Donnerstag , 29. September 2016
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Neugierig lugt ein Schwein aus seinem Offenstall. Bisher droht den Tieren in Deutschland auch keine Ansteckung mit der Afrikanischen Schweinepest, doch die Gefahr rückt näher. Foto: A/t&w
Neugierig lugt ein Schwein aus seinem Offenstall. Bisher droht den Tieren in Deutschland auch keine Ansteckung mit der Afrikanischen Schweinepest, doch die Gefahr rückt näher. Foto: A/t&w

„Einschleppungsgefahr größer denn je“

off Stiepelse/Drögennindorf. Noch ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) mehr als Tausend Kilometer entfernt, doch die Sorge der Schweinehalter im Landkreis Lüneburg wächst. Ende Januar hat die Infektionskrankheit die Europäische Union erreicht, nachgewiesen wurde der Erreger in einer Gruppe toter Wildschweine im Süden Litauens. Schweinehalter Christian Hartmann verfolgt den Seuchenzug bereits seit Monaten, „Grund zur Panik sehe ich derzeit aber noch nicht“, sagt er. Trotzdem bekommt auch der Drögennindorfer die jüngsten Nachrichten zu spüren. Am gesunkenen Schweinepreis.

Fünf Cent verlieren die Landwirte aktuell pro Kilogramm Schweinefleisch, knapp fünf Euro je Tier. „Das macht etwa die Hälfte des Gewinns aus“, sagt Hartmann. Keine Frage, das schmerzt. Trotzdem will der Schweinehalter nicht jammern, „man weiß nie, wie lange so eine Entwicklung am Markt anhält“. Als Grund für den Preiseinbruch wird die aktuelle Marktpolitik Russlands genannt. Obwohl selbst ASP-Gebiet, hatte das Land Ende letzter Woche ein Einfuhrverbot für Schweinefleisch aus der Europäischen Union verhängt.

Doch unabhängig vom Schweinepreis: Das Vorrücken der ASP nach Westen verunsichert. Tierärzte, Bauernverband und Behörden mahnen Landwirte und Jäger zu größter Vorsicht, „die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland ist jetzt größer denn je“, warnt der Präsident der Bundestierärztekammer, Dr. Theodor Mantel. Sollte die Seuche Deutschland erreichen, seien die hiesigen Schweinebestände völlig ungeschützt. Einen Impfstoff gibt es nicht, einzige Möglichkeit zur Bekämpfung: das Töten ganzer Bestände.

Verbreitet wird das ASP-Virus insbesondere über Transportfahrzeuge, die aus betroffenen Regionen zurückkehren, durch das illegale Verfüttern von Speiseabfällen oder durch infizierte Wildschweine. Risiken, auf die Landwirte wie Hartmann kaum Einfluss haben. „Wir können nur versuchen, unsere eigenen Schweine zu schützen“, sagt der Drögennindorfer. Schon jetzt achte er streng auf die Hygiene, sei aber noch entspannt. „Sollte die Afrikanische Schweinepest Polen erreichen, werde ich nervös und die Hygienemaßnahmen deutlich verschärfen.“

Auch Sören Vogt verunsichern die jüngsten Nachrichten aus Litauen. Der Landwirt hält in Stiepelse Schweine in Freilandhaltung, für sie gilt die Ansteckungsgefahr als besonders groß. Vogt muss deshalb besondere Vorsichtsmaßnahmen einhalten. „Um Wildschweinkontakt zu vermeiden, muss ich unter anderem meine Schweine doppelt einzäunen.“ Noch sei die Seuche zwar weit entfernt. Doch Vogt fürchtet: „Es kann plötzlich ganz schnell gehen.“

Sollte die ASP im Kreis Lüneburg nachgewiesen werden, gilt der Krisenplan. „Danach ist um einen Seuchenbetrieb ein Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens zehn Kilometern einzurichten“, sagt Kreissprecherin Elena Bartels. „In diesen Bereichen gelten besondere Regelungen.“ Darüber hinaus könnten nach Absprache mit dem Landwirtschaftsministerium Nottötungen angeordnet werden. Dabei gilt ein Radius von höchstens 500 Metern Entfernung, in Fällen sehr hoher Schweinedichten oder bei verschleppten Fällen von 1000 Metern. Auch die Lüneburger Amtsveterinäre fürchten eine Einschleppung der ASP „und sind derzeit besonders aufmerksam“, sagt Bartels.

Vorsichtsmaßnahmen

Für den Menschen geht keine Gefahr von der ASP aus. Weder vom lebenden Schwein noch von Schweinefleisch. Darauf weist die Bundestierärztekammer ausdrücklich hin. Landwirte und Jäger sind allerdings zu verschiedenen Vorsichtsmaßnahmen aufgerufen:
– Gehäufte Krankheits- und Todesfälle dem behandelnden Tierarzt und dem Veterinäramt sofort melden.
– Transportfahrzeuge sorgfältig reinigen und desinfizieren.
– Jäger, die verendetes Schwarzwild finden, sollen das Tier so sichern, dass kein Kontakt mit dem toten Tier mehr möglich ist. Der Fund sollte unverzüglich dem Veterinäramt mitgeteilt werden.
– Besondere Vorsicht mit Dingen, die Schweißkontakt hatten. Dazu gehören Stiefel, Lappen, Wildwannen und Kleidungsstücke.
– In die Ställe dürfen nur unbedingt notwendige Besucher wie Tierärzte gelassen werden.
– Bei Fahrten zwischen den Betrieben sollten sich die Bauern auf das Nötigste beschränken.