Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | 26 Grüne für Manfred Nahrstedt
Kreisrätin Monika Scherf (parteilos für die CDU) und Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) warben bei den Grünen um Zustimmung - allerdings getrennt voneinander. Foto: t&w
Kreisrätin Monika Scherf (parteilos für die CDU) und Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) warben bei den Grünen um Zustimmung - allerdings getrennt voneinander. Foto: t&w

26 Grüne für Manfred Nahrstedt

Von Klaus Reschke

Adendorf. Noch gehen sich die beiden Kontrahenten aus dem Weg: Genau genommen ist es Manfred Nahrstedt, der offenbar die direkte Konfrontation mit Monika Scherf meidet. Den Landrat scheint vor allem eine Sorge umzutreiben: Bloß nicht mit seiner Herausforderin gemeinsam abgelichtet werden. Jedenfalls jetzt noch nicht. Das führt zuweilen zu kuriosen Situationen so wie am Montagabend im Sporthotel Adendorf. Da stellten sich beide beim Grünen-Kreisverband als Kandidaten für die Landratswahl am 25. Mai vor. Erst die Kreisrätin, dann der Landrat. Und der betrat erst den Saal, als Scherf die Veranstaltung durch eine andere Tür verlassen hatte.

Die Grünen, das war vorher klar, werden keinen eigenen Kandidaten für die Landratswahl stellen. Also ging es am Montagabend darum, auszuloten, welchen Kandidaten die Grünen unterstützen wollen: die parteilose Monika Scherf, die von der CDU für das höchste Verwaltungsamt im Kreis nominiert wurde? Oder den altgedienten Sozialdemokraten und Amtsinhaber Manfred Nahrstedt? Für viele politisch Interessierte eine wichtige Frage für die grüne Parteibasis offenbar weniger: Von den rund 260 Mitgliedern des grünen Kreisverbandes waren nur 26 erschienen.

Um es vorwegzunehmen: Unterstützen wollen die Grünen im Wahlkampf Manfred Nahrstedt. ,,Wir werden eine entsprechende Wahlempfehlung an unsere Mitglieder heraus geben“, sagte gestern auf LZ-Anfrage Oliver Kraemer, einer der beiden Sprecher des Lüneburger Kreisverbandes der Grünen. Die Entscheidung dafür fiel am Montagabend hinter verschlossenen Türen einstimmig! Die Vorstellung der beiden Kandidaten durfte die LZ noch mitverfolgen, als es zur Aussprache kam, musste die Presse den Raum verlassen. Die Diskussion fand ,parteiöffentlich statt was nichts anderes bedeutet als ,,Nicht öffentlich!“. Erklärungsversuche des Parteisprechers: ,,Die Kandidatenfrage ist ein wichtiges Thema. Da wollten wir den Mitgliedern die Möglichkeit geben, sich frei zu äußern, ohne sich mit Blick auf die Presse einschränken zu müssen.“ Ein beliebtes Argument, um hinter verschlossenen Türen Politik zu machen. Auch bei anderen Parteien: Zuletzt war es vor wenigen Tagen die AfD, die in Hessen mit der gleichen Argumentation die Journalisten vor die Tür schickte.

Dabei ist das Ergebnis Manfred Nahrstedt das Vertrauen auszusprechen und im Wahlkampf zu unterstützen so ungewöhnlich nicht: Im Kreistag hat Rot-Grün die Mehrheit. Jetzt plötzlich Nahrstedts Konkurrentin auf den Schild zu heben und eine Wahlempfehlung für Monika Scherf auszusprechen, hätte man leicht als Vorwurf deuten können, dass die Parteibasis doch nicht zufrieden ist mit der Umsetzung grüner Positionen im Kreis.

Doch davon sind die Grünen oder zumindest die, die der Einladung des Kreisverbandes gefolgt waren weit entfernt. Oder wie es gestern Oliver Kraemer ausdrückte: „Die Zusammenarbeit im Kreis mit der SPD ist sehr positiv. Uns ist es wichtig, diese erfolgreich fortzuführen.“ Monika Scherf habe in ihrer Vorstellungsrunde zwar viele wichtige grüne Themen angesprochen, mehr Übereinstimmungen gebe es jedoch mit Manfred Nahrstedt. ,,Konkret bei den Themen Bildung, Energiepolitik, Hochwasserschutz, der Flüchtlingspolitik und beim Schuldenabbau.“ Da hat sich Nahrstedt klar positioniert“, lobt der grüne Kreissprecher.

,,Wir haben Kassenkredite in Höhe von derzeit 32 Million Euro“, sagte Nahrstedt und schob nach: ,,Wir werden auch weiter Schulden abbauen, aber nicht auf Teufel komm raus“. Es gehe um Generationengerechtigkeit, betonte Nahrstedt.

,,Wenn wir verantwortungsvoll gegenüber unseren nächsten Generationen sein wollen, müssen wir weg von unseren Liquiditätskrediten“, forderte dagegen Monika Scherf, die im Übrigen auch eine klarere Haltung des Kreises gegenüber der Stadt anmahnte. ,,Es kann doch nicht sein, dass Kreis und Kommunen Verträge aushandeln, nur die Hansestadt Lüneburg sich nicht daran hält. Das geht nicht!“

Auch Scherf stellte einen Querschnitt ihrer Projekte vor, die ihr am Herzen liegen angefangen von der ländlichen Entwicklung und dem Ausbau der Mobilität über die Verbesserung der Infrastruktur bis hin zur Energiewende und der Rekommunalisierung von Energienetzen. Überzeugen konnte sie die Grünen am Ende damit nicht. ,,Schade“, findet Monika Scherf: ,,Ich hatte gehofft, den einen oder anderen Grünen doch zum Nachdenken anregen zu können.“

Glücklich zeigt sich dagegen Manfred Nahrstedt: ,,Ich freue micht über das Ergebnis und auf einen erfolgreichen Wahlkampf mit den Grünen.“