicher

rast Lüneburg. Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz hat die Schließung der Abteilung Salinenmoor der Justizvollzugsanstalt (JVA) Celle mit ihren 212 Haftplätzen zum Jahresende 2014 verkündet, die Braunschweiger Abteilung der JVA Wolfenbüttel mit 143 Plätzen soll bis Ende 2016 dicht machen (LZ berichtete). Ob auch dem kleinen Gefängnis in Aurich mit seinen 29 Plätzen für Untersuchungshäftlinge das Aus droht, soll bis Sommer geprüft werden.

Die Frage, ob der Justizvollzugsanstalt Uelzen mit dem Untersuchungsgefängnis am Markt in Lüneburg und dem offenen Vollzug am Brockwinkler Weg ein ähnliches Schicksal bevorsteht, beantwortet Alexander Wiemerslage, Pressesprecher des Niedersächsischen Justizministeriums, mit einem klaren Nein: ,,Wir haben in Uelzen ja gerade erst eine neue Abteilung eingerichtet. Uelzen und Lüneburg standen zu keinem Zeitpunkt in der Diskussion.“ Ihre angeordnete Schließung der Gefängnisse begründete die Justizministerin mit ,,erheblichen Überkapazitäten“, von den aktuell 5400 Plätzen im geschlossenen Vollzug seien lediglich 4400 belegt. Erst vor einem Jahr war die neue, teilprivatisierte Haftanstalt in Bremervörde mit 300 Plätzen eingeweiht worden. Die Entscheidung gegen die Anstalten Salinenmoor und Braunschweig fielen, da beide Häuser erheblich sanierungsbedürftig seien, die dort notwendigen Investitionen würden rund 15 Millionen Euro verschlingen.
Dagegen zeigt sich die JVA Lüneburg, ein reines Untersuchungsgefängnis, auf einem modernen Stand: Für mehr als eine Million Euro wurden 2005 umfangreiche Umbauarbeiten zur Erhöhung der Sicherheit erledigt, unter anderem wurde die Freistundenmauer deutlich erhöht, modernste Sicherheitstechnik installiert.

Ministeriumssprecher Alexander Wiemerslage sagt: ,,Ministerin Antje Niewisch-Lennartz hatte Ende 2013 bereits die Station für jugendliche Untersuchungshäftlinge in Braunschweig schließen lassen und eine neue Abteilung für diese Jugendlichen in der JVA Uelzen eingerichtet, die am 2. Dezember eröffnet wurde. Hintergrund waren die Vorfälle im Sommer vergangenen Jahres.“ Damals hatten sechs Mitgefangene einen 17-Jährigen mehrmals sexuell genötigt und ihn verprügelt. Wiemerslage: ,,Und auch baulich gibt es in Braunschweig keinen sicheren Vollzug mehr.“ Die neue Uelzener Abteilung umfasst nun 15 Haftplätze  elf Einzel- und vier Doppelhaftplätze. Alle verfügen über eine Gefangenenschließung, mittels derer die Jugendlichen anderen Mitgefangenen den Zutritt zu ihren Hafträumen verwehren können. Weiterhin verfügt die Station über Einzelduschen und eine Videoüberwachung des gesamten Flur- und Freizeitbereichs. Die Jugendlichen werden umfassend betreut. Hierzu steht ein Team aus acht Bediensteten des mittleren allgemeinen Justizvollzugsdienstes sowie eine Bedienstete des Sozialdienstes zur Verfügung. Im Haftalltag ist ein strukturierter Tagesablauf vorgesehen, der den Jugendlichen Unterstützung und Stabilisierung durch schulische Ausbildung, Suchtberatung, persönliche Beschäftigung und der Suche nach neuen Perspektiven vermitteln soll. Die Jugendlichen werden in der Untersuchungshaft insbesondere dazu verpflichtet, regelmäßig am täglichen Sportangebot teilzunehmen.

Die JVA Uelzen beschäftigt rund 180 Bedienstete, 30 davon in den beiden Lüneburger Abteilungen. Das Gefängnis am Markt verfügt über 53 Haftplätze für Männer und zwei für Frauen, in der Regel befinden sich immer rund 50 Untersuchungshäftlinge in der Anstalt. Im offenen Vollzug am Brockwinkler Weg gibt es 33 Betten für die Freigänger.

Geschichte des Stadtgefängnisses

Das erste Lüneburger Stadtgefängnis wurde im Jahre 1594 an der Bardowicker Mauer gebaut. Zwischen 1675 und 1679 entstand das Werk- und Zuchthaus an der Reitenden-Diener-Straße. Um 1800 herum wurden Kettenstrafanstalt und Zuchthaus am Kalkberg errichtet. Das heutige Gebäude direkt am Marktplatz entstand 1936 als Landgerichtsgefängnis. In der Zeit des Nationalsozialismus hatte das Gefängnis eine noch genauer zu erforschende, zweifelhafte Bestimmung, da es von der Gestapo mitbenutzt wurde. Seit 1974 exisitiert die selbstständige Justizvollzugsanstalt, konzipiert für die Untersuchungshaft. Am 1. Mai 1983 wurde die JVA durch die Abteilung Brockwinkler Weg für den offenen Vollzug ergänzt. 1990 gab‘s eine größere Sanierung, aus jeweils drei Hafträumen wurden zwei, abgetrennte Nassbereiche wurden eingebaut. Seit 1. Februar 2002 ist Lüneburg als Abteilung der Justizvollzugsanstalt Uelzen angegliedert. 2005 erfolgte eine millionenteure Modernisierung des Gefängnisses.­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ rast