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Ein Haussperling kratt sich an einem Zweig fest. Dem Haussperling fehlt der schwarze Wangenfleck, der den Feldsperling schmückt. Foto: haase
Ein Haussperling kratt sich an einem Zweig fest. Dem Haussperling fehlt der schwarze Wangenfleck, der den Feldsperling schmückt. Foto: haase

Kein Platz für den Spatz

emi Lüneburg. Wer kennt ihn nicht, den kleinen, graubraunen Vogel, der so herrlich „schimpfen“ kann? Erst kürzlich landete der Hausspatz bei der „Stunde der Wintervögel“ auf Platz eins der bundesweiten Nabu-Vogelzählung.

Er hatte auch im Kreis Lüneburg den Schnabel vorn, dicht gefolgt vom Feldsperling auf Platz drei. Doch das Ergebnis ist trügerisch. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Bestände der heimischen Sperlinge seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückgehen: sowohl Haus- als auch Feldsperling stehen deutschlandweit auf der Vorwarnliste für gefährdete Brutvögel.

Obwohl sich laut Frank Allmer die Situation „in den vergangenen vier, fünf Jahren auf niedrigem Niveau eingependelt“ habe, beobachte er die Entwicklung weiterhin aufmerksam. Dass die Sperlinge auf der aktuellen Nabu-Liste der Wintervögel so weit vorn gelandet sind, führt der Nabu-Vogelexperte unter anderem auf den Beobachtungsort zurück: Futterhäuschen in Gärten und Parks, an denen sich die Tiere gern sammeln.

Und Ulrike Ahlers, in Lüneburg lebende Biologin, fügt hinzu: „Sicherlich spielen dabei auch Verwechslungen ein Rolle. Gefährdungsstufen lassen sich an diesen Beobachtungen nicht ablesen. Sie haben aber den Effekt, dass die Leute mehr hingucken.“ Und das ist auch nötig, warnt Ahlers: „Wenn schon der am häufigsten gezählte Wintervogel Deutschlands auf der Vorwarnliste steht, ist das sicher ein Alarmzeichen.“

Die 43-jährige Biologin interessiert sich schon lange für Wildvögel, beschäftigt sich vor allem mit der Gefährdung ihrer Lebensräume. Flächenversiegelung, Nahrungs- und Brutplatzmangel machen den Sperlingen das Leben schwer.

Ahlers erklärt: „Spatzen brauchen offene Flächen. Sie lieben Pfützen zum Baden und Sandflächen, um im Staubbad Gefiederhygiene zu betreiben“. Doch solche Plätze sind heutzutage nicht leicht zu finden: „Oft ist hier alles zugepflastert.“ Neben der Versiegelung vertreibt häufig die moderne Hausbauweise die Spatzen.

Neubauten sind im Dachbereich nämlich oftmals hermetisch abgeriegelt. Für die Sperlinge gehen dadurch wertvolle Nistplätze verloren. „Haussperlinge bauen ihre kugeligen bis walzenförmigen Nester gern in Mauernischen und unter Dachpfannen“, berichtet Ulrike Ahlers. Sind die Fassaden allzu ordentlich verputzt, fällt diese Möglichkeit weg.

Ein weiteres Problem für die Vögel stellen die perfekt gepflegten Gärten dar, weiß Frank Allmer. „Früher wurde mehr Salat in den Gärten gepflanzt, alles war wilder, jetzt ist überall Rasen.“ Und mit dem können die Körnerfresser nicht viel anfangen. Dazu kommt: „An den Wegrändern wird zum Teil immer noch gespritzt. Das tötet Insekten.“ Und die wiederum werden benötigt, um die jungen Sperlinge zu füttern.

Gartenfreunde, die den Vögeln helfen möchten, dürfen laut Ulrike Ahlers also ruhig einmal „Unkräuter in Ritzen stehen lassen, denn die Spatzen picken gern daran“. Grundsätzlich gelte für den privaten Garten das Motto: „Mehr Mut zur Unordnung.“ Im Winter können Menschen helfen, indem sie Futterhäuschen aufstellen. Und: „Feldsperlinge gehen gern in Nistkästen, daran sollte man denken.“

Einen Wohlfühlfaktor für die Sperlinge schaffen außerdem Schutzgehölze, sagt Frank Allmer: „Wo relativ dichte Ligusterhecken und Efeu wachsen, fühlen sich die Spatzen tagsüber sicher.“ Und lassen sich gern nieder zur Freude von Ulrike Ahlers, die den Sperlinge gern zusieht und -hört: „Es ist doch schön, wenn Spatzen in den Hecken tschilpen. Das tut gut bei Lärm und Hektik.“